Gemeindevertreter diskutieren über die Waldbewirtschaftung

Hammersbach
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Vor wenigen Tagen hatte Bürgermeister Michael Göllner die Gemeindevertreter, Gemeindevorstand und Jagdpächter zur traditionellen Waldbegehung in den Gemeindewald eingeladen.

Revierförster Udo Kaufmann und der stellvertretende Forstamtsleiter Stefan Brinkmann vom Forstamt Wolfgang stellten einige Aspekte der Waldbewirtschaftung vor. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die bodenschonende sogenannte Holzbringung mit Pferden. Auch wenn einige Waldbesucher denken, heutzutage würde das gefällte Holz nur noch mit sehr großen Maschinen aus dem Wald gerückt, konnte den Gemeindevertretern gezeigt werden, dass das so nicht stimmt. Zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung gehört nicht nur, dafür zu sorgen, dass die Holzernte wirtschaftlich verrichtet wird, sondern auch, dass dabei der Boden und der stehende Bestand geschont werden. Je nach örtlichen Verhältnissen kann deshalb sowohl der Einsatz von großen Vollerntern, sogenannten Harvestern, und Rückezügen oder der Einsatz von Motorsäge und Seilschlepper sinnvoll sein. Dass außerdem auch heute noch der Einsatz von Rückepferden seine Berechtigung hat, konnten die Gemeindevertreter vor Ort beobachten und gut nachvollziehen.

Anhand frisch aufgearbeiteter Baumstämme erläuterten anschließend die Forstleute die unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Baumarten. Der Gemeindewald in Hammersbach umfasst mit rund 500 Hektar rund ein Viertel der Gemarkungsfläche. Hauptbaumart ist hierbei die Buche, die auf den meisten Flächen auch natürlich und ohne den Einfluss des Menschen dort wachsen würde. Seit vielen Jahren versuchen die Förster jedoch auch andere Baumarten zu beteiligen. Im Hinblick auf den Holzmarkt, aber auch aus Gründen der Biodiversität und nicht zuletzt vor dem Hintergrund des sich verändernden Klimas wird diese Vielfalt weiterhin gefördert.

Bürgermeister Michael Göllner, der selbst als studierter Forstingenieur vom Fach ist, erläuterte in diesem Zusammenhang, dass eine Vielzahl von Interessensgruppen unterschiedliche Ansprüche an den Wald hat. So sind starke alte Eichen- oder Buchenbestände mit dicken langen Stämmen das Produkt von etwa zehn Förstergenerationen, die darauf hingearbeitet haben, diese wertvollen Stämme zu erziehen, damit sie eines Tages geerntet und genutzt werden können. Für den Naturschutz sind aber gerade solche Bäume sehr wertvoll, da sie wichtige Habitatbäume für geschützte Vogel- und Insektenarten sein können. Spaziergänger und Radfahrer im Wald wünschen sich ein gut ausgebautes und gepflegtes Wegenetz. Diese Wege werden aber in erster Linie für die Erschließung und Nutzung des Waldes gebaut und dabei auch manchmal beschädigt. So unterschiedliche Ansprüche an den Wald können durchaus auch zu Konflikten führen. „Als Waldbesitzer haben wir eine hohe Verantwortung. Wir müssen ebenso wie unserer Förster zum einen in Generationen denken, zum anderen die wirtschaftlichen, ökologischen und die sozialen Funktionen des Waldes miteinander verbinden. Unsere Wälder sind keine Urwälder, um die man sich nicht kümmern müsste, sondern Teil unserer Kulturlandschaft.“, so Bürgermeister Göllner. Die gesetzlichen Vorgaben geben dem Waldbesitzer auf, dass höchstens so viel Holz genutzt wird, wie im gleichen Zeitraum auch wieder zuwächst. Der Wald verändert durch die Bewirtschaftung zwar stetig sein Aussehen, aber ein Raubbau, wie er manchmal vermutet wird, wenn irgendwo Holz eingeschlagen wird, findet nicht statt. Wenn ein Förster heute einen alten, dicken Baum fällt, sorgt er durch Pflegemaßnahmen in einem vor 70 Jahren gepflanzten Bestand dafür, dass ein Förster in 50 Jahren hier ebenfalls wieder Holz einschlagen kann. Und in 150 Jahren sollte ein Förster die Bäume einmal ernten können, die heute gepflanzt werden.

Bürgermeister Göllner bedankte sich zum Abschluss der Veranstaltung bei einer deftigen Kartoffelsuppe im Vereinsheim der Schützen für das Interesse der Teilnehmer und betonte, dass der Gemeindewald bei den Forstleuten und den Jagdpächtern, die die Verantwortung für die angepassten Wildbestände tragen, in guten Händen ist.


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