„Da prallen schon mal Welten aufeinander“

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Pflege- und Adoptivkinder haben oft in ihren Herkunftsfamilien traumatische Erfahrungen machen müssen, die sie in und mit ihrer neuen Familie verarbeiten müssen.



Das stellt die Pflege- und Adoptiveltern mitunter vor schwierige Aufgaben. An sie richtete sich eine Fortbildung des Jugendamts, das das „Leben mit traumatisierten Kindern“ in den Mittelpunkt rückte. „Wichtig ist für Eltern der Erfahrungsaustausch und der gelegentliche Perspektivwechsel mit Denkanstößen von außen“, erklärte Jugenddezernent Matthias Zach. „Das weiß ich aus eigener Erfahrung, da auch meine Frau und ich zwei Pflegekinder hatten. Die Ansprechpartner im Jugendamt sind zu jeder Zeit eine große und wertvolle Stütze, aber auch Fortbildungen und Seminare in größerer Runde können einen stärken, indem sie über den eigenen Familienkreis hinaus den Horizont erweitern.“ Den Impuls für intensive Gespräche in der Fortbildung zu Traumata lieferte Professorin Dr. Maud Zitelmann, eine Expertin in den Bereichen frühe Kindheit, Jugendhilfe und Kinderschutz.

Rund 60 Eltern aus dem Main-Kinzig-Kreis haben das kostenlose Seminarangebot angenommen. Eine Teilnahme wurde ihnen auch dadurch vereinfacht, dass das Jugendamt parallel eine Betreuung für die Kinder organisiert hatte. Während also die Erwachsenen im Barbarossasaal dem Vortrag von Maud Zitelmann lauschten, bastelten und spielten die etwa 20 Kinder in den benachbarten Räumlichkeiten des Main-Kinzig-Forums.

„Das Pflegekind kommt aus einer völlig anderen Lebenssituation in die Pflegefamilie“, begann Professorin Zitelmann ihr Referat. „Damit prallen auch schon mal sehr unterschiedliche Welten aufeinander.“ Nicht immer könne man auffälliges oder überraschendes Verhalten der Kinder leicht einordnen. Sehr oft aber habe es mit den Erlebnissen in den Herkunftsfamilien zu tun. Zitelmann zitierte vorangegangene Studien, in denen von bis zu 70 oder sogar bis zu 90 Prozent der Kinder ausgegangen wird, die mit Traumata in Pflegefamilien kämen. Traumatische Erfahrungen seien also eher die Regel als die Ausnahme.

Nach dem Eingangsreferat hatten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, in Gesprächsrunden die besonderen Verhaltensweisen ihrer Kinder zu analysieren. Dazu zählten Ausraster, das plötzliche Nachspielen von vergangenen Erlebnissen oder Distanzlosigkeit. Entscheidend sei, so die Dozentin, das Verhalten zu erkennen, zu verstehen und hilfreich zu handeln. Die Erwachsenen müssten den Kindern geduldig das Gefühl geben, auch in diesen emotionalen Lagen angenommen und sicher zu sein.

Das Jugendamt veranstaltet zweimal im Jahr ganztägige Fortbildungsveranstaltungen. Nähere Informationen zu den Angeboten und Terminen unter www.mitkindundkegel.de. „Es würde mich freuen, wenn auch unsere zweite Fortbildung in diesem Jahr wieder auf so viel Interesse stoßen würde“, sagte Kreisbeigeordneter Matthias Zach.

Foto: Das Verhalten der Kinder erkennen, verstehen und hilfreich handeln: Professorin Dr. Maud Zitelmann während ihres Vortrags.


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