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Gezeigt werden Linolschnitte des Luxemburger Künstlers Albert Kaiser (1892–1973), der wegen seines Widerstands gegen die deutsche Besatzungsherrschaft im Zweiten Weltkrieg im Konzentrationslager Hinzert im Hunsrück inhaftiert wurde. Landrat Thorsten Stolz hat die Ausstellung nun eröffnet.

Kaiser hatte seit Beginn der 1930er Jahre Karikaturen gegen den Faschismus veröffentlicht. Nach dem Krieg erschienen seine Werke in der Zeitschrift „Ligue luxembourgeoise des prisonniers et déportés politiques“ (Luxemburgischer Verband der politischen Gefangenen und Deportierten). Im Jahr 1955 veröffentlichte Albert Kaiser aus Anlass des zehnten Jahrestags der Befreiung Luxemburgs von der Naziherrschaft sein Werk „Memento 1940–1945“. Die Publikation enthält 80 Grafiken, in denen der Künstler den deutschen Überfall auf Luxemburg, die nachfolgenden Repressionen gegen die Bevölkerung sowie seine eigenen Erfahrungen während der Haft im KZ thematisiert.

„Das Konzentrationslager Hinzert im Hunsrück, in dem auch Albert Kaiser inhaftiert gewesen ist, hat seine Spuren auch in unserer Region hinterlassen“, sagte Landrat Stolz. „Dort wurden Häftlinge gnadenlos zu Schwerstarbeit verpflichtet. Inhaftierte wurden in Außenlagern auf dem Gebiet des heutigen Main-Kinzig-Kreises eingesetzt und kamen teils bei dieser Arbeit und durch Folter und menschenverachtenden Schikanen zu Tode. Einige Ausstellungsstücke geben uns eine Ahnung von der Härte in diesem Lager und vom Umgang mit den Inhaftierten.“

Albert Kaisers Bilder erinnern einerseits an die Gräuel der Nazizeit, sie sind zum anderen auch noch 72 Jahre nach Kriegsende eindrucksvolle Zeugnisse der Bedrohung der Menschenrechte durch extreme Ideologien und undemokratische Regime. Besonders erschütternd ist dabei die Darstellung der demütigenden und grausamen Behandlung der Häftlinge in Hinzert. In diesem „SS-Sonderlager“ wurden von 1939 bis 1945 etwa 13.600 Häftlinge untergebracht, hauptsächlich politische Gefangene, Widerstandskämpfer, französische Fremdenlegionäre und sowjetische Kriegsgefangene. Das Konzentrationslager Hinzert hatte zahlreiche Außenlager beziehungsweise Außenkommandos, unter anderem in Frankfurt, Gelnhausen, Langendiebach, Rothenbergen und Wächtersbach.

Konzipiert wurde die Ausstellung von Julia Huneke (Stadt Nidderau), Julia Mücke (M.A., Goethe-Universität Frankfurt) und Prof. Dr. Jürgen Müller (Goethe-Universität Frankfurt). Professor Müller schlug bei der Ausstellungseröffnung einen Bogen von „Künstlern im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“, seinem Vortragsthema, mit sehr bekannten Namen aus Literatur, Schauspiel und Malerei hin zum weithin unbekannten Albert Kaiser. Für den Betrachter sei die Ausstellung aus zwei Gründen von besonderem Interesse. „Die Bilder behandeln die Geschichte eines kleinen Landes, das durch das Deutsche Reich besetzt gewesen ist. Sie geben uns also Einblick in das, was dort geschehen und uns gar nicht so präsent ist wie beispielsweise die Geschichte anderer besetzter Länder, etwa Frankreich“, so Müller. „Zum anderen sind dies die Werke eines Künstlers, dessen Name uns heute kein Begriff ist.“

Eindrucksvolle, künstlerische Darstellung, gleichzeitig bedrückend und abstoßend Dargestelltes: Beide Empfindungen fließen beim Betrachten der Bilder ineinander. Kurze erklärende Texte von Kaiser, die wenig Zweideutigkeit zulassen, lassen die realen Erlebnisse hinter den Bildern erkennbar werden, die Nazimethoden und Gräuel, die Unterdrückung durch Sadisten, die Ausbeutung der Schuftenden, die täglichen Erniedrigungen und Entwürdigungen. „Die Herrschaft der rauhen Gewalt“, unterschrieb Kaiser eines seiner Werke. Dieser Kommentar steht als imaginäre zweite Überschrift über den Ausstellungswänden im Bürgerportal.

Die Ausstellung kann bis Montag, 27. November, während der Öffnungszeiten des Main-Kinzig-Forums in Gelnhausen besucht werden: montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr sowie freitags von 8 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Foto: Landrat Thorsten Stolz (links) und Professor Dr. Jürgen Müller haben die Ausstellung „Memento“ im Bürgerportal eröffnet, die von Julia Huneke (Zweite von links) mitkonzipiert und mit Unterstützung des Zentrums für Regionalgeschichte um Christine Raedler bis 27. November im Main-Kinzig-Forum präsentiert wird.


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