Jūratės Tränen: Litauische Bernsteinkunst

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In einer längst vergessenen Zeit residierte in einem Bernsteinpalast auf dem Grund der Ostsee die Göttin Jūratė, die den sterblichen Fischer Kastytis abgöttisch liebte und damit Perkūnas, den obersten Herrn im litauischen Pantheon, erzürnt hatte.

Das Liebespaar bezahlte teuer für seinen Verrat. Perkūnas schleuderte Blitze, zerstörte den Bernsteinpalast, tötete Kastytis und sperrte Jūratė in einen Kerker auf dem Meeresgrund, wo sie noch immer bittere Tränen über ihr beklagenswertes Los vergießt. Ihre Tränen verwandeln sich in Bernstein, die das Meer bis heute zusammen mit Palast-Bruchstücken an den Strand spült. Nicht von ungefähr kennen die Litauer viele Märchen und Gedichte, die den Bernstein verherrlichen und preisen. Die Legende von Jūratė ist zweifellos am bekanntesten. Als man 1918 den Grundstein für die litauische Unabhängigkeit legte und den Bernstein zum Inhalt der litauischen Identität machte, wurde die Legende zum emotionalen Stützpfeiler. Der Bernstein war für den jungen litauischen Staat das Material, das die litauische Seele verkörperte, doch sein Weg in die professionelle Kunst war mit Hindernissen gespickt. Im frühen 20. Jahrhundert stellten die Bernsteinwerkstätten in Palanga aus geschliffenem Bernstein Halsketten, Tintenfässer und Rosenkränze her. Die Dichter lobten und priesen den Bernstein, während er von den Handwerkern nur für einfache Halsketten verwendet wurde. In der Sowjetzeit galt er als Rohmaterial für kitschigen Schmuck. In den 1940er Jahren hörte Feliksas Daukantas, ein Pionier des litauischen Designs, damit auf, dem Bernstein „Gewalt anzutun“ – ihn zu schmelzen, schneiden, erhitzen – erkannte die natürliche Schönheit eines jeden Bernsteinbrockens. Etwa zur selben Zeit begann Kazimieras Simanonis seine Karriere als Bernsteinkünstler, der einen großen Einfluss auf die Designer von Prototypen für die Massenproduktion der 60er- und 70er-Jahre ausübte. Eine radikale Änderung erfuhr diese Situation aber erst in den 1990er-Jahren, die so zum Wendepunkt in der Geschichte der litauischen Bernsteinkunst wurde. Deshalb präsentiert die Ausstellung „Jūratės Tränen“ ein breites Spektrum an Bernsteinarbeiten aus dem späten 20. und 21. Jahrhundert mit Werken der 15 bedeutendsten. international bekannten Bernsteinkünstler aus verschiedenen Generationen.

Die litauischen Bernsteinkünstler betrachten ihr Material mit ganz unterschiedlichen Augen. Ihre Werke sind poetisch, ironisch, konzeptionell, dekorativ oder alles zugleich. Fest steht: Der Bernstein hat in hundert Jahren litauischer Unabhängigkeit seine Eigenschaft als nationales Symbol nicht eingebüßt; die Künstler berufen sich sowohl auf sein natürliches Wesen als auch auf sein symbolisches Kapital; sie alle vereint die Liebe zum Bernstein, dem Symbol Litauens, Achtung vor dem Material, herausragendes handwerkliches Können und die Gabe, Form und Idee zu einem Ganzen, einem Werk von hohem künstlerischem Wert zu verbinden. Jūratės Tränen sind nicht umsonst vergossen.

Die Präsentation wurde von Dr. Jurgita Ludavičiene zusammengestellt und kuratiert. Die Ausstellung wird in Anwesenheit der Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck, des Präsidenten der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V., Hartwig Rohde sowie des Botschafters der Republik Litauen, Darius Semaška und des Präsidenten des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, eröffnet. Mit der Präsentation litauischer Bernsteinkunst leisten die Gesellschaft für Goldschmiedekunst und das Deutsche Goldschmiedehaus einen Beitrag zum 100jährigen Jubiläum zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens. Dank zahlreicher Unterstützer, Privatpersonen und öffentlichen Institutionen, konnte das Projekt realisiert werden.

Begleitendes Fotomaterial gibt es ab 1. März auf der Homepage der Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. www.goldschmiedehaus.com unter dem Presse – Link.

Jūratės Tränen – Litauische Bernsteinkunst des 20. und 21. Jahrhunderts
Ausstellung im Souterrain des Deutschen Goldschmiedehauses
22. März – 15. Mai 2018 Eröffnung: Donnerstag, 22. März, 19.00 Uhr


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