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In Kooperation mit der BIENENBOTSCHAFT aus Karben in der Wetterau ist auf der Streuobstwiese des Zoos ein natürlicher Nistplatz für wildlebende Honigbienen entstanden. Vor gut zwei Wochen ist ein Bienenvolk eingezogen, das nun von der BIENENBOTSCHAFT betreut wird.

Jedem bekannt sind die Bienenstöcke mit den herausnehmbaren Waben, aus denen köstlicher Honig rinnt. Aber wie und wo lebt die Honigbiene eigentlich im Naturraum, wenn sie keinen Honig für uns produziert? Und was leistet sie dabei alles für unser Ökosystem? Um das zeigen zu können, ist der Zoo eine Partnerschaft mit der Bienenbotschaft aus Karben eingegangen.

Auf einem neugestalteten Areal im Zoo wird nicht die klassische Imkerei vorgestellt. Der von der Bienenbotschaft auf der Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelte ®Natural Habeetat*Tree ist eine Weiterentwicklung der Klotzbeute nach Zeidlerart und stellt die natürliche Behausung von Bienenvölkern in ausgehölten Baumstämmen nach. Hier finden die Bienen beste Voraussetzungen für ein artgemäßes Leben. Dazu gehört, dass die Bienen auch nur sich selbst und nicht die Menschen mit Honig versorgen.

„Bienen sind in Frankfurt höchst willkommen“, bestätigt Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, „Ich freue mich sehr, dass man im Zoo nun viel über diese faszinierenden und nützlichen Tiere erfahren kann. Die Biene hat stark an Popularität gewonnen, weil uns ihre enorme Leistung als Bestäuberin bewusstgeworden ist. Sie ist damit die perfekte Botschafterin für die zahlreichen massiv bedrohten Insektenarten.“

Am 10. Mai ist ein Bienenvolk eingezogen oder besser gesagt, es wurde einlogiert. Wird es eng im Bienenstock, zieht im Frühjahr die Königin mit einem Teil der Bienen aus. Es bildet sich ein Schwarm, der einen neuen Nistplatz sucht. Bei Imker und Bienenbotschafter Antonio Gurliaccio in Karben passierte genau das: Ein von der Bienenbotschaft betreutes Volk teilte sich. Gurliaccio nahm den Schwarm auf und brachte ihn in den Zoo. Hier nahmen die Bienen sofort ihr neues Zuhause in einem Kirschholzstamm in Besitz. Etwa eine Stunde dauerte es, bis die letzte der ca. 30.000 Bienen sicher im neuen Zuhause eingezogen war.

„Seit Jahren gehen viele Naturschwärme zu Grunde, weil sie in der Natur keine geeigneten Nistplätze mehr vorfinden. Aus Sicherheitsgründen werden gerade alte Bäume mit Höhlen gefällt, die Vögeln, wildlebenden Honigbienen und anderen Insekten geeignete Rückzugsräume bieten. Ohne eine schützende Behausung kann ein Bienenvolk in unseren Breiten aber nicht überleben. Unser Ziel ist es daher, schwärmenden Honigbienen natürliche Nistplätze für ein wesensgemäßes Zuhause in Frankfurt und Umgebung zu bieten. Über die Kooperation mit dem Zoo freuen wir uns ganz besonders. Die Möglichkeit, unsere Botschaft zu kommunizieren und Menschen zu erreichen, hat sich dadurch um ein Vielfaches erhöht“, betont Gurliaccio.

„Bienen sind, wie auch alle anderen Insekten, für unsere Ökosysteme von größter Bedeutung. Uns geht es hier im Zoo nicht um die Honiggewinnung, sondern um eine naturnahe Bienenhaltung und um eine Sensibilisierung unserer Besucherinnen und Besucher für so wichtige Themen wie den Wert der Biodiversität“, erklärt Zoodirektor Dr. Miguel Casares.

Dass das Projekt der Bienenbotschaft „Naturnistplätze für die wildlebende Honigbiene im Wald“ 2019 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet wurde, freut Casares daher besonders. Diese Ehrung wird ausschließlich Projekten zuteil, die sich in vorbildlicher Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt weltweit einsetzen.

Auf der Streuobstwiese im Südosten des Zoogeländes wurde neben dem Bienenbaum auch noch ein weiterer ausgehöhlter Baumstamm aufgebaut. Er ist nicht zur Besiedlung gedacht. Hier kann man gefahrlos bei Führungen oder Veranstaltungen ins Innere des Stammes schauen und sehen, wie sich die natürliche Bienenbehausung von einer normalen Imkerbeute unterscheidet.

Die Streuobstwiese soll im Laufe des Sommers zu einer Art Lehrgarten ausgebaut werden. Dazu wird auch das in die Jahre gekommene Insektenhotel nach den neuesten Erkenntnissen überarbeitet und eine neue Informationsbeschilderung installiert. Aber vor allem sollen hier Kinder und Erwachsene bei Führungen und Veranstaltungen Tiere ganz unmittelbar erleben. „Der nahe Kontakt, die direkte Begegnung mit Tieren, ist die große Chance der Zoos, Menschen zu erreichen und Wissen zu vermitteln. Die Ansiedlung des Bienenvolks ist ein weiterer Trittstein auf dem Weg des Zoos, über die ganzheitliche Erfahrung von Tieren und Lebensräumen Naturverbundenheit zu fördern“, so Hartwig.

„Solange die Sicherheitsmaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie aufrechterhalten bleiben müssen, ist das neu gestaltete Areal wegen der Nähe zu den Menschenaffen leider noch abgesperrt“, erklärt Zoodirektor Casares, „Wir hoffen aber, dass wir die Streuobstwiese im Laufe des Sommers auch noch mit unseren Besucherinnen und Besuchern einweihen können. Angst vor den Bienen muss aber niemand haben. Das Areal ist eingezäunt und nur bei Veranstaltungen zugänglich und die Bienen sind ausgesprochen friedlich.“

Foto-Credit: Stefanie Kösling

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