Das Freiwillige Soziale Jahr als Chance zur Orientierung

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Das Freiwillige Soziale Jahr hat Konjunktur, denn Schulabgängerinnen und -abgänger müssen sich orientieren.

Die Auswahl für den Weg nach der Schule fällt nicht leicht bei der Vielzahl an Angeboten. Vom Studium, dual oder nicht, bis zur Lehre ist alles möglich. Grund genug für die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl, sich dem Thema anzunehmen und die Büdinger Einrichtung der Schottener Sozialen Dienste zu besuchen, um die FSJler Helen Peters und Niklas Harbicht zu treffen, die von ihren Erfahrungen mit der Organisation, aber auch über Chancen und Herausforderungen berichteten. Empfangen wurde Lisa Gnadl von Anja Ludig, die Ansprechpartnerin für Freiwilligendienste der Schottener Sozialen Dienste. Die Leiterin der Büdinger Werkstatt, Martina Leistner berichtete über die Arbeit vor Ort.

Die Aufgaben der FSJler in der Büdinger Werkstatt für Menschen mit Unterstützungsbedarfen sind sehr vielfältig, denn jeder der 70 Klienten hat individuelle Bedürfnisse, sowohl am Arbeitsplatz, als auch in der Freizeit. In der Werkstatt selbst besteht die Aufgabe der FSJler im Anleiten und Hilfestellung geben. Sie sind für die Klienten immer ansprechbar. Wenn die Klienten ihr Arbeitspensum verrichtet haben, begleiten sie diese zu Aktivitäten wie Reiten, Fußball oder Schwimmen. Niklas Harbicht, der sein FSJ zum 31.8.2018 beendete, berichtete von der sehr beliebten Fußballgruppe für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Unterstützungsbedarfen. „Einmal in der Woche gehen wir zum Kicken in eine Halle.“ Helen Peters, die zum 1.8.2018 ihren Freiwilligendienst begann, schätzt das gute Arbeitsklima in der Werkstatt. Sie fühle sich hier wohl und gut betreut, was nicht zuletzt an der offenen Art aller Kollegen und Kolleginnen und Klienten und Klientinnen liege. „Ich wollte gerne in den sozialen Bereich. Jetzt habe ich die Möglichkeit zu testen, ob die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen etwas für mich wäre.“

„Für viele scheint der Weg aus dem FSJ beruflich in den sozialen Dienst zu führen“, so das Empfinden Lisa Gnadls. Die Leiterin der Büdinger Werkstatt bestätigt: „Wir haben einige Kolleginnen und Kollegen, die über das FSJ oder über den ehemaligen Zivildienst zu uns kamen und letztendlich geblieben sind.“ Um die FSJler zu unterstützen, am Arbeitsplatz anzukommen, und Unstimmigkeiten mit Kollegen und Kolleginnen und Klienten und Klientinnen zu überwinden, gibt es neben den Ansprechpartnern wie Frau Ludig auch Seminartage, wo Erlebtes reflektiert wird. „Im Seminar geben uns die FSJler ein Feedback, wie es ihnen geht. Das ist ein besonders wichtiger Raum, denn der Start ins FSJ ist oft wie ein Sprung ins kalte Wasser. Da ist es unerlässlich, sich in den Seminaren auszutauschen,“ fasst Anja Ludig die Relevanz der Seminartage zusammen. Natürlich gibt es auch Einsatzstellenbesuche, sodass sich die Abteilung Freiwilligendienste auch selbst ein Bild vom Arbeitsplatz der Freiwilligen verschaffen kann.

Es läuft insgesamt gut im Freiwilligendienst der Schottener Sozialen Dienste. Es gibt viele Interessenten für einen Freiwilligendienst und einige entschließen sich im Anschluss für ein Duales Studium „Soziale Arbeit“ in Kooperation mit der Schottener Soziale Dienste gGmbH. „Unser Unternehmen ist bei den jungen Menschen sehr beliebt,“ sagt Anja Ludig über die Arbeits- und Ausbildungsplätze im und nach dem Freiwilligendienst. Zum Abschluss ihres FSJ planen die Freiwilligen immer ein Projekt. Niklas Harbicht startete ein Fotoprojekt mit Klienten und Klientinnen und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Dieses soll in der Werkstatt ausgestellt werden. Nach einer handwerklichen Ausbildung liebäugelt er mit einer Anstellung im sozialen Bereich. Besonders die handwerklichen Arbeiten mit den Klienten haben ihm Spaß gemacht. „Die Möglichkeit zur Orientierung ist für viele Schulabgänger sehr wichtig. Umso besser, wenn sie danach ein klares Ziel vor Augen haben“, so Lisa Gnadl zum FSJ.

Martina Leistner ist froh, dass FSJler großes Interesse an einem Einsatz in der Werkstatt haben. Auch Helen Peters hatte sich nachdem sie sich unterschiedliche Bereiche an verschiedenen Standorte angeschaut hatte, für die Büdinger Werkstatt wegen der vielfältigen Arbeitsabläufe entschieden. Frau Ludig bedauert die Praxis der Zuteilung öffentlicher Gelder für das FSJ. Sie berichtet, dass der Unterschied zwischen einem FSJ und dem Bundesfreiwilligendienst vor allem finanzieller Natur sei. „Die finanzielle Ausstattung des Programms des Bundesfreiwilligendienstes ist höher als die Förderung für das FSJ.“ Zudem sei der Verwaltungsaufwand immens. „An dieser Stelle gilt es, die Verwaltungsstrukturen einfacher zu gestalten und Attraktivität für die Anbieter der Freiwilligendienste zu schaffen, ohne dass unterschiedliche Programme gegeneinander ausgespielt werden,“ so Lisa Gnadl zum Abschluss ihres Besuches in Büdingen.

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