Lindenauschule macht Geschichte erlebbar

Hanau
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„Es geht um diese eine Nacht, am 19. März 1945, in der Hanau aufgehört hat zu existieren.“ Geschichte erlebbar machen – darum ging es am Freitag, den 13. Dezember in der Lindenauschule in Hanau-Großauheim.

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Anlässlich des 75. Jahrestages der Bombardierung der Stadt Hanau führten die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen sowie eines Geschichtskurses des zwölften Jahrgangs Gespräche mit fünf Zeitzeugen. Diese, die Älteste mit stolzen 98 Jahren, sprachen über ihr Leben und Erleben in dieser schweren Zeit. Organisiert wurde die Veranstaltung in Kooperation mit dem Fachbereich Kultur der Stadt Hanau.

„Geschichte, die begreifbar und somit erlebbar ist, wird niemals vergessen.“, so Steffen Schleicher, Lehrer der Lindenauschule. Zusammen mit seiner Mitorganisatorin Regina Shams eröffnete er die Veranstaltung, gefolgt von einem kurzen Vortrag des Leiters des Fachbereichs Kultur der Stadt, Martin Hoppe. Hier konnten sich die Schülerinnen und Schüler anhand der mitgebrachten Fotografien eine bildliche Vorstellung der tragischen Ereignisse machen. „Das ist quasi die letzte Chance, etwas mitzuerleben und für nachfolgende Generationen etwas mitzunehmen“, so Hoppe. Es sei eine ganz schwierige Zeit gewesen, der man sich stellen müsse. Den Schülerinnen und Schülern heute stehe die Welt offen. Die Zeitzeugen mussten in diesem Alter selbst in den Krieg ziehen und „aus dem Nichts das Leben wieder in den Griff bekommen.“

In Einzelgesprächen in ihren Klassenräumen bekamen die Schülerinnen und Schüler im Anschluss von den Zeitzeugen Dietrich Brüggemann, Johanna Leipold, Henrik Lotz, Alfred Schendzielorz und Hans Fischer einen sehr persönlichen Einblick in eben diese Erlebnisse. „Das Gefühl der dauernden Todesangst, das ist eine Sache, die man nur schwer vermitteln kann.“, so Zeitzeuge Alfred Schendzielorz. „Die Sirenen und die Bomber kamen, das geht einem durch Mark und Pfennig – heute noch!“ Dass man nur zu festen Zeiten das Haus verlassen konnte, ein Laib Brot eine Woche lang reichen musste, „Bückware“ nicht wie heute in den Regalen stand und man sich an die amerikanische Kultur erst noch gewöhnten musste, brachte die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken. In einer Atmosphäre, wie sie sich ein Geschichtslehrer für den regulären Unterricht nur wünschen würde, hingen sie den Zeitzeugen an den Lippen und stellten durchaus auch kritische Nachfragen zu jenem Zeitgeschehen, das noch heute Fassungslosigkeit auslöst.

„Viele waren Nazis, bis sie merkten, was da lief.“ Am liebsten verdränge man die eigene Schuld, erzählten Fischer und Schendzielorz. Daher sei es umso wichtiger, aufzustehen, wenn Menschen etwas machen, mit dem man selbst nicht zufrieden ist. „Schreien Sie, werden Sie laut, wehren Sie sich!“ Aber auch von den teils fröhlichen Zeiten im Schatten der Geschichte berichteten die Zeitzeugen. „Man war ja noch jung und wollte auch noch etwas haben vom Leben, nicht nur Angst“, antwortete die 98-jährige Johanna Leiphold auf die Frage, wie sie ihre Jugend in Erinnerung habe. Von Tanzstunden oder auch dem Sammeln von Bombensplittern und Spielen zwischen den Trümmern berichteten die Gäste den Lindenauschülerinnen und -schülern. Man habe sich über kleine Dinge, wie Gläser mit eingemachtem Obst oder Marmelade gefreut, die man in verlassenen Häusern fand und dann heimlich in den leeren Hühnerställen der Nachbarin vernaschte.

„Vieles war früher anders, die Umstände waren anders, die Leute waren anders.“, so die Zeitzeugen, die vor allem von dem Interesse und den vielfältigen, teils tiefgründigen Fragen der Schülerinnen und Schüler erfreut waren. Mit Nachdruck betonten sie, dass sie besonders dankbar sind, an der Lindenauschule zu Gast sein zu dürfen, da sie den Eindruck haben, das es immer weniger Interesse daran gebe, was damals passiert ist. Alle Schülerinnen und Schüler, Zeitzeugen, Gäste, Unterstützer sowie der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Schaffert zeigten sich sichtlich beeindruckt von dem eindrucksvollen und lehrreichen Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Wertschätzung.

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