Kreis will auf Wegscheide Flüchtlinge unterbringen

Bad Orb
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Das Schullandheim auf der Wegscheide in Bad Orb soll zukünftig für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Der Main-Kinzig-Kreis hat bei der Stadt Frankfurt, über die „Stiftung Frankfurter Schullandheim Wegscheide“ Eigentümer der bereits im Jahr 1920 eröffneten Einrichtung, eine entsprechende Anfrage gestellt. Laut Clemens Bohrer, Referent im Bildungsdezernat der Stadt Frankfurt, soll bis spätestens Anfang November über die Anfrage von der Kreisverwaltung in Gelnhausen entschieden werden.

Wo von Frühjahr bis Herbst hauptsächlich Schulklassen aus Frankfurt einige ungezwungene Tage in Mitten von Wald und Natur verbringen oder Sprachkurse und Ferienfreizeiten angeboten werden, sollen dann in den nächsten Monaten unbegleitete minderjährige Flüchtlinge versorgt und auf ihr ersten Schritte in Deutschland vorbereitet werden. Im Normalbetrieb können 24 Schulklassen gleichzeitig im bundesweit größten Schullandheim zwischen der Kurstadt Bad Orb und der Gemeinde Jossgrund untergebracht werden, somit wäre ein Unterbringung von 400 bis 500 Mädchen und Jungen aus Syrien, Irak oder beispielsweise auch Afghanistan möglich, die es ohne Begleitung bis nach Deutschland geschafft haben. Auf dem 35 Hektar großen Gelände ist von einer Großküche bis zu zahlreichen Sportmöglichkeiten bereits ein breites Infrastrukturangebot vorhanden, zudem ist der komplette Bereich eingezäunt und frei von Autoverkehr – also ideal für Kinder und Jugendliche.

Zirka 45.000 Übernachtungen werden auf der Wegscheide pro Jahr gezählt und geht es nach Bildungsreferent Clemens Bohrer von der Stadt Frankfurt soll dies auch so bleiben. „Wenn dort Flüchtlinge einziehen, dann nur außerhalb der Saison“, sei eine Belegung nur ab November und bis zum der Start der neuen Saison im März 2016 möglich. Für das nächste Jahr würden bereits Buchungen vorliegen, „die Wegscheide kommt daher nur für die Winterpause in Frage“, räumt Bohrer allerdings auch ein, dass die Idee, dort Flüchtlinge unterzubringen, für den Main-Kinzig-Kreis naheliegend ist. Zunächst müssten allerdings wichtige Fragen geklärt werden, eine Unterbringung von zirka 400 jungen Flüchtlingen hält er aber für möglich. Vorher müsste allerdings ein Träger gefunden werden, der sich um Versorgung, Betreuung, Reinigung und beispielsweise auch Sprachförderung kümmere. Bei der Notunterkunft in den ehemaligen Kasernen der amerikanischen Armee in Hanau hatte vor kurzem die Johanniter-Unfallhilfe Main-Kinzig diese Rolle übernommen und ist dort jetzt mit zirka 70 Personen im Einsatz. Möglicherweise könnte sich auch auf der Wegscheide eine Hilfsorganisation in Eigenregie um die Flüchtlinge kümmern.

Kreispressesprecher Frank Walzer bestätigte am Mittwoch die Kontaktaufnahme zur Stadt Frankfurt bezüglich der Unterbringung von Flüchtlingen auf der Wegscheide: „Der Main-Kinzig-Kreis prüft derzeit mehrere Optionen, um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterzubringen. Eine der Optionen ist die Wegscheide in Bad Orb, wo bereits gute Gespräche stattfinden. Die Stadt Frankfurt hatte zuvor signalisiert, dass der Kreis dort jugendliche Flüchtlinge unterbringen kann. Die Vorbereitung einer solchen Unterbringung ist sehr umfangreich und noch nicht abgeschlossen. Mehrere offene Fragen zur Trägerschaft und zur Betreuung klären die Mitarbeiter des Jugendamtes derzeit. Es steht auch noch kein genaues Datum fest, ab wann junge Menschen dort unterkommen könnten.“ Kommt es zu einer Einigung, würde die Wegscheide übrigens nicht zum ersten Mal als Bleibe für Hilfsbedürftige genutzt werden: Auch nach dem 2. Weltkrieg war das Schullandheim jahrelang ein Flüchtlingslager für Heimatvertriebene.

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