Insektenschutz ist aber nicht nur eine nationale Aufgabe, sondern geht jeden an in der Politik, in der Landwirtschaft, aber auch in den privaten Gärten, wo teilweise eine ökologische Ödnis Einzug gehalten hat, in denen bunte Steinreihen und Gabionen keinen Lebensraum für Tiere bieten.

„Der Insektenschutz ist für uns alle wichtig. Deswegen wollen wir eine breite Beratung, bei der nicht nur die Politik, sondern auch Landwirtschaft, Imkerei, Naturschutz und die Bürgerinnen und Bürger beteiligt sind“, sagte Rouven Kötter, Vorsitzende des Ausschusses für Regionalentwicklung, Umwelt und Wirtschaft bei der letzten Ausschusssitzung, die in Gedern stattfand. Wie wichtig das Thema den Parlamentariern ist, zeigt die einmütige Entscheidung des Ausschusses, das Thema nicht mit einem Auftrag an die Verwaltung zu delegieren, sondern selbst weiter zu diskutieren.

Dazu trug auch bei, dass Kreislandwirt Michael Schneller, Rebhuhn-Hegering-Vorsitzender Andreas Mohr, dem Vorsitzenden des Imkervereins Friedberg und Umgebung, Ernst Ruppel, und dem Vorsitzenden des Naturschutzbeirates, Alfred Leiß, Rederecht in dem Ausschuss eingeräumt wurde.

Verlust von Lebensräumen

Klar bei der Bestandsaufnahme ist, dass der Insektenrückgang viele Ursachen hat, nicht nur der Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft, es ist vor allem der Verlust von Lebensräumen. Deshalb findet sich oft in Städten mit alten Parks und Industriebrachen mehr Artenreichtum als auf dem flachen Land mit zunehmend monotonen Äckern. Große Maisfelder, aus denen Energie gewonnen wird, sind kein Gewinn für die Bienen.

Bedroht sind übrigens weniger die Honigbienen, von denen es, wie Imker Ernst Ruppel sagte, allein im Wetteraukreis fast 4.000 Völker gebe, die von rund 600 Imkern betreut werden. Bedroht sind vor allem die hunderte Arten von Wildbienen, deren Lebensräume immer kleiner werden. Eine gefährliche Entwicklung, denn auch Wildbienen haben eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung, deren „Bestäubungsleistung“ wird weltweit auf mehr als 250 Milliarden Euro geschätzt. In China bestäuben schon Menschen mit Pinseln Obstbäume, das kann uns auch drohen in einer Zukunft ohne Wildbienen.

Dabei wird schon einiges für den Bienenschutz getan, wie Christian Sperling, Leiter des Fachbereichs Regionalentwicklung und Umwelt der Kreisverwaltung, den Ausschussmitgliedern darstellte. Es sind vor allem Fördermittel für Agrarumweltprojekte, etwa die Anlage von Blühflächen, sogenannte Greeningverpflichtungen, bei denen landwirtschaftliche Brachen mit Blühmischungen eingesät werden oder, ganz aktuell, die Auswahl des Wetteraukreises als einer von drei Kreisen für „Feldflur-Projekte in Hessen“, Projekte und Maßnahmen, die dem Rückgang der Insekten entgegenwirken sollen.

Modellregion Wetterau

Die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, ehrenamtlichem und hauptamtlichem Naturschutz stellte auch der langjährige Vorsitzende des Wetterauer Naturschutzbeirates, Alfred Leiß, heraus. Wenn in Hessen von einer optimalen Zusammenarbeit zwischen den Akteuren gesprochen wird, dann wird immer das Beispiel des Wetteraukreises herausgestellt, wo seit den 80er Jahren schon eine enge Kooperation zwischen allen Beteiligten stattfindet, die zu herausragenden Projekten, wie etwa dem Auenverbund Wetterau, geführt habe.

Kreislandwirt Michael Schneller betonte in seinem Statement, dass die Landwirtschaft die Bedeutung der Bestäube erkannt hat und dass mit der Entwicklung der Landwirtschaft in den letzten Jahren die Vielfalt der Landschaft ein Stück verlorengegangen sei. „Die Anlage von Randstreifen und Blühflächen, das machen Landwirte auch ohne einen Antrag auf Förderung zu stellen.“

„Wir brauchen mehr Unordnung in der Feldflur!“

Ein Umdenken auch hinsichtlich der ästhetischen Ansprüche an Landschaft forderte Andreas Mohr, vom Rebhuhn-Hegering Wetterau. „Durch die Anlage von Blühflächen machen wir viel für die Ernährung der Insekten im Sommer, aber was ist im Winter? Der Wunsch nach einer sauberen Landschaft hat viele Überwinterungsplätze für Insekten zerstört. Lassen Sie nach der Ernte die Halme auf dem Acker stehen. Darin finden Insekten Überwinterungsplätze. Wir brauchen mehr Unordnung in der Feldflur. Dagegen sprächen beispielsweise Vorgaben der EU, wonach Blühflächen nach dem Abblühen zu Mulchen seien. Das ist nicht schlau und lässt sich leicht verbessern“, so Mohr.

Insektenschutz kostet auch Geld

Naturschützer sind Nachfrager von Flächen und stehen in Konkurrenz zu Produzenten von Lebensmitteln und Energiepflanzen. „Da kann man auf der Basis von Barmherzigkeit keine Erfolge erzielen, da geht es auch um Geld“, stellte Mohr nüchtern fest. „Unser Ziel haben wir erst erreicht, wenn wir nach einer Autofahrt von Friedberg nach Gedern die Scheiben reinigen müssen.“

Thomas Zebunke, von den Grünen, die das Thema in den Ausschuss gebracht haben, forderte einen Maßnahmenplan mit klarer Prioritätensetzung. „Wir müssen mit den Kommunen reden, Privatleute und die Wirtschaft ansprechen und selbst aktiv werden, etwa mit besonderen Aktionswochen.“

Ausschussvorsitzender Kötter zeigte sich zufrieden mit der Diskussion. „Wir bleiben an dem Thema dran. Eine kleine Projektgruppe wird jetzt einen konkreten Maßnahmenplan entwickeln, auf dessen Basis wir weiterarbeiten.“ Auch Erster Kreisbeigeordneter und Umweltdezernent Jan Weckler zeigte sich zufrieden mit der Diskussion. Die Sensibilisierung für das Thema ist der erste Schritt, um dauerhaft und nachhaltig Verbesserungen im Insektenschutz herbeizuführen. „Dafür brauchen wir die breite Zustimmung aller Beteiligten, und dafür sehe ich uns auf einem guten Weg.“

Foto: Eine Sandbiene auf einer Wiesenmalve bei Kefenrod-Bindsachsen. Sandbienen gehören wie viele andere Wildbienen zu den besonders gefährdeten Arten. Die Anlage von Wegrainen und Blühstreifen erweitert deren Lebensräume.


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