Alt-Landrat Erich Pipa feiert 70. Geburtstag

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Die politische Arbeit von Erich Pipa ist weit über die Grenzen des Main-Kinzig-Kreises wahrgenommen und respektiert worden. Am Montag, 18. Juni, wird der „Kommunalpolitiker aus Leidenschaft“ seinen 70. Geburtstag feiern. Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreistagsvorsitzender Carsten Ullrich übermitteln zu diesem Ehrentag die „herzlichsten Glückwünsche“.

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Für die langjährigen Wegbegleiter war es eine Überraschung, als der damalige Landrat Pipa kurz nach seinem 68. Geburtstag im Rahmen einer Pressekonferenz am 20. Juni 2016 erklärte, dass er nicht erneut zur Landratswahl antreten werde. „Ich bin jetzt im 51. Jahr meines Berufslebens, man soll aufhören, wenn man am erfolgreichsten ist“, verkündete er und fügt hinzu: „Ich habe jahrzehntelang den Beruf in den Vordergrund gestellt, meine Familie kam immer zu kurz. Das wird sich jetzt ändern.“

Mehr als 30 Jahre hat Erich Pipa an der Spitze des Main-Kinzig-Kreises zielstrebig und zuverlässig für die Belange der Bürgerinnen und Bürger gekämpft. „Ich bin immer wieder beeindruckt von dem, was die Menschen hier vor Ort bewegen. Das treibt meine eigene Arbeit jeden Tag aufs Neue an“, sagte er anlässlich seines Ausscheidens. Wie er berichtete, sei ihm die Entscheidung, am 18. Juni 2017 aus der Politik auszuscheiden, sehr schwer gefallen.

Bereits im Alter von 17 Jahren tritt er 1965 in die SPD ein und beginnt im selben Jahr mit seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten der Stadt Hanau und schlägt direkt danach die Beamtenlaufbahn ein. Als ausgebildeter Diplom-Verwaltungswirt erhält er 1972 die Ernennung zum Oberinspektor und wird später bis zum Oberamtsrat befördert. 1972 wird er zudem persönlicher Referent des Hanauer Landrates Martin Woythal. „An Martin Woythal hat mich fasziniert, wie er auch komplizierteste Zusammenhänge auf den Punkt bringen konnte. Seine Art und seine Denkweise haben mein politisches Engagement entscheidend geprägt“, erinnerte sich Pipa.

In seiner politischen Laufbahn hat Erich Pipa ein großes Gespür für die drängenden Themen und Herausforderungen bewiesen, bestätigen Landrat Thorsten Stolz, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreistagsvorsitzender Carsten Ullrich. Dabei habe Pipa mit einzigartiger Zielstrebigkeit und Konsequenz seine Ideen vorangebracht und zum Erfolg geführt. Lange Zeit konnte er sich ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen.

Doch wie er in seiner aktiven Zeit die Themen bestimmte, so hatte er schließlich auch klare Vorstellungen zu seinem Dienstende und einer möglichen Nachfolge. Wenn seine Entscheidung auch beeinflusst worden ist durch die seit Juli 2015 bestehende Bedrohungslage mit wiederholten anonymen Beschimpfungen und Anfeindungen, so war es schließlich ein gut überlegter Entschluss, nach zwölf Jahren als Landrat, den Generationswechsel einzuleiten.

„Erich Pipa hat große Verdienste für unseren Landkreis erworben und seine Lebensleistung verdient höchste Anerkennung“, erklären Thorsten Stolz, Susanne Simmler und Carsten Ullrich. Sie äußern zudem „hohe Anerkennung“, wie der Vollblutpolitiker den Wechsel in das Privatleben gemeistert hat. Es sei allerdings kein Geheimnis, dass der ehemalige Landrat das politische Geschehen in „seinem Main-Kinzig-Kreis“ weiterhin mit großer Aufmerksamkeit verfolge.

Bei öffentlichen Anlässen, wie zum Beispiel bei der Eröffnung der Messe Wächtersbach, zeigt sich Erich Pipa an der Seite seiner Frau Eveline bestens informiert und gut gelaunt. „Ich bin viel unterwegs“, beantwortet er die Fragen nach seinem Privatleben bewusst knapp. Auch während seiner Dienstzeit gewährte er wenig persönliche Einblicke abseits der beruflichen Tätigkeit.

Wie er selbst berichtete, interessierte er sich schon als Schüler für Politik. Die Frage, wie Menschen unterschiedlicher politischer Einstellungen in seinem Heimatort Dipperz miteinander umgehen, habe ihm damals den Weg zum Schülersprecher und anschließend in die Politik gewiesen. Das besondere Interesse an den gesellschaftlichen Zusammenhängen und die Leidenschaft zur Mitwirkung hatte seine Mutter geweckt.

Sein engagierter Einsatz für sozialdemokratische Überzeugungen mündete 1975 in der Geschäftsführung für die SPD-Kreistagsfraktion. Zwölf Jahre später wird er zum 1. Februar 1987 schließlich Wahlbeamter und Erster Kreisbeigeordneter in der neu entstandenen Koalition aus SPD und Grünen, zeitgleich tritt Karl Eyerkaufer die Nachfolge von Landrat Hans Rüger an.

Das bestimmende Thema der ersten Jahre ist die Abfallbeseitigung. Im Bereich der Umweltpolitik setzt sich Erich Pipa bereits 1988 in Rodenbach und Freigericht für die Errichtung von Blockheizkraftwerken ein. Er ist darüber hinaus bis heute ein überzeugter Verfechter für den sinnvollen Einsatz erneuerbarer Energien unter anderem aus Sonne, Wasser, Wind und Erdwärme.

Mitte der 90er Jahre rücken die Schwerpunkte Soziales und Arbeitsmarktpolitik immer mehr in den Mittelpunkt. Außerdem gelingt Pipa mit der Übernahme des maroden Hanauer Altenheims „Wohnstift“ ein spektakulärer Erfolg (bei Zwangsversteigerung am 3. März 1999). Ohnehin ist es der Einsatz für benachteiligte Menschen, der das politische Wirken des begeisterten Kommunalpolitikers prägt.

Vor allem als Kämpfer für eine kommunale Beschäftigungspolitik macht Erich Pipa bundesweit von sich reden. Regelmäßig reist er als gefragter Gesprächspartner und Experte nach Berlin. Seine „neuen Wege“ fließen Anfang 2004 unter dem Stichwort „Hartz IV“ schließlich ein in das so genannte Optionsmodell: Ausgewählte Landkreise übernehmen Verantwortung für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen, an erster Stelle der Main-Kinzig-Kreis.

Im Herbst 2004 kündigt Pipa an, die Nachfolge von Landrat Karl Eyerkaufer anzustreben. Er stellt sich am 31. Januar 2005 der Direktwahl und erhält 51,7 Prozent der Stimmen der Bürgerinnen und Bürger im Main-Kinzig-Kreis. Am 18. Juni übernimmt er offiziell im neuen Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen die Amtsgeschäfte. 2011 wird Erich Pipa mit deutlicher Mehrheit in seinem Amt bestätigt und beginnt seine zweite Dienstzeit als Landrat.

Der Breitbandausbau im Main-Kinzig-Kreis gilt als das jüngste und größte Erfolgsprojekt von Erich Pipa. Denn als einer der ersten Landkreise in Deutschland baut der Main-Kinzig-Kreis in eigener kommunaler Verantwortung ein flächendeckendes Glasfasernetz, das nach gut zwei Jahren im Herbst 2015 weitgehend fertiggestellt wurde.

Ein weiteres zentrales Thema der vergangenen Jahre war für den anerkannten Finanzexperten und Präsidenten des Hessischen Landkreistages (seit November 2013) die Neufassung zum Kommunalen Finanzausgleich. Zudem ist es ihm als zuständiger Dezernent im Main-Kinzig-Kreis gelungen, seit 2014 jeweils ausgeglichene Haushaltspläne vorzulegen und positive Jahresabschlüsse zu erzielen. Zuvor musste der Main-Kinzig-Kreis wiederholt erhebliche Defizite im Finanzhaushalt verkraften.

„Erich Pipa hat dank seines unermüdlichen Einsatzes und wegweisender Entscheidungen den Main-Kinzig-Kreis auf einen erfolgreichen Kurs geführt“, würdigen Thorsten Stolz, Susanne Simmler und Carsten Ullrich die Zeit als hauptamtlicher Politiker. Vor diesem Hintergrund sei es keine Überraschung, dass ihm am 19. Oktober 2015 durch Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer das Bundesverdienstkreuz überreicht wurde.

Bei der Feierstunde im Kreistagssaal des Main-Kinzig-Forums in Gelnhausen sagte Pipa: „Es ist ein positives Gefühl, diese Auszeichnung zu empfangen“. Es sei in seinem Berufsleben zwar seine Pflicht und Überzeugung, sich für die Belange der Bevölkerung einzusetzen, dennoch sei es ein gutes Zeichen, wenn diese Arbeit insgesamt so positiv aufgenommen werde. Elf Organisationen und Privatpersonen aus dem Main-Kinzig-Kreis hatten „ihren Landrat“ für diese Ehrung vorgeschlagen.

„Wir wünschen Erich Pipa zu seinem runden Geburtstag alles erdenklich Gute. Vor allen Dingen Gesundheit und Wohlergehen, die wichtigsten aller Güter“, so Klaus Schejna, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag des Main-Kinzig-Kreises, im Namen seiner Fraktionskolleginnen und Fraktionskollegen und Christoph Degen, Vorsitzender der Sozialdemokraten im Landkreis, im Namen aller Mitglieder des Vorstandes.

Klaus Schejna zitiert aus einer Pressemitteilung aus dem Jahr 1998: „Bereit zum Verlassen ausgetretener Pfade, aufgeschlossen gegenüber neuen Ideen, richtungsweisend für unbürokratische Entscheidungen, umsetzen praktischer Konzepte, kämpfen gegen menschenverachtende Profitgier – diese Attribute zeichnen Erich Pipa innerhalb und außerhalb des Main-Kinzig-Kreises aus“, und fügt hinzu: „genau so und nicht anders habe ich Erich Pipa kennen- und schätzen gelernt. Große politische Erfolge im Main-Kinzig-Kreis sind und bleiben untrennbar mit seinem Namen verbunden“.

Christoph Degen meint dazu: „Beispielhaft für seinen Mut neue Wege zu gehen, stehen Projekte wie der flächendeckende Ausbau des Landkreises mit schnellem Breitband-Internet, die Stärkung der kommunalen Main-Kinzig-Kliniken oder die Konsolidierung der Kreisfinanzen. Auch der Ausbau der Altenpflege in kommunaler Hand ist ein wesentliches Verdienst von Erich Pipa. Durch die Altenpflegezentren des Kreises wird eine wichtige Kompensations- und Vernetzungsfunktion im Kreis übernommen, die den steigenden Anforderungen durch den demografischen Wandel gerecht wird“.

„Besonders hervorzuheben ist aber auch die mutige und richtige Entscheidung im Jahr 2004, als einer der ersten Landkreise in Deutschland, die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen erfolgreich in kommunale Hand zu nehmen, dies alles zeigt, wie sehr Erich Pipa für Kommunalpolitik brannte. Wo Andere die Dinge zu zerreden versuchten, hat er bereits gehandelt, immer nach dem ihm eigenen Motto: nicht reden, machen!“, macht Schejna deutlich.

Erich Pipa ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und der Willy Brandt Medaille – die höchsten Auszeichnungen, die die Bundesrepublik und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands vergeben.

„Wir wünschen Erich Pipa einen unvergesslichen Tag im Kreise seiner Familie, Freunde und langjährigen Wegbegleiter“, so die Sozialdemokraten abschließend.


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