Gegen das Vergessen: Pogromnacht in Großauheim

Hanau
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Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 der Lindenauschule befassten sich am vergangenen Mittwoch, d. 28.11.18 sehr intensiv mit einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte.

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Dr. Manfred Greb besuchte die Lindenauschule und hielt dort für die Oberstufenschülerinnen und Schüler einen sehr bewegenden und eindringlichen Vortrag zum Schicksal der Großauheimer Juden während der NS-Zeit.

Herrn Dr. Greb gelang es, Geschichte begreifbar und spürbar zu machen, indem er den Anwesenden exemplarisch die Lebensgeschichte von Heinz Hirschmann vorstellte, der zur Zeit der Reichspogromnacht 18 Jahre alt war. Er entstammte einer alteingesessenen jüdischen Großauheimer Familie, die ein Eisen- und Haushaltswaren-Geschäft in Großauheim betrieb. Dieses wurde in der Reichspogromnacht zerstört, wie auch die Wohnung der Familie Hirschmann. Heinz Hirschmann wurde verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht.

Die Umstände der Fahrt, die Ungewissheit über das Ziel der Fahrt und das, was sie dort erwartete sowie die unbeschreiblichen Zustände im KZ Buchenwald wurden für die Schülerinnen und Schüler anhand der Schilderungen von Heinz Hirschmann greifbar. Dr. Greb konnte Details aus den Erinnerungen von Heinz Hirschmann wiedergeben, die das Unvorstellbare vorstellbar machten, wie z.B. die Häftlingsnummer 25340, die Heinz Hirschmann im Lager tragen musste und die er als Symbol für die Entmenschlichung der Juden in der NS-Zeit verstand. Heinz Hirschmann hatte Glück im Unglück: Ein weitläufiger Verwandter in Amerika stellte sich als Bürge für ihn zur Verfügung, sodass er ein Visum erhielt und im Dezember 1938 aus dem KZ Buchenwald entlassen wurde. Heinz Hirschmann wanderte in die USA aus und überlebte als einziges Mitglied seiner Familie den Nazi-Terror, seine Eltern und Geschwister wurden nach Mink deportiert und dort ermordet.

Heinz Hirschmann kehrte am Ende des Krieges als US-Soldat in seine Heimat zurück. Dr. Greb konnte verschiedene Situationen benennen, in denen Heinz Hirschmann trotz seiner traumatischen Erlebnisse in Deutschland als Friedensstifter in Großauheim und an anderen Orten in Deutschland wirkte. Mehrfach besuchte er seine alte Heimat, z.B. im Jahre 1992 zur Einweihung der Großkrotzenburger Synagoge, wo er ein gern gesehener Gast war. Die anwesenden Schülerinnen und Schüler hörten dem 60-minütigen Vortrag gebannt und teils ergriffen zu.

Durch die Vorstellung eines jungen Mannes, der zum Zeitpunkt der Reichspogromnacht ungefähr im Alter der Schülerinnen und Schüler war, wurde das Schicksal Heinz Hirschmanns umso eindrücklicher, die Stationen seines Lebens in der NS-Zeit umso beklemmender. Dass dieser junge Mann aus der Nachbarschaft der Lindenauschule stammte, die von Dr. Greb gezeigten Fotos das Großauheimer Leben dieser Zeit abbildeten, machte den Vortrag lebendig und fesselnd. Dr. Greb folgte mit seinem Vortrag einer Einladung von Herrn Steffen Schleicher, Lehrer für katholische Religion an der Lindenauschule.

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