MKK hat gewählt: Thorsten Stolz (SPD) wird Landrat

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Thorsten Stolz wird neuer Landrat des Main-Kinzig-Kreises. Mit 57,9 Prozent setzte sich der SPD-Kandidat bei der Landratswahl am Sonntag bereits im ersten Wahlgang durch und wird somit am 18. Juni die Nachfolge von Erich Pipa, ebenfalls SPD, antreten. „Ich bin überwältigt“, gab der zukünftige  Landrat nach der Bekanntgabe des Endergebnisses zu, dass er auf einen Erfolg gehofft hatte, „aber man weiß selbst nie, wie realistisch das ist.“ Enttäuschend war das Abschneiden von Srita Heide, die CDU-Kandidatin verpasste mit 21,2 Prozent die von vielen erwartete Stichwahl deutlich. Die Wahlbeteiligung lag bei 33,9 Prozent.

Der Noch-Bürgermeister von Gelnhausen war einer der Ersten am Sonntagabend im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen, wo die Ergebnisse präsentiert  wurden. Wirklich spannend war es allerdings nie: Schon nach den ersten Zwischenergebnissen führte der 37-Jährige bereits mit deutlichen Vorsprung und daran sollte sich bis zur Bekanntgabe des Wahlergebnisses um 19.50 Uhr auch nichts mehr ändern. „Die Menschen wollen, dass das Amt mit einer gewissen Kontinuität weitergeführt wird und sie sich darauf verlassen können“, sprach Stolz anschließend zu den Besuchern im Main-Kinzig-Forum von einem sachlichen und fairen Landratswahlkampf. Bei seinen insgesamt 295 Wahlkampfauftritten habe er deutlich gespürt, dass ihn die Menschen im Main-Kinzig-Kreis unterstützen. „Das war eine Mischung aus Programm und Person“, bedankte er sich standesgemäß natürlich auch bei allen Wählerinnen und Wählern.

Seine vermeintlich schärfste Widersacherin Srita Heide (CDU) stellte sich erst spät Presse und Öffentlichkeit und verzichtete auf eine eindringliche Wahlanalyse. „Der bundespolitische Trend hat sich durchgesetzt“, ließ die Hanauerin allerdings durchklingen, dass sie sich keine Vorwürfe macht. Gestärkt wurde sie vom Landtagsabgeordneten und CDU-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Michael Reul: „Srita Heide hat einen sehr engagierte Wahlkampf gemacht, sie hat sich nichts vorzuwerfen“, lautete sein erstes Fazit. Nach einem gemeinsamen Interview für das HR-Fernsehen vereinbarten Stolz und Heide übrigens einen gemeinsamen Gesprächstermin, denn Redebedarf gibt es auch nach diesem klaren Wahlergebnis. Weiterhin wird im Kreistag nach stabilen Mehrheitsverhältnissen gesucht, gut möglich, dass bei einem Bündnis von SPD und CDU die 49-Jährige, die ausgerechnet an ihrem Geburtstag diese Wahlschlappe hinnehmen musste, doch noch einen Platz in der Kreisspitze bekommt.

Enttäuschung herrschte bei den anderen vier Kandidaten: Walter Wissenbach von der AfD, mit 10,4 Prozent auf Platz drei gelandet, hatte bei seinen Info-Ständen einen Wechselwillen ausgemacht, der sich nicht bestätigte. „Die Bevölkerung will offensichtlich keine Experimente bei so einem Beamtenposten“, sprach er zudem von einem „Schulz-Hype“, von dem Stolz profitiert habe. Reiner Bousonville, der für die Grünen 5,5 Prozent holte, gab zu, dass er zumindest gerne vor dem AfD-Kandidaten gelandet wäre. „Mit diesem Ergebnis habe ich nicht gerechnet, die SPD hat eindeutig am besten ihre Wähler mobilisiert“, so sein Fazit. Von einer Material-Schlacht der Sozialdemokraten sprach Alexander Noll von der FDP, mit 3,9 Prozent im vorläufigen Endergebnis aufgeführt: „Gewonnen hat der Kandidat, der das beste Ergebnis hat und nicht die besten Argumente.“ Eine erneute Kandidatur bei einer Bürgermeisterwahl stellte der parteilose Kandidat Dr. Gerhard Stehlik (1,2 Prozent) in Aussicht: „Das war das Null-Experiment, insofern ist das Ergebnis nicht ungewöhnlich für den ersten Versuch“, bezeichnete er Noll als einzigen Wahlverlierer, weil der sich nach seiner Kandidatur vor sechs Jahren nur von 2,1 auf 3,5 Prozent gesteigert hätte und alle anderen bei null gestartet seien.

Bereits als sich abzeichnete, dass Thorsten Stolz als Wahlsieger des Abends hervorgehen werde, konnte sich Noch-Amtsinhaber Erich Pipa einen Seitenhieb gegen einen CDU-Spitzenmann nicht verkneifen, der gar nicht zur Wahl stand: „Ministerpräsident Volker Bouffier hat heute eine Klatsche bekommen. Er hat mich ja bei seinem Auftritt hier im Main-Kinzig-Kreis beschimpft, jetzt haben die Wähler geantwortet“, hat er dessen Kritik an seiner Amtsführung im Main-Kinzig-Kreis augenscheinlich nicht vergessen. Pipa rechnet nach der Wahl von Stolz nun mit einem reibungslosen Amtswechsel in der Kreisverwaltung: „Ich glaube kaum, dass ich dich auf die Amtsgeschäfte viel vorbereiten muss, du kannst es.“

Stimmen zur Wahl

Thorsten Stolz (SPD): „Ich bin überwältigt, damit hätte ich nicht gerechnet. Natürlich rechnet man sich im Vorfeld immer etwas bestimmtes aus, aber man weiß nie, wie realistisch das ist. Aber ich habe schon an den Infoständen gemerkt, welch‘ positive Stimmung im Main-Kinzig-Kreis herrscht. Am Samstagabend hatte ich meinen 295. Termin, das war wirklich eine Ochsentour, aber die hat sich gelohnt und gemeinsam mit dem Programm und der Person zum Erfolg geführt. Ich danke natürlich allen Wählerinnen und Wählern und freue ich mich auf meine neue Aufgabe. Morgen früh habe ich aber schon die nächsten Termine, dann weiterhin noch als Bürgermeister von Gelnhausen.“

Srita Heide (CDU): „Ich vermute, dass bundespolitische Themen bei dieser Wahl eine große Rolle gespielt haben. Das Ergebnis werden wir jetzt in den nächsten Tagen genau analysieren. Ich gratuliere natürlich Thorsten Stolz zu seiner Wahl.“

Dr. Gerhard Stehlik (parteilos): „Ich wollte ja nicht Letzter werden, das habe ich leider nicht erreicht. Aber ich habe ja im Vorfeld gesagt, dass es sich bei meiner Kandidatur um ein Experiment handelt. Und aus naturwissenschaftlicher Sicht war das jetzt das Null-Experiment, also der erste Versuch. Und dafür ist das Ergebnis nicht ungewöhnlich. Über das Ergebnis bin ich natürlich nicht glücklich, aber ich habe viele Erfahrungen gemacht, die ich für die nächsten Wahlkämpfe nutzen kann. Einziger Wahlverlierer ist für mich Alexander Noll von der FDP, der sich von 2,3 auf nur 3,9 Prozent gesteigert hat. Alle anderen haben ja bei null angefangen.“

Alexander Noll (FDP): „Natürlich bin ich vom Ergebnis überrascht, aber die SPD hat einen dermaßen materialintensiven Wahlkampf gemacht, da haben wir als FDP nicht mithalten können. Mit 3,9 Prozent bin ich nicht zufrieden, aber wir haben eben in Großkrotzenburg über 20 Prozent und dann gibt es Flecken im Main-Kinzig-Kreis, da sind wir gar nicht vertreten. Und das drückt natürlich das Gesamtergebnis. Man muss allerdings auch sagen, dass es der SPD gelungen ist, ihr Wählerpotenzial abzurufen. Und es gewinnt eben der Kandidat mit dem besten Ergebnissen und nicht der mit den besten Argumenten.“

Walter Wissenbach (AfD): „Das Ergebnis erkläre ich mit einem Schulz-Hpye und einem ‚Weiter so‘, was die Menschen offenbar wollten. Ich bin natürlich enttäuscht, weil ich an meinem Infoständen einen Wechselwillen wahrgenommen habe. Aber die Bevölkerung will keine Experimente bei Beamtenposten.“

Reiner Bousonville (Grüne): „Ich hätte nicht gedacht, dass die SPD im ersten Wahlgang so ein Ergebnis erzielt. Gerne hätte ich die AfD hinter mir gelassen, was mir leider nicht gelungen ist. Eine kleine Freude an diesem Abend ist, dass ich vor Alexander Noll von der FDP liege, der einen desolaten Wahlkampf abgeliefert hat.“

Michael Reul (Landtagsabgeordneter und CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag): „Das Ergebnis habe ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet. An der Wahlbeteiligung sieht man allerdings auch, welche Wertschätzung die Position des Landrates in der Bevölkerung hat und das liegt sicherlich an der bisherigen Amtsführung. Srita Heide hat einen sehr engagierten Wahlkampf gemacht und sie war auch die richtige Kandidatin.“

Kommentar von Andreas Ziegert

Respekt, Herr Stolz!

Dass Thorsten Stolz neuer Landrat des Main-Kinzig-Kreises wird, ist wahrlich keine Überraschung. Dass er sich gleich im ersten Wahlkampf so deutlich durchsetzt allerdings schon. Seit Sommer des vergangenen Jahres hat er den Main-Kinzig-Kreis hoch und runter bereist, 295 Termine hat er selbst gezählt. Wahnsinn! Wer ihn dabei begleitet und beobachtet hat, spürte deutlich, wie sehr ihn diese Aufgabe gereizt hat und wie sehr er diese Wahl gewinnen wollte. Und deshalb brauchte es in den vergangenen Wochen schon ein paar künstliche Aufreger, um überhaupt eine spannende politische Auseinandersetzung herbeizuschwören. Die gab es schon deshalb nicht, weil die politischen Mitbewerber viel zu schwach waren. Srita Heide kämpfte sicherlich ebenso engagiert, hatte allerdings mit dieser CDU im Hintergrund keine Chance. Dass inzwischen alle Spitzenköpfe der Christdemokraten auf gut versorgten Posten in Bundes- und Landtag sitzen, hat nicht nur dazu geführt, dass niemand kandidieren wollte, Srita Heide erhielt auch viel zu wenig Unterstützung. Allerdings hätte die CDU-Kandidatin wohl auch dann keine Chance gegen Thorsten Stolz gehabt. Der Bürgermeister von Gelnhausen war in diesem Wahlkampf schlichtweg unschlagbar.


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