Appia und Schwab im Hanauer Rathaus

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Derzeit können im Hanauer Rathaus zwei interessante Geschichtsausstellungen besucht werden.

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Im Stadtladen widmet sich eine Tafelschau dem großen Hanauer Sohn Louis Appia, Mitgründer des Roten Kreuzes. Vor dem Büro des Oberbürgermeisters im ersten Stock informieren Bild- und Texttafeln über die jüdische Familie Schwab aus Hanau. Louis Appia kam als Sohn waldensischer Glaubensflüchtlinge im Oktober 1818 in Hanau zur Welt. Sein Vater war Prediger an der Wallonischen Gemeinde und wechselte 1819 nach Frankfurt. Louis Appia studierte Medizin unte anderem in Heidelberg und gründete eine Augenklinik, die heute in der Universitätsklinik Frankfurt weiter besteht. Unter dem Eindruck der Erzählungen seines Vaters von der Schlacht bei Hanau 1813 und persönlichen Erlebnissen unter anderem bei der Schlacht bei Solferino entwickelte Appia Krankentragen und Krankenwagen. Auf seine Anregung geht auch die Armbinde mit dem Roten Kreuz zurück. Zusammen mit Henri Dunant war er 1863 einer der fünf Gründer des Internationalen Roten Kreuzes. Er starb 1898 in Genf.

Die Sonderausstellung informiert in Wort und Bild ausführlich über die Familie Appia, das Hanau im 19. Jahrhundert sowie Leben und Engagement des großen Hanauer Sohnes weltweit. Die Texte stammen von Erhard Bus; Volker Stelzner/upf Hanau übernahm die Gestaltung. Der Kreisverband Hanau des Deutschen Roten Kreuzes, der Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V. und der Fachbereich Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau sind Veranstalter.

Anfang November, im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zu "80 Jahre Reichsprogrom", wurde von Oberbürgermeister Claus Kaminsky im ersten Stock des Rathauses die Ausstellung "From Things lost" eröffnet. Die Präsentation zeigt die Vita von Rudolf Schwab, Spross der jüdischen Familie Schwab, die seit Anfang des 17. Jahrhunderts in Hanau ansässig war und im sogenannten Dritten Reich vernichtet wurde. Rudolf Schwab konnte 1936 auf Anraten seines Freundes Karl Kipfer, Mitglied der NSDAP, über Belgien und Holland nach Südafrika ausreisen. Seine Eltern blieben an der Französischen Allee wohnen, ihr Anwesen wurde in der Reichspogromnacht verwüstet, schließlich wurden die Schwabs deportiert und im Holocaust umgebracht.

Anhand hunderter Briefe aus den 1930er Jahre bis nach dem Zweiten Weltkrieg aus Familienbesitz wird ein sehr berührendes Familienschicksal aufbereitet. Die Ausstellung wurde von Professor Shirli Gilbert, Geschichtsprofessorin in Southampton, für das Jüdische Museum Kapstadt erarbeitet und kam durch den Kontakt des Enkels von Rudolf Schwab, Daniel Schwab, zu Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, in die Brüder-Grimm-Stadt zustande. In zwei Vitrinen wird mit Erinnerungsstücken zudem Dr. Elisabeth Schmitz gedacht, vor 125 Jahren in Hanau geborene, vom Staat Israel postum geehrte "Gerechte unter den Völkern". Die studierte Lehrerin warnte in ihrer Denkschrift "Über die Lage der deutschen Nichtarier" bereits 1935/1936 vor der Entrechtung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden durch das NS-Regimes. In ihrem Wochenendhaus "Pusto" bei Berlin gewährte sie mehreren Verfolgten Unterschlupf.

Beide Präsentationen sind noch bis Ende Januar 2019, montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr, zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

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