Großes Jubiläumsfest: Zehn Jahre Przewalski-Pferde in Hanau

Großauheim
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Das ehemalige US-Army-Trainingsgelände "Campo Pond" im Hanauer Stadtteil Großauheim hat sich über die Jahre hinweg zu einem einzigartigen Biotop mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt entwickelt.

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Dazu haben auch die seltenen Przewalski-Wildpferde beigetragen, die das Gelände beweiden und so dafür sorgen, dass die Offenlandflächen nicht überwuchert werden. In diesem Jahr jährt sich die Ankunft der ersten Przewalski-Pferde in Hanau bereits zum zehnten Mal. Anlässlich dieses Jubiläums findet am Sonntag, 25. August, von 15 - 18 Uhr ein großer Campo Pond-Tag auf dem Gelände statt. An diesem können sich die Besucherinnen und Besucher an verschiedenen Stationen über die Pferde, Fledermäuse, Insekten und Pflanzen sowie über das Leben in der Mongolei und in einer mongolischen Jurte informieren und alles über das nachhaltige Beweidungsprojekt, das inzwischen Schule gemacht hat, erfahren.

Hintergrund: Campo Pond, die Heimat der Przewalski-Pferde, diente mehr als sechs Jahrzehnte lang als militärisches Trainingsgelände für die US-Armee. Panzer und andere schwere Militärfahrzeuge befuhren regelmäßig das Gelände, Camps wurden errichtet und der Bau von Pontonbrücken am Teich geprobt. Als die Amerikaner Ende 2008 aus Hanau abzogen, ging Campo Pond, genau wie alle anderen amerikanischen Liegenschaften, in das Eigentum des Bundes über, der durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) von der Sparte Bundesforst vertreten wird. Campo Pond ist daher Konversionsgelände und nimmt mit 101 Hektar einen beachtlichen Teil der insgesamt 340 Hektar Konversionsflächen in Hanau ein. Campo Pond umfasst neben den Offenlandflächen auch rund 19 Hektar Wald, dieser gehört zum Teil der Stadt Hanau und dem Land Hessen. Auf dem über viele Jahrzehnte durch Drahtzäune abgeschlossenen Campo Pond haben zahlreiche besonders geschützte Pflanzen- und Tierarten überlebt. Verursacht durch die stete Befahrung mit schweren Fahrzeugen ist dort ein einzigartiges Biotop entstanden. Unterschiedliche Lebensräume, wie Sand-Magerrasen, Steppenvegetation und nicht forstwirtschaftlich genutzten Wälder bieten Rehen, Kaninchen, Füchsen, Fledermäusen, vielen Insekten und diversen Amphibienarten ein Zuhause. Sogar Vertreter der seltenen Urzeitkrebse kommen auf dem Gelände vor.

Rund 70 Hektar des Geländes wurden auf Grund des besonders seltenen "Sand-Magerrasen", vom Hessischen Naturschutz-Ministerium als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) ausgewiesen und sind somit durch EU-Verordnung als "Natura-2000-Gebiet" geschützt. Der gute ökologische Zustand muss gemäß FFH-Richtlinie gehalten werden. Die Verantwortung zum Erhalt und Pflege des FFH-Gebiets obliegt dem Land Hessen in Abstimmung mit dem Eigentümer Bundesforst. Das Land Hessen muss alle sechs Jahre den Zustand der Flächen dokumentieren und an die EU nach Brüssel melden.

Um den FFH-Status zu erhalten, entstand die Idee Przewalski-Pferde als Landschaftspfleger anzusiedeln. Sie pflegen das Fauna-Flora-Habitat "Campo Pond", in dem sie neue Baumtriebe abknabbern ("verbeißen") und das Gelände von Unterholz freihalten. Damit tragen sie zur Offenhaltung des wertvollen Sand-Magerrasens bei. Durch das große Engagement und die finanzielle Unterstützung des Bundesforsts war es möglich das Przewalski-Artenschutzprojekt nach Hanau zu holen.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Bundesforst als Flächeneigentümer und Tierhalter, der Stadt Hanau, die regelmäßig Führungen und Kurse auf dem Gelände anbietet und die Pferdebetreuung finanziert sowie dem Zoo Frankfurt, dessen Tierärztinnen bei Bedarf die medizinische Versorgung der Pferde übernehmen. Zudem nehmen die Projektbeteiligten regelmäßig an Fachtagungen für Przewalski-Pferde teil und tauschen sich mit anderen VertreterInnen von Beweidungsprojekten wie Zoologen, Tierärzten, Förstern, Vertretern von Umweltbehörden, Pferdebetreuern und der Leitung des EEPs zu den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus. Bereits mehrfach wurde die Fachtagung inzwischen auch in Hanau ausgerichtet.

Wichtige Meilensteine

Im Sommer 2009 errichtete der Bundesforst die erste rund 26 Hektar große Pferde-Koppel auf dem Gelände. Um Platz für weitere Tiere zu schaffen baute der Bundesforst ein Jahr später eine zweite gleich große Koppel, die mit der ersten durch einen Durchgang verbunden ist. Im September 2009 war es dann soweit und die ersten fünf Przewalski-Stuten erreichten Campo Pond. Weitere Pferde kamen dann ein Jahr später 2010 nach Hanau, um die Herde zu vergrößern.

Im Juli 2013 kam dann Fury nach Hanau, um dort seinerzeit als Zuchthengst für Nachwuchs zu sorgen, nachdem zuvor drei Stuten nach Gießen umgesiedelt worden waren, da sie zu eng mit Fury verwandt waren, um mit ihm Nachwuchs zu zeugen. So kam es, dass am 23. Juni 2014 das erste Hengstfohlen Oleg auf Campo Pond das Licht der Welt erblickte. Und Oleg blieb nicht das einzige Fohlen. Im darauffolgenden Jahr 2015 sorgte Fury gleich dreimal für Nachwuchs und die beiden Stuten Pepper und Priska sowie Hengst Pavel kamen auf Campo Pond zur Welt. Inzwischen wurde Fury in ein anderes Beweidungsprojekt nach Gießen umgesiedelt, wo er ebenfalls für reichlich Nachwuchs gesorgt hat.

Ein weiterer Meilenstein ereignete sich im Frühjahr 2019, als die beiden auf Campo Pond geborenen Stuten Pepper und Priska ihre große Reise in die Freiheit angetreten haben. Die beiden Tiere wurden vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die Auswilderung in der Westmongolei, dem ursprünglichen Lebensraum der Przewalski-Pferde, ausgewählt. Aktuell befinden sich die Tiere noch in einem Außengehege in der Nähe des Prager Zoos, wo sie nach einer Übergangsphase gemeinsam mit weiteren Pferden in einen Nationalpark zu ca. 240 weiteren freilebenden Przewalski-Pferden in der Mongolei gebracht werden sollen.

Neben den erfreulichen Ereignissen gab es zuletzt auch traurige Nachrichten vom Beweidungsprojekt. Im März dieses Jahres verstarb die fast 29jährige ehemalige Leitstute Barioja, die von Beginn an auf Campo Pond lebte und die Herde über viele Jahre hinweg angeführt hat. Aktuell leben die drei Stuten Ginger, Galinka und Jana sowie Hengst Pavel auf dem Gelände. Für die kommenden Monate ist geplant, die Herde mit zusätzlichen Tieren wieder zu erweitern, um für eine optimale Beweidung des Geländes zu sorgen. Laut Aussage des Bundesforsts besteht auch die Möglichkeit, dass der ehemalige Zuchthengst Fury wieder nach Hanau zurückkommt. In den kommenden Monaten soll die Herde wieder mit Tieren aus anderen Beweidungsprojekten des Bundesforsts aufgestockt werden, um die Pflege des Fauna-Flora-Habitats weiter zu gewährleisten.

Führungen und Umweltbildung

Führungen zu den Pferden können regelmäßig über das Umweltzentrum Hanau gebucht werden (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 0 61 81/30 49 148). Neben 90minütigen Führungen und dreistündigen Geländespaziergängen bietet das Umweltzentrum auch besondere themenspezifische Führungen (z.B. zu Kräutern und Fledermäusen an), ebenso können für Familien Entdeckungstouren gebucht werden und regelmäßig finden für interessierte FotografInnen Fotoworkshops auf dem Gelände ab. In der letzten Woche der hessischen Sommerferien bietet das Umweltzentrum Ferienspiele auf dem Gelände an. Außerdem soll im kommenden Jahr das Projekt Nachwuchsforscher in die zweite Runde gehen. Dieses wurde bislang über die Stiftung Flughafen Rhein Main gefördert und wird ab 2020 durch die Stiftung ProRegion der Fraport AG fortgeführt werden. In diesem Rahmen können sich Schulklassen aller Jahrgangsstufen in praktischen Kursen über unterschiedliche Berufe wie die eines Biologen informieren. Auch wurde auf Campo Pond ein Pirschpfad errichtet, der Groß und Klein zum Entdecken der unterschiedlichsten Bewohner des Naturschutzgebietes einlädt.

Foto: Daniela Balzer vom Umweltzentrum Hanau informiert Besucher über die Przewalski-Urwildpferde und das Naturschutzreservat Campo Pond.

Foto: Stadt Hanau

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