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"Im Spiegel der jüngsten, deutlich rechtsextremen Äußerungen des AfD-Sprechers Björn Höcke muss AfD-Landratskandidat Walter Wissenbach persönliche Konsequenzen ziehen, zumal Höcke eben nicht aus der Partei geworfen wurde und sich anschließend noch – trotz Ausladung – einer Gedenkveranstaltung im Konzentrationslager Buchenwald aufdrängt. Herrn Wissenbachs eilige, aber gerade deswegen durchsichtige öffentliche Distanzierung geschieht wieder einmal ohne konkrete Folgen und einzig aus dem Grund, sich seinen Wahlkampf nicht verhageln zu lassen. Wissenbachs Parteikollege Höcke ist immer wieder mit grenzüberschreitenden Aussagen aufgefallen, ohne dass es in der AfD deshalb je zu Konsequenzen gekommen wäre.

Auch wenn Höckes rechtsradikales Gedankengut jetzt im fernen Dresden eine Bühne gefunden hat, so strahlt das selbstverständlich auch auf den Main-Kinzig-Kreis aus. Denn die AfD ist hier im Kreistag vertreten und stellt einen Landratskandidaten. Höcke ist als thüringischer AfD-Sprecher nicht irgendwer. Er macht immer wieder mit fanatisiertem Eifer eine destruktive Rechtsaußen-Kultur sichtbar, wie sie in der AfD ganz offensichtlich eine breite Basis hat. Wer eine gewählte deutsche Regierung als „Regime“ bezeichnet, seine eigene Partei als nationalistische „Bewegungspartei“ beschreibt, und wer den Bürgerinnen und Bürgern Deutschlands allen Ernstes „einen langen und entbehrungsreichen Weg“ verordnen will, der zu einem „vollkommenen Sieg“ führe, der ist fraglos in den geistigen Mustern der Nationalsozialisten unterwegs.

Es ist völlig unverständlich, wie Herr Wissenbach es politisch und menschlich aushalten kann, in einer Partei zu agieren, die ein derartiges Mitglied an ihrer Spitze duldet. Wissenbach kann jetzt guten Gewissens der AfD den Rücken kehren und auf diese Weise konkrete Verantwortung übernehmen für bestürzende Aussagen, wie sie leider schon seit langem aus seiner Partei herausquellen. Bloße Lippenbekenntnisse reichen keinesfalls aus und stellen bloß ein Manöver dar, um sich ein Problem persönlich vom Hals zu halten, das eines der ganzen AfD ist.

Das ist umso verstörender, als Wissenbach in einer Stadt lebt, die wie kaum eine andere Beispiel dafür ist, welche verheerenden Folgen der von den Nationalsozialisten angezettelte Krieg hatte: Am 19. März 1945 zerbombten alliierte Fliegerstaffeln innerhalb von 20 Minuten die historische Hanauer Innenstadt, rund 2.500 Menschen wurden dabei getötet. Und am 9. November 1938 brannten auch im Main-Kinzig-Kreis viele Synagogen, woran viele Gemeinden aus gutem Grund heute noch mit Veranstaltungen gedenken. Das alles zieht ein hoher AfD-Funktionär in den Dreck – und die Partei macht nach ein bisschen Empörungsrhetorik weiter wie bisher, auch im Main-Kinzig-Kreis. Mit derartigen Äußerungen aus den eigenen Reihen kann die AfD keinesfalls beanspruchen, für eine konservative und bürgerliche Politik zu stehen.

Das Problem mit den Vertretern der AfD besteht schon seit langem darin, dass sie immer wieder bewusst provozieren und Skandale erzeugen, es aber dann hinterher nicht so gemeint haben wollen. AfD-Kandidat Wissenbach hat jetzt die Chance, sich jenseits der AfD-typischen Lippenbekenntnisse etwas glaubwürdiger zu machen. Er müsste die persönliche Konsequenz ziehen und sich aus einer Partei entfernen, die anscheinend sogar den extremsten Gesinnungsträgern noch ein Plätzchen warmhält."

Martin Fischer
Klingstraße 20
63477 Maintal

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