"Wenn man sich die Geschichte Hanaus vergegenwärtigt: alles andere als ein Aufbruch in die Vergangenheit mit der AfD! Im Gegenteil. Als Industriestandort mit einer selbst- und klassenbewussten  Arbeiterschaft, mit radikalen Demokraten 1832, einer kämpferischen Turnerschaft 1848, eine lange Zeit lang erfolgreich im Widerstand gegen die Nazis, noch in den Novemberwahlen 1929 kein Sitz für die NSDAP im Stadtparlament, selbst nach der Machtübertragung an Hitler, auf Drängen der Schwer- und Rüstungsindustrie und im Bündnis mit den Deutschnationalen und mit Zustimmung der bürgerlichen Katholiken (Zentrum), errangen die KPD und SPD gegen den Terror von SA und SS noch 14 Sitze bei den Stadtverordnetenwahlen im März 1933. Dann im Widerstand und unter Folter in den Kellern der Gestapo im Marstall, immer noch der Gesang ' Und weil der Mensch ein Mensch ist, hat er Stiefel im Gesicht nicht so gern, er möcht' unter sich keinen Sklaven sehn und über sich keinen Herrn.

Vergangen, verweht im Wind von Globalisierung, Digitalisierung, Deindustriealisierung und dem nationalen Geschrei von Pegida und AfD? Die Arbeiterschaft übergelaufen zum Klassenfeind? Die Abgehängten, die prekär Beschäftigten, die um ihren Status  sich Ängstigenden auf den  Leim derer gekrochen, die ihn angerührt haben? Die den Sozialkahlschlag predigen, ein altfränkisches Familienbild propagieren, Steuererleichterungen für Reiche fordern, Vermögende und Erben. Und vor allem wider besseres Wissen, Flüchtlinge für alle Probleme der neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftkrisen verantwortlich machen? Wider besseres Wissen deshalb, weil von schulischem und universitärem Bildungsweg her ihnen Grundzüge der Ökonomie und Geselschaftslehre, auch der Ethik zumindest bekannt sein müssten. Und in diesem Sinn doch wieder Aufbruch in die Vergangenheit.

Die Mehrzahl nämlich der Führungsgruppe der AfD in Hanau stammt nicht aus der Schicht der Abstiegsgefährdeten, der prekär Beschäftigten, der mit Recht Besorgten über die Zukunft, sondern aus dem 'gutem Bürgertum': Ältere Herren, pensionierte Vorstände, Innungsmeister,  promovierte Naturwissenschaftler, oft aus der untergehenden Atomindustrie. Fühlen sich entwertet, leiden unter Bedeutungsverlust, waren früher privilegiert, haben eine hierarchisch geordnete Welt von Herrn und Knecht internalisiert. Müssen sich rächen am politischen Establishment, das ihnen zumutet den Verlust der Atomindustrie, die Homoehe, Einwanderung anderer Hautfarben, Geschlechtumwandlungen, Strafbewehrung für Vergewaltigung in der Ehe und was der 'schrillen Moden' noch so aufgetischt werden. Dass all solcher Wandel letztlich überhaupt die gesellschaftlichen Verhältnisse wahrlich nicht zum Tanzen bringt, sondern die Privilegien der Reichen und Mächtigen sogar noch größer werden lässt, wissen diese Herren auch. Aber sie wollen künftig selber solche Herren werden: Einflussreich, mächtig, auf dem Rücken wild gemachter Wutbürger reitend, in irgend ein drittes Reich", wie Brecht im Lied vom SA-Mann schreibt."

Jörg Sternberg
Helmholtzstr. 10
63454 Hanau

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