Ab ins Gefängnis: 23-Jähriger hält die Polizei in Atem

Sinntal
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Zweimal saß er bereits im Jugendknast, jetzt soll er auch das „richtige“ Gefängnis kennenlernen: Ein 23-Jähriger aus Sinntal wurde am Donnerstag im Amtsgericht Gelnhausen zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. Gleich sieben Anklagen hatte die Staatsanwaltschaft Hanau vor dem Schöffengericht gegen ihn vorgetragen, der zigfach vorbestrafte Angeklagte hatte gleich zu Prozessbeginn alles zugegeben. Besonders bitter für ihn: Erst vor wenigen Tagen wurde er zum ersten Mal Vater.

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Aber auch das rettete ihn nicht vor dem Gefängnis, zu lang ist seine Liste an Vorstrafen, aus denen er offensichtlich nichts gelernt hat. Verurteilt wurde er diesmal für insgesamt 13 Taten, von denen einige aufzeigten, dass er sich ziemlich wenig um Gesetze und Regeln schert. Am 11. Februar 2016 kaufte er beispielsweise gegen 19.30 Uhr in Eichenzell einen Opel Corsa und fuhr mit dem unangemeldeten Wagen Richtung Heimat. Auf der Strecke schraubte er von einem Lkw zwei Kennzeichen ab und montierte diese an das Fahrzeug. Gegen 2,30 Uhr blieb der Wagen dann auf der Autobahn stehen – kein Sprit mehr. Er ließ den Opel ungesichert, aber abgeschlossen auf dem Standstreifen stehen und meldete dann drei Tage später das Fahrzeug als gestohlen bei der Polizei. Die Beamten wurden vermutlich gleich misstrauisch, als sie seinen Namen hörten und hatten schnell ermittelt, dass ihnen der 23-Jährige eine Räuberpistole aufgetischt hatte.

Eine Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferte er sich dann im April 2016: Zunächst hatte er in Schlüchtern einen Roller mitgehen lassen, der mit Zündschlüssel vor einer Garage in der Grimmstraße stand. Als ihn dann am nächsten Tag ein Streifenwagen auf einem Feldweg entdeckte, gab er Gas. Mit seinem Bruder als Sozius quetschte er sich an einem Pkw vorbei, der ihm auf einer Brücke den Weg versperrte, und verursachte dabei einen Schaden von 1.000 Euro. Danach kam es sogar zu einer Berührung mit dem Polizeiauto. Die beiden Brüder ließen den Roller schließlich an einer Eisenbahnstrecke zurück, flüchteten über die Gleise und wurden dort schließlich in einem Gebüsch geschnappt.

Und noch so eine unglaubliche Geschichte: Mit zwei „Freunden“ brach er am 9. April 2016 in eine Partyhütte in Sinntal-Züntersbach ein und wurde von den Betreibern erwischt. Zunächst wurde wohl über eine gütliche Einigung diskutiert, anschließend sei aber ein mit der Polizei vereinbarter Treffpunkt auf dem Parkplatz eines Autohauses angesteuert worden. Auf dem Weg dorthin gab der 23-Jährige mit einem Ford Mondeo, an dem vorne und hinten unterschiedliche Kennzeichen waren, Gas, rammte eine querstehendes Fahrzeug zur Seite, wobei beide Vorderräder an seinem Fahrzeug platzten. Ohne Gummi und nur noch auf Felgen flüchtete er dennoch weiter über eine Wiese und landete dann schließlich in Schwarzenfels in einem Wassergraben. Von dort flüchtete er zu Fuß, wurde aber auch danach geschnappt.

Seine weiteren Taten: An einer Tankstelle hatte er in Reifenluftdruckmessgerät geklaut, in der Gemeinde Jossgrund war er mit einem unversicherten Fahrzeug unterwegs, dazu kam ein weiterer Rollerdiebstahl. Da seine Fahrzeuge grundsätzlich nicht versichert waren, wurde er wegen vorsätzlichem Fahrens ohne den vorgeschriebenen Schutz in drei Fällen verurteilt, dazu kamen fünf Diebstähle, drei Unfallfluchten und Urkundenfälschungen. Zwar blieb das Gericht unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von zwei Jahren und drei Monaten, für eine weitere Bewährungschance wurde aber kein Spielraum gesehen. Der 23-Jährige hat über zehn Vorstrafen, wanderte bereits 2011 und 2013 ins Jugendgefängnis. Laut Aussage seines Verteidigers hat auch seine Familie die Eskapaden des jungen Vaters inzwischen satt, außerdem warten auf ihn noch einige offene Rechnungen. Die Gemeinde Sinntal hat ihm bereits eine Gerichtsvollzieherin ins Haus geschickt, um mehrere tausende Euro unter anderem für den Feuerwehreinsatz nach seinem reifenlosen Ausflug in den Wassergraben einzufordern. Dennoch wird der Sinntaler in einem Berufungsverfahren nun vermutlich versuchen, doch noch eine Bewährungschance zu erhalten.

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