Bürgerdialog gestartet: „Wie möchten wir sterben?“

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„Ein Leben in Würde – bis zuletzt“, dafür sprechen sich die heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Bettina Müller und Dr. Sascha Raabe aus und wollen das Thema „Sterben“ in den Mittelpunkt rücken. Am Mittwoch fiel der Startschuss für einen Bürgerdialog, bei dem über eine Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung im Main-Kinzig-Kreis diskutiert werden soll.

raabemueller

Am 11. März findet dazu in der Gelnhäuser Stadthalle im Rahmen der Reihe „SPD-Bundestagsfraktion vor Ort“ eine Veranstaltung mit fachkundigen Experten statt.

Um eine flächendeckende ambulante Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Patienten zu gewährleisten, könnte sich Müller ein Modell vorstellen, wie es in Westfalen-Lippe umgesetzt wird: Ein enges Netz von Hausärzten, Palliativärzten und Pflegekräften hat dort die Versorgung übernommen, die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen haben dazu einen unbefristeten Palliativvertrag geschlossen. Vor allem für den Osten des Main-Kinzig-Kreises, wo laut Müller bislang nur von Wächtersbach und Bad Soden-Salmünster aus ehrenamtlich ein ambulanter Hospizdienst angeboten wird, könnte das aus Sicht der beiden SPD-Bundestagsabgeordneten ein gutes Modell sein. Die Spezialisten vom Hospiz „Louis de Marillac“ in Hanau hätten bereits ihre Unterstützung zugesagt, die medizinische Betreuung und Versorgung vor Ort soll allerdings von den Hausärzten übernommen werden, denen durch die fachmännische Beratung aus Hanau aufwendige Zusatzqualifikationen erspart bleiben würden. So wurde es Müller in Westfalen-Lippe erklärt und dieses Modell will sie jetzt auch im Main-Kinzig-Kreis zur Diskussion stellen.

„Wie möchten wir sterben?“, lautet daher der Titel einer Postkartenkampagne, von der sich beide möglichst viele Rückmeldungen erhoffen. „Sterbenskranken Menschen beizustehen, ihre Leiden zu lindern und sie zu trösten, ist eine Aufgabe, die politisch unterstützt werden muss“, verweist Müller darauf, dass im Koalitionsvertrag festgehalten wurde, Hospize und palliativmedizinische Versorgung auszubauen. Raabe plädiert unter anderem dafür, Pflegekräfte besonders zu schulen: „Wir müssen uns im Klaren sein, dass bei der Palliativversorgung nicht die Verlängerung der Lebenszeit im Mittelpunkt steht, sondern die Verbesserung der Lebensqualität von schwerstkranken und sterbenden Menschen.“

Die Ergebnisse des Bürgerdialogs wollen beide dann für ihre Antwort auf eine der wohl anspruchsvollsten Diskussionen in der laufenden Legislaturperiode nutzen. „Soll einem sterbenskranken Menschen sein Arzt ein tödliches Medikament verabreichen dürfen?“, will der Bundestag nach einer bereits emotional geführten Debatte im November 2014 noch in diesem Jahr eine gesetzliche Regelung schaffen, wie weit bei der Beihilfe zum Suizid zukünftig gegangen werden darf. „Das Thema Sterbehilfe wird mir viel zu hoch hängt“, erzählt Raabe von persönlichen Erlebnissen mit dem todkranken Menschen und verweist wie auch seine Kollegin Müller darauf, dass es bei allen Plänen für eine Gesetzesänderung in Berlin letztlich für jeden Abgeordneten eine Gewissensentscheidung bleiben werde. Die Ausführungen ihres ehemaligen Parteivorsitzenden Franz Müntefering, der eine „elegante Abschiedszeremonie auf Knopfdruck“, wie er Sterbehilfe beschreibt, kategorisch ablehnt, wollen sie nicht gehen, „dubiose und schwer auszuhaltende Sterbehilfevereine“ sind für Müller allerdings auch nicht die Lösung. Ganz am Ende des Weges, wenn alle palliativmedizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und selbst das schönste Hospiz den Patienten nicht mehr zufrieden stellen kann, könnte Raabe sich vorstellen, dass ein Arzt einen Medikamentenmix zur Verfügung stellt und somit assistierte Sterbehilfe leistet. Doch bis dahin, da sind sich Müller und Raabe einig, müssten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um ein Sterben in Würde zu ermöglichen.


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