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Vor kurzem hat es begonnen, seinen Kopf aus der schützenden Bauchtasche zu strecken. Mitte Mai brachte das 5-jährige Goodfellow-Baumkänguru JAYA-MAY ein Jungtier zur Welt – als Winzling von nur wenigen Zentimetern. Jetzt, fast sechs Monate später, hat sich das Kleine sehr gut entwickelt und wird immer aktiver. Häufig schaut es aus Mutters Beutel und beginnt, seine Umgebung zu erkunden.

„Alles sieht sehr gut aus. JAYA-MAY kümmert sich hervorragend um ihren Nachwuchs. Wir hoffen, dass dieses Mal alles gut geht, denn das letzte Jungtier von JAYA-MAY starb kurz nachdem es den Beutel verlassen hatte. Das war angesichts der großen Seltenheit der Tiere ein großer Verlust“, so Zoodirektor Professor Dr. Manfred Niekisch. JAYA-MAY kam im September 2015 aus Rostock nach Frankfurt. Baumkängurus sind Einzelgänger, die nur zur Paarung zusammenkommen. Vom zehnjährigen SAMARAI, der seit 2012 im Frankfurter Zoo lebt, wird das Weibchen daher getrennt gehalten, solange sie nicht in einer fruchtbaren Phase ist.

SAMARAI ist auch der Vater des Jungtieres, das das Weibchen BELISI im Beutel trägt. BELISI kam in Abstimmung mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) im April 2017 aus dem Zoo von Krefeld nach Frankfurt, um hier verpaart zu werden. Nach erfolgreicher Befruchtung und der Geburt des Jungtiers, ging sie im August zurück nach Krefeld. Dafür kam im Oktober das zehn Jahre alte Weibchen NUNSI aus Duisburg. „Wir hoffen, dass auch NUNSI aufnimmt und Nachwuchs von unserem Männchen bekommt, bevor sie zurück nach Duisburg geht“, so Niekisch. „Der Aufbau einer stabilen Zoopopulation ist bei dieser mittlerweile sehr seltenen Tierart so unerlässlich, dass der Aufwand, die Tiere zur Zucht vorübergehend in andere Zoos zu bringen, mehr als gerechtfertigt ist“, erklärt der Zoodirektor.

Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, freut sich insbesondere darüber, dass Frankfurt hier einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung leistet: „Momentan ist der Frankfurter Zoo der einzige Zoo in Deutschland und einer der wenigen Zoos in Europa, dem die Zucht der bedrohten Goodfellow-Baumkängurus gelingt. Es zeigt uns, wie weitreichend die Aufgaben wissenschaftlich geführter Zoos sind – sie gehen deutlich über Tierpräsentation und Wissensvermittlung hinaus.“

Wegen ihrer zurückgezogenen Lebensweise in den Baumwipfeln der Regenwälder Papua-Neuguineas ist bisher nur wenig über Goodfellow-Baumkängurus (Dendrolagus goodfellowi buergersi) bekannt. In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN werden sie als „gefährdet“ eingestuft. In ihrer Heimat sind sie besonders durch Lebensraumverlust – etwa durch Kaffeeanbau – aber auch durch die Jagd in ihrem Bestand bedroht. Goodfellow-Baumkängurus sind eine von derzeit erst sechs Arten, die im Global Species Management Plan (GSMP) gelistet sind. In dem von der World Association of Zoos and Aquariums (http://www.waza.org/en/site/conservation/conservation-breeding-programmes/gsmp) organisierten Programm wird die weltweite Nachzucht von bedrohten Tierarten mit genetisch ausgewogenen Populationen organisiert. Das bedeutet, dass es weltweit so wenige Individuen einer Art in den Zoos gibt, dass ein langfristiges Überleben nur gewährleistet werden kann, wenn die Weltzoopopulation als Ganze wissenschaftlich betreut wird.

Foto-Quelle: Zoo Frankfurt


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