Die Agentur für Arbeit ermöglichte eine Präsenz-Veranstaltung unter Beachtung aller Hygienevorschriften und gab gleichzeitig Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die nicht persönlich anwesend sein konnten, die Chance, sich online zuzuschalten. Zu den Gastgebern gehörten auch Miriam Fuchs, Leiterin Ausbildung der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Nicole Laupus, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Hanau, sowie Klaus Zeller, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schlüchtern.

Hausherrin Heike Hengster, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hanau, stellte die Zahlen des abgeschlossenen Ausbildungsjahres vor. Demzufolge gab es sowohl Rückgänge bei den Bewerberinnen und Bewerbern als auch bei den gemeldeten Ausbildungsplätzen. Im Ausbildungsjahr 2019/20 meldeten sich 2.500 Jugendliche bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur ausbildungssuchend, 462 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. 2.157 offene Ausbildungsstellen wurden von Ausbildungsbetrieben zur Vermittlung bei der Arbeitsagentur gemeldet, 292 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 6 Jugendliche konnten im Bewerbungszeitrauem nicht mit einem Ausbildungsplatz versorgt werden. 175 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt, 47 mehr als im Vergleichszeitraum.

„Es ist ein beachtlicher Erfolg, dass in diesem Jahr nahezu alle gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber versorgt werden konnten - unter den gegenwärtigen Bedingungen auch bei sinkenden Zahlen. Ab März konnten weder wir noch die Kammern an den Schulen beraten. Wir haben erst schrittweise wieder damit angefangen. Info-Veranstaltungen aller Art, sei es im Berufsinformationszentrum oder an anderen Orten, sowie alle anderen Events, mit denen wir Schülerinnen, Schüler und Eltern direkt erreichen konnten, sind weggefallen. Die letzte Messe, die regulär stattfand, war die Hanauer Berufsmesse im CPH Ende Februar. Danach war nichts mehr möglich. Gerade bei jungen Leuten ist aber der direkte Kontakt nicht ohne Weiteres zu ersetzen. Dass es der Berufsberatung mit der Einrichtung der Hotline und der Telefonberatung dennoch gelungen ist, so viele junge Leute zu erreichen, ist großartig.

Bei den Betrieben konnte der Nachwuchsförderung teilweise nicht dieselbe Priorität wie sonst eingeräumt werden, denn es gab plötzlich andere Sorgen. Bewerbungsgespräche wurden abgesagt oder verschoben. Teilweise wusste man nicht, ob man zu Ausbildungsbeginn unter den neuen Bedingungen noch ausbilden konnte und wie es insgesamt weitergehen würde.“ Insgesamt gab es in diesem Jahr mehr Betriebe, die ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen konnten als im Vorjahr. Andererseits haben nicht alle Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz wollten, auch einen bekommen. Einige besuchen weiterführende Schulen oder berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und werden im nächsten Jahr wieder auf Ausbildungsplatzsuche sein.

„Daher ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass möglichst viele dieser Jugendlichen im nächsten Jahr in Ausbildung gehen können“, appelliert Heike Hengster. „Nicht nur, um eine ‚Generation Corona‘ zu vermeiden, sondern auch, weil sie am Markt als Fachkräfte gebraucht werden. Denn eins ist klar: Durch Corona wird sich der Bedarf an qualifizierten Fachkräften nicht verringern, ganz im Gegenteil. Man kann sogar davon ausgehen, dass am Ende der Krise wesentlich mehr ausreichend qualifiziertes Personal erforderlich ist. Der Gesetzgeber hat in den letzten Monaten zusätzlich zu den bestehenden Fördermöglichkeiten weitere Instrumente zur Verfügung gestellt, die Betriebe bei der Ausbildung finanziell stützen sollen. Die reichen von Förderungen bei der Ausbildung von Jugendlichen mit Handicap, Einschränkungen oder persönlichen Problemlagen über Einstiegsqualifizierungen, ausbildungsbegleitende Hilfen und die Förderung von Hauptschülern/-innen bis zu den jüngsten Entlastungen, die sich an Betriebe richten, die explizit unter Corona zu leiden hatten und trotzdem ausbilden. Unser Arbeitgeber-Service berät jedes Unternehmen hierzu ausführlich und auf die jeweils individuelle Situation bezogen.“

Dass die klassische duale Ausbildung den Weg in eine Berufskarriere mindestens so gut ebnen kann wie Abitur und Studium, stand im letzten Jahr im Mittelpunkt der Pressekonferenz. In diesem Jahr stellten die Gastgeber Unternehmen vor, die den Einstieg in eine solche Karriere erst möglich machen, indem sie junge Talente ausbilden - in Zeiten von Corona und darüber hinaus. Zu den Handwerksunternehmen, die ihre Ausbildungsaktivitäten unbeirrt fortgesetzt haben, zählt Maler Honikel aus Bad Soden-Salmünster. Das Traditionsunternehmen wird in sechster Generation geführt und bildet seit jeher mindestens einen Maler und Lackierer pro Jahr aus. Ziel ist es, den Auszubildenden zu übernehmen, um so eine dauerhaft hohe Kompetenz im Team zu gewährleisten. Sogar langjährige Mitarbeiter mit über 40 Jahren Betriebszugehörigkeit sind ‚Eigengewächse‘. 2020 konnten sogar drei Auszubildende an den Start gehen. Vom Landesinnungsverband Hessen wurde der Malerbetrieb dafür als „Ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb“ geehrt. Die Malerbranche ist bisher gut durch die Krise gekommen, blickt aber mit Bedacht in die Zukunft. „Insbesondere aufgrund unserer langjährigen Kundenbeziehungen habe ich aber keine Angst vor den nächsten Jahren und möchte deshalb unser Team weiterhin gut aufgestellt wissen“, so Geschäftsführer Jochen Honikel. „Umso wichtiger ist die Investition in die Ausbildung guter Fachkräfte.“

Auch bei Elektro-Knaak in Hanau ist Ausbildung ein selbstverständlicher Aspekt des Betriebsgeschehens. „Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig“, weiß Junior-Geschäftsführer Tobias Knaak. Regelmäßig werden daher zwei „Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik“ ausgebildet; in diesem Jahr kam zusätzlich noch ein „Technischer Systemplaner“ dazu. Außerdem wurde ein Elektrohelfer über ein Qualifizierungsprogramm der Agentur für Arbeit ebenfalls in Ausbildung gebracht. „Wir wollen möglichst alle, die die Ausbildung beendet haben, dauerhaft übernehmen“, so Tobias Knaak weiter. „Anders sind ausgebildete Fachkräfte kaum zu finden“. An Bewerbungen für Ausbildungsplätze herrscht bei Knaak dagegen kein Mangel. Zwei der Auszubildenden, die in diesem Jahr angefangen haben, hatten die Verträge bereits vor Corona unterschrieben; ein weiterer kam durch ein Praktikum dazu. Auch für das nächste Ausbildungsjahr liegen schon Bewerbungen vor. Das Bewerbungsverfahren wird sich etwas ändern. Die Anzahl der Bewerbungsgespräche wird man bei Knaak herunterschrauben und versuchen, dem Auswahlverfahren einen Test voranstellen.

Ausbildung im Verbund

Ein gelungenes Modell für innovative Wege, im Mittelstand auszubilden, ist eine Ausbildung in einem Verbund über mehrere Unternehmen hinweg. Die Verbundausbildung ermöglicht es Unternehmen, auch dann auszubilden, wenn sie einen Teil der vorgesehenen Fertigkeiten nicht im eigenen Unternehmen vermitteln können.  Auszubildende können zu diesem Zweck einen Teil der Praxisphase in einem anderen Unternehmen verbringen. Bei der Bruker EAS GmbH setzt man seit mehreren Jahren auf die Ausbildung im Verbund. Das Unternehmen mit rund 220 Beschäftigten am Hanauer Standort bildet „Verfahrenstechnologen/-innen Fachrichtung Nichteisen- Metallumformung“ für den eigenen Bedarf aus, kann aber die im Rahmenlehrplan vorgeschriebenen Fertigkeiten wie zum Beispiel Drehen, Fräsen, Bohren oder Steuerungstechnik aufgrund fehlender für die Ausbildung geeigneter Einrichtungen und der notwendigen fachlichen Betreuung nicht selbst vermitteln. Daher arbeitet Bruker in diesem Bereich mit Heraeus zusammen. „Die Verbundausbildung ermöglicht es unseren Auszubildenden, die Praxisphase der Grundausbildung, Fachlehrgänge und Prüfungsvorbereitungen bei Heraeus zu absolvieren“, erläutert Personalreferentin Brigitte Gottschalk das Verfahren. Im aktuellen Jahr musste Bruker ausnahmsweise auf die Besetzung von zwei neuen Ausbildungsplätzen verzichten, da zunächst die Betriebsabläufe wegen verschiedener, corona-bedingter Maßnahmen geklärt werden mussten. Das größte Problem ist hier die strikte physische Trennung des Personals in die einzelnen Schichtgruppen und damit die eingeschränkte Verfügbarkeit von Ausbildungsbeauftragten. Unabhängig davon wird aber die Ausbildung im Verbund mit anderen Unternehmen unverändert fortgeführt werden. Brigitte Gottschalk konstatiert eindeutig: „Ein Erfolg ist die Verbundlösung auf jeden Fall, sonst wäre für uns eine Ausbildung von zukünftigen Fachkräften nur schwer möglich“.

Dem schließt sich Karin Saar, Ausbildungsleiterin der Heraeus Holding GmbH, an. Heraeus bildet traditionell für den eigenen Bedarf aus, hat sich aber in den vergangenen Jahren auch an der Verbundausbildung beteiligt. Ziel war es, kleineren Unternehmen in der Region weiterhin zu ermöglichen, junge Leute in Ausbildung zu bringen. In diesem Jahr sind es sieben Auszubildende aus sechs verschiedenen Betrieben, die in der gut ausgestatteten Ausbildungswerkstatt ihre praktischen Kenntnisse erwerben und vertiefen können. Sie werden zusammen mit den eigenen Auszubildenden von den gleichen erfahrenen Ausbildern betreut. Heraeus ist daran gelegen, die duale Ausbildung in der Region generell zu stärken. „Als großer Konzern sind wir vom Fachkräftemangel derzeit noch weniger stark betroffen“, so Karin Saar. „Aber es ist auch in unserem Interesse, dass Fachkräfte so gut wie möglich qualifiziert werden. Je mehr Unternehmen Modelle wie die Verbundausbildung in ihr Repertoire aufnehmen, desto mehr kann die duale Ausbildung an Attraktivität gewinnen.“

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