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Keiler Bier

Offener Brief von den Grundschulleitungen

Die Grundschulleiterinnen und Grundschulleiter aus dem Main-Kinzig-Kreis haben sich mit einem offenen Brief an die hessischen Kultusministerin Nicola Beer gewandt:

VR Bank Main-Kinzig-Büdingen eG

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Beer,

130 Grundschulleitungen in Frankfurt, Darmstadt und dem Kreis Darmstadt-Dieburg haben laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung vom 07.11.2012 einen offenen Brief an Sie als Kultusministerin des Landes Hessen unterschrieben. In dem offenen Brief wird die massive Belastung der Grundschullehrkräfte beschrieben, die u.a. dazu führt, dass immer weniger erfahrene Lehrkräfte bereit sind, Funktionsstellen zu übernehmen.

Diese Entwicklung ist nicht auf den Bereich Frankfurt – Darmstadt beschränkt. Im Main-Kinzig-Kreis machen wir die gleiche Beobachtung. Bei vier ausgeschriebenen Schulleitungsstellen an Grundschulen, deren Bewerbungsfrist Anfang November ausgelaufen ist, lag nur in einem einzigen Fall eine Bewerbung vor, obwohl es sich bei mehreren Stellen bereits um Zweitausschreibungen handelt. Mittlerweile kommen Viert- und Fünftausschreibungen vor. Hinzu kommt, die stellvertretenden Schulleiterinnen und Schulleiter an Grundschulen vermehrt ihre Funktionsstelle zurückgeben.

Die Ursache liegt in der extremen Belastungssituation an Grundschulen. Genau wie die oben angesprochenen Grundschulleitungen aus dem Raum Frankfurt, Darmstadt. Dieburg „… sehen wir die Gründe für den Mangel an Führungsnachwuchskräften an den Hessischen Grundschulen nicht in Informationsdefiziten oder mangelnden Qualifizierungsmöglichkeiten, sondern in den Arbeits- und Leitungsbedingungen an den Schulen:

Die Lehrkräfte an den Grundschulen haben mit 29 Wochenstunden die höchste Stundenverpflichtung, die geringste Bezahlung und den niedrigsten Status aller Lehrkräfte. Dabei zählen die Grundschulen zu den innovativsten Schulformen in Hessen. Sie schultern seit Jahren gleichzeitig mehrere große strukturelle Umwälzungen: Bildungsstandards und Umsetzung des kompetenzorientierten Unterrichts, Erarbeitung der Schulcurricula, Ganztagsschulentwicklung, selbständige Schule, Bildungs- und Erziehungsplan, flexible Eingangsstufe, Inklusion, neue Leitbilder für Schulleitungen…

Jedes einzelne dieser Themen bedeutet herausfordernde Veränderungsprozesse in der Unterrichtsgestaltung, der Schulorganisation, der Schulprogrammarbeit und des Selbstverständnisses der einzelnen Schule. Gleiches gilt für die Schulleitungen, die neben dem erheblichen organisatorischen und administrativen Mehraufwand zusätzlich als personelle Führungskraft gefordert werden. In seiner Fülle ist all dies für die einzelne Schule - insbesondere in der angespannten personellen Lage - kaum noch leistbar.

Dies wirkt sich bei vielen negativ auf die Bereitschaft aus, Leitungsverantwortung zu übernehmen. Deshalb bedarf es dringend einer realistischen Einschätzung der dazu notwendigen Entwicklungszeit, der Schaffung von zusätzlichen Leistungsanreizen und Entlastungen sowie der Bereitstellung ausreichender Ressourcen. Wir erwarten, dass die Pflichtstundenregelung diesen rapide gestiegenen Anforderungen und Erwartungen an die Grundschullehrkräfte endlich Rechnung trägt! In den Grundschulen sind die Schulleitungen in besonderem Maße gefordert. Die mittlerweile angekündigte Verbesserung der Besoldung für Grundschulrektoren ist ein richtiger Schritt, löst das Problem aber nicht. Wir können uns hier wieder den Schulleitungen aus dem Raum Frankfurt, Darmstadt, Dieburg anschließen: Wir brauchen Zeit: Um die Konzepte, die an jeder Schule erarbeitet werden müssen, erstellen zu können, müssen die Schuldeputate und die Sockeldeputate der Schulleiterinnen/Schulleitungen unabhängig von den Schülerzahlen deutlich erhöht werden. Die Ganztagsschulentwicklung erfordert ein klares Deputat für die Schulleitungen, da sie auch in die Personalangelegenheiten der außerschulischen MitarbeiterInnen und in die Konzeptentwicklung, Kommunikation und Kooperation im Stadtteil eingebunden sind.

Alle SchülerInnen, die eine Schule besuchen, müssen auch bei der Schülerzahl und den daran geknüpften Ressourcen berücksichtigt werden (Vorlaufkurse!). Bereits eine Vielzahl von neuen Aufgaben, wie Förderpläne, Förderausschüsse oder auch Schulcurricula zeigen, dass die Ansprüche und Anforderungen an die Grundschulen, die Schulleitungen und die Lehrkräfte, erheblich gewachsen sind. Mit der nun hinzukommenden verstärkten Möglichkeit der Inklusion gilt es, einen weiteren enormen Anstieg an Beratungs- und Kooperationsarbeit zu verkraften, auch hierfür muss Entlastung gewährt werden! …

Wir brauchen ein Team: Um Schulentwicklung reflektieren und verantwortungsvoll steuern zu können, ist die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung in einem Leitungsteam unerlässlich. Deswegen müssen alle Grundschulen mit Konrektorenstellen – mit zusätzlichen notwendigen Deputaten - ausgestattet werden.“ …

Wir bitten Sie dringend, endlich spürbare Verbesserungen für die Erledigung der wachsenden Aufgaben an unseren Schulen in die Wege zu leiten.

Mit freundlichen Grüßen

i.A.

Clara Ortel, Vorsitzende des Gesamtpersonalrates der Lehrerinnen und Lehrer beim Staatlichen Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis

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