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Bis Ende Juli werden in der Geburtsstadt der Sprachforscher und Märchenerzähler bei den verschiedenen Inszenierungen über 70 000 Zuschauer erwartet. Das Eröffnungsstück riss schon mal die begeisterten Besucher buchstäblich von den Stühlen.

Gute Stimmung also bereits zu Beginn des Musicals „Dornröschen“ auf der Bühne, die sich mit der Silhouette eines Schlosses, Freitreppen zu beiden Seiten und einer Reihe bespielbarer Türen in der Mitte schlicht, edel und sehr wandlungsfähig präsentiert. Dieses Grundbühnenbild von Tobias Schunck wird im „Dornröschen“ untermalt von langen Bahnen rosengemusterten Stoffs, der wie über die Treppen gegossen wirkt und den Zuschauer direkt auf das florale Märchen einstimmt. Oben rechts in quasi schwindelnder Höhe sitzt auch in dieser Saison wieder ein fünfköpfiges Musiker-Ensemble, das das gesamte Musical live begleitet.

Doch zur Geschichte: In der Inszenierung von Wolfgang Adenberg (Buch und Libretto) und Alex Balga (Regie) sieht Dornröschen seine eigene Geschichte. Es schläft zwar physisch (schön gelöst mit einem Double auf der oberen Bühne), wird aber von der guten Fee Aurora (Joana Fee Würz) mitgenommen auf eine Reise in die eigene Vergangenheit. Sie ist es auch, die es seinerzeit schaffte, den Todesfluch der bösen Fee Selina (Kerstin Ibald) in einen hundertjährigen Schlaf des gesamtes Hofes umzuwandeln. So sieht die junge Prinzessin, teenagermäßig motzig und in Kleid und weißen Chucks absolut authentisch von Sophia Euskirchen dargestellt, die große Freude ihrer Eltern über ihre Geburt, die Taufe und den dortigen Auftritt von Selina. Sie erfährt, warum ihre Eltern sie bis zu ihrem 17. Geburtstag praktisch in Watte gepackt und nie unbeaufsichtigt gelassen haben und warum die beiden sich so oft streiten – die Sorge um ihr einziges Kind und gegenseitige Schuldzuweisungen haben die Liebe von König Albrecht (Sascha Bauer) und Königin Gloria (Lisa-Marie Sumner) zerfressen.

Fee Aurora gewährt ihr aber auch einen Blick auf die Begegnung mit ihrer ersten Liebe, Prinz Alexander (Kurosch Abbasi) – er meint es wirklich gut mit seinem Dornröschen und lässt sich von Aurora ebenfalls in einen hundertjährigen Schlaf versetzen. Denn: Nur so kann er seiner Traumfrau jemals wieder begegnen. Es könnte also alles prima sein und die ganze Königsfamilie nach dem ausgiebigen Nickerchen ausgeruht in ein neues, gemeinsames Leben starten. Wenn da nicht die böse Fee Selina wäre. Sie trachtet Dornröschen und allen, die ihr nahestehen, weiterhin nach dem Leben und wartet auf das kollektive Aufwachen, um allen endgültig den Garaus zu machen. Ausgerechnet Edmund (Markus Fetter/Dennis Hupka), den jeder für ihren Sohn hält und der von ihr konsequent schlecht behandelt wird, erweist sich am Ende als Held und rettet in letzter Sekunde die gesamte Königsfamilie vor dem Tod. In Wirklichkeit ist er nämlich Auroras Kind, das ihr von ihrer Schwester Selina vor vielen Jahren weggenommen wurde.

Die Musical-Inszenierung von Dornröschen, die jetzt in Hanau ihre Weltpremiere feierte, besticht durch vieles: Temporeiche Musikstücke wechseln sich mit wunderschönen Balladen ab (Komposition: Marian Lux), die Texte sind witzig, eingängig und mitten aus dem Leben (welcher Vater einer hübschen Tochter fühlt nicht genau wie König Albert, der sagt „Prinz Alexander ist jetzt seit fünf Tagen da und er wird mir nicht sympathischer“?). Was aber wäre all das ohne ein großartiges Ensemble, das die Ideen der Musik (Grandiose Leitung: Markus Syperek), Choreographie (Bart de Clerq) und Regie punktgenau umsetzt? Stimmlich ragen aus den durchgehend hochkarätig besetzten Rollen vor allem Sophia Euskirchen, Kerstin Ibald und Joana Fee Würz heraus, doch kann sich das Ensemble komplett sehen und hören lassen.

Besondere musikalische Highlights sind unter anderem der Auftritt weiterer Feen bei der Taufe (Mirjam Wolf und Lisa Katharina Toh), die in bester Soulmanier den gesamten Hofstaat in Wallung bringen, das Duett von Dornröschen („Auf keinen Fall werden wir ein Paar“), die traurige Ballade des Königs über sein viel zu schnell erwachsen gewordenes Kind („Soll das vorbei sein?“), das erste Solo der bösen Fee (Gänsehaut pur) und ein  anspruchsvolles, mehrstimmiges Lied der Schwestern Gloria, Aurora und Selina, das erzählt, warum sich die drei entzweit haben. Die Inszenierung birgt überdies viele sehenswerte Dialoge und Spielszenen, Kleinigkeiten zum Hinschauen, wie immer super Kostüme von Ulla Röhrs und ihrem preisgekrönten Team und dazu pfiffige Lösungsideen. Da wäre zum Beispiel die Dornenhecke, die mit vielen Bahnen Rosenstoff und drei schwarz gekleideten Statisten mit dornigen Metallstäben dargestellt wird. Muss man erstmal drauf kommen.

Der Titel des Schlussliedes lautet „Es kann so schnell gehen“ – das ist sicherlich ein Zufall, aber zweifellos empfanden die rund 1200 Zuschauer der Premiere die zweieinhalb Stunden Spielzeit als besonders kurzweilig. Sie hielt es zum Schlussapplaus jedenfalls nicht mehr auf ihren Sitzen: Minutenlange stehende Ovationen für „Dornröschen“. Einen besseren Start in die Festspielsaison hätte es wirklich kaum geben können.

Foto: Küsst unter dem Jubel der Zuschauer das Dornröschen (Sophia Euskirchen) wach: Prinz Alexander (Kurosch Abasi).
Foto: Der gesamte Hofstaat und die gute Fee Aurora machen sich Sorgen über die Zukunft der kleinen Prinzessin nach dem bösen Fluch.
Foto: Hat alle fiesen Tricks drauf: Die böse Fee Selina, meisterhaft dargestellt von der stimmgewaltigen Kerstin Ibald.

Fotos: Brüder Grimm Festspiele/Nix


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