Was tut sich bei unseren bayerischen Nachbarn an der Grenze zu Biebergemünd und dem Gerichtswald Linsengericht in Sachen Ausweisung von Standorten für Windkraftanlagen? Die Regierung von Unterfranken befand in einem aktuellen Beschluss: Es tut sich zunächst nichts, denn es gibt genügend Standorte außerhalb des Naturparks Bayerischer Spessart. Diese Entscheidung lässt aufhorchen und klingt so gar nicht nach dem alternativlosen Gezerre um möglichst viele Industrieanlagen auf jedem windtechnisch geeigneten Höhenzug. Das heißt im Umkehrschluss, dass in Bayern nicht die finanziellen Interessen der Kommunen den Hauptantrieb darstellen, sondern bei der notwendigen Energiewende Flächen den Vorrang bekommen, die ohnehin stark menschlich genutzt sind.
Hier bieten sich große, landwirtschaftlich genutzte Äcker mit dem entsprechenden Abstand zu Siedlungen an. Sie befinden sich in der Intensivnutzung, sind ökologisch wertlos und könnten ohne Zerstörung des Landschaftsbildes oder die erheblichen Risiken für den Naturhaushalt für eine weitere Produktion – Ernährung und Energie – genutzt werden. Der in der Ebene schwächer wehende Wind wird pro Park mit einer Anlage mehr ausgeglichen und im Übrigen können auch unsere holländischen Nachbarn nur Räder im flachen Land betreiben. Das Problem sind die Besitzverhältnisse. Äcker gehören vielfach nicht den Gemeinden, lukrative Einnahmen gehen verloren, die Gemeindehaushalte können nicht saniert und die Steuern müssen erhöht werden.
Unter dem Deckmantel einer ökologischen Energiewende steht der Profit von Projekteuren, Anlagenbauern, Betreibern und manchen Kommunen bei den derzeitigen hektischen Aktivitäten stark im Vordergrund. Und wer das alles zahlt, ist der Steuerzahler. Schon Anfang der 70er wurde von klugen Leuten der Naturpark Hessischer Spessart im größten zusammenhängenden Mischlaubwaldgebiet Deutschlands gegründet. Obwohl der Wald seit Menschengedenken bewirtschaftet wird, ist er in seiner landschaftlichen Schönheit bekannt und beliebt, bietet Lebensraum für ein eng miteinander verwobenes Ökosystem. Hier regenerieren sich Menschen, tanken Energie beim Wandern, leben hier seit Generationen oder haben sich bewusst für den Kauf einer Immobilie abseits des Stadtgetriebes entschieden.
Diese Qualität sollte und muss auch für die Zukunft erhalten bleiben. Die bayerische Entscheidung, im bayerischen Naturpark keine Windkraftanlagen aufzustellen, bewahrt ein kulturelles Erbe und erhält das charakteristische Landschaftsbild. Hier wird die Heimat von Bürgern geschützt und der Siegeszug der industriellen Missionierung gestoppt. Berechtigte Gegenargumente und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Windanlagen im Wald werden - seltsamerweise vielfach von grünen Politikern - mit immer gleichlautenden Worthülsen als Panikmache und Rückschritt abgetan.
Ideologische Gleichmacherei nach dem Motto: „In der Windkraft liegt das Heil, also bauen wir die Dinger ohne Rücksicht auf Verluste“ wird sich bei der derzeitigen Hektik als Fehler herausstellen. Wir Bürger können hoffen und auch fordern, dass die Vielfalt, die Eigenart und die Schönheit des Hessischen Spessart auch bei den hessischen Genehmigungsbehörden als unbedingt erhaltenswert angesehen wird.
Manfred Iffland
Waldstraße 24
63589 Linsengericht
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