Neue Pfleger braucht das Land

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Es vergeht kein Tag, an dem wir nichts über den Pflegenotstand in Deutschland hören. Und das kommt nicht von ungefähr.

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Unterschiedlichste Erhebungen sprechen von aktuell 60´- 100´000 fehlenden Pflegekräften. Schon in den nächsten 10-15 Jahren werden sich diese Zahlen in etwa verdoppeln. Auch wenn man noch so kritisch solchen Erhebungen gegenüber steht, an den Fakten orientiert, herrscht hier großer Handlungsbedarf.

Dieses Thema aufgreifend trafen sich bereits seit März Vertreter der Agentur für Arbeit, des Arbeitgeberverbandes Osthessen, der Gesellschaft für Wirtschaftskunde e.V., der Vereinten Martin-Luther-Stiftung und der Eppsteinschule aus Hanau um ein Konzept zu entwickeln, dieser Situation im Pflegebereich im Rahmen der Berufsorientierung entgegen zu treten. Hieraus resultierend ist nun die erste Gesundheits- und Pflegeakademie entstanden deren Auftaktveranstaltung nun in den Räumen der Agentur für Arbeit in Hanau stattfand.

„Altenhilfe ist so vielseitig und bietet viele Möglichkeiten“, erklärt Thorsten Hitzel, Geschäftsführer der Vereinten Martin-Luther-Stiftung. Die Einrichtung ist einer der Partner des Projekts. „Auf die Herausforderungen im Pflegebereich haben wir als Agentur für Arbeit natürlich auch eines unserer Hauptaugenmerke gelegt“, so Heike Hengster, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hanau. „Natürlich unterstützen wir dieses Projekt in vollem Umfang im Rahmen der Möglichkeiten die uns das Berufsorientierungsprogramm des Bundes zur Verfügung stellt.“ Die Agentur für Arbeit Hanau finanziert das Projekt zu fünfzig Prozent. Bis zu den Sommerferien sollen die Schüler/innen zwischen 13 und 17 Jahren einen Einblick in den Pflegeberuf erhalten. Einmal in der Woche kommen die Teilnehmer ab Ende Oktober zusammen und werden jeweils drei Stunden in den wichtigsten Bereichen des Berufs geschult. Und dazu gehört laut Hitzel viel mehr, als die meisten denken. „Die Bandbreite konnte ich selbst mir früher gar nicht vorstellen“, so Hitzel. Nicht nur die Pflege gehöre dazu, auch die Beratung von Menschen, die sich auf die Zukunft einstellen möchten, sei wichtig. Daneben gehen die Pflegekräfte mit den Bewohnern spazieren oder spielen gemeinsam, um nur einige Felder zu benennen.

Neben dem Praktikum in der Pflegeeinrichtung in der Martin-Luther-Anlage machen die Teilnehmer auch einen Rollstuhlführerschein, nehmen an einer Empathie-Schulung teil und lernen, wie man sich bei einem medizinischen Notfall zu verhalten hat. Als Vorbild für das Programm habe man sich die Girls Day-Akademie genommen, erklärt Reinhold Maisch Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftskunde e.V. (GfW). Der Inhalt sei natürlich ein ganz anderer. Aber auch bei der Girls Day-Akademie treffen sich die Teilnehmer über das Schuljahr verteilt einmal in der Woche und lernen Inhalte anhand praktischer Arbeiten. Für die Eppsteinschule habe man sich ganz bewusst entschieden, die Schule hat ein sehr soziales Profil.

Doch bevor die zehn Mädchen und die sechs Jungen teilnehmen durften, mussten sie eine harte Bewerbungsphase durchlaufen, denn für die 16 Plätze hatten sich gut doppelt so viele Schüler gemeldet. „Alle Interessierten mussten ein Motivationsschreiben einreichen, und darin begründen, warum sie mitmachen wollen“, erklärt Daniela Grund. Die Teamleiterin für Seminare und Berufsorientierung der GfW e.V. ist überzeugt von dem bisher einmaligen Projekt. Neben dem Schreiben seien auch die Schulnoten wichtig gewesen. Schließlich müsse man garantieren können, dass die schulischen Leistungen nicht unter der Mehrbelastung leiden. Die Lehrer der Eppsteinschule bewerten am Ende des Schuljahres Leistungen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Engagement, eine eigene Note wird es allerdings nicht geben.

Die Martin-Luther Stiftung sei einen riskanten Weg gegangen, um die Akademie zu ermöglichen. Doch die Einrichtung beschwere sich eben nicht nur über mangelnden Nachwuchs, sondern nehme auch Geld in die Hand, so Grund: „Das Projekt wird eine wichtige Erfahrung für die Schüler/innen, auch wenn sie sich im Anschluss für einen anderen Berufsweg entscheiden sollten“. Nur durch Erfahrungen könne man hautnah erleben, was zu einem passt und sich mit seinen eigenen Fähigkeiten in der Praxis auseinandersetzen, nicht nur in der Theorie.

Foto (von links): Christina Lademann, Leiterin des Ausbildungsinstitutes Martin-Luther-Stiftung, Thorsten Hitzel Geschäftsführung Martin-Luther-Stiftung, Heike Hengster, Geschäftsführerin Agentur für Arbeit, Daniela Grund Teamleitung Berufsorientierung, beteiligte Lehrkräfte der Eppsteinschule sowie Bruno Almritter, Koch Ausbilder Martin-Luther-Stiftung, Reinhold Maisch, Geschäftsführung Gesellschaft für Wirtschaftskunde e.V. und weitere Projektkoordinatoren der GfW.

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