Eine Region entdeckt ihre lokale Filmgeschichte

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Anlässlich seines 10jährigen Bestehens schickt der Kulturfonds Frankfurt RheinMain KINO VARIÉTÉ RheinMain auf Tour – natürlich auch in seine Mitgliedsstadt Hanau.

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Die beschwingte Film-Show lässt den Zauber des frühen Kinos mit Musik, Tanz und Akrobatik erleben. Das Besondere: gezeigt werden Stummfilme, die in der RheinMain-Region entstanden sind. Aus dem Bestand des Medienzentrums Hanau / Bildarchiv ist ebenfalls ein bisher unbekannter Streifen aus dem Hanau der 1930er Jahre zu sehen. Die live gespielte Filmmusik schlägt den großen Bogen von der historischen Kino-Musik zur improvisierten Musik mit Jazz-Anleihen unserer Tage. Zum echten Kino Variété wird das Ganze durch Live-Acts im Vorprogramm: Tanz, Jonglage und Körperakrobatik. Die Matinee findet am 20. Januar 2019 um 11.30 Uhr im Kinopolis Hanau statt. Kartenreservierungen zu je 15 Euro können über www.kinopolis.de vorgenommen werden.

Fast alle haben einmal von Metropolis, Panzerkreuzer Potemkin oder Nosferatu gehört, aber wie das Stummfilmkino sonst aussah, kann man sich kaum vorstellen. Ein neues Format bietet dafür Gelegenheit: KINO VARIETÉ. Das Initiativprojekt anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Kulturfonds Frankfurt RheinMain GmbH wendet sich insbesondere an Filmkunsttheater und kleinere Bühnen in der Region. In Frankfurt am Main, Kronberg, Bad Vilbel, Hanau, Darmstadt, Wiesbaden, Hofheim, Offenbach und Oestrich-Winkel wird Stummfilmkino so vorgestellt, wie es in der Blütezeit des Stummfilms war.

"Das Kino damals war laut und bunt, man ging ins Kino, um viel zu erleben. Vor dem Hauptfilm gab es ein Vorprogramm aus Wochenschau, Animations- und Kulturfilmen, dazwischen Schlager der Zeit und Tanz. Das Kino war Schaufenster zur Welt und bot Aktualitäten, international wie auch aus der Umgebung vor Ort", weiß der Geschäftsführer des Kulturfonds Dr. Helmut Müller.

Genau daran knüpft Kino Varieté RheinMain an. Es bietet Kino-Shows mit lokalen Dokumentarfilmen. Schon in den 1920er Jahren stellten Produktionsfirmen professionelle Filme für die Industrie her, oder gaben Städte Dokumentarfilme für die Tourismuswerbung in Auftrag. In dieser Zeit begannen auch Amateure oder Inhaber von Fotogeschäften, ihre Umgebung im Film festzuhalten. Von manchen Orten, wie Wiesbaden oder Frankfurt, sind erstaunlich viele Regionalfilme überliefert, in anderen Orte, wie Darmstadt und Hanau, haben die Kriegsbomben fast alles zerstört, was es an lokalen Filmdokumenten gab.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky freut sich, dass "sich von Hanau zwei Filme aus dem Jahr 1938 im Medienzentrum / Bildarchiv erhalten haben. Beide Filme in 16mm-Kopien, stammen vom ehemaligen ‚Stadtfotografen‘ Franz Weber (1894-1984), dem Hanau auch sein einzigartiges Bildarchiv verdankt." Weber war ursprünglich Lehrer und ab Oktober 1934 Leiter der neu gegründeten Stadtbildstelle. "Das Fotografieren hatte er sich teilweise selbst beigebracht. Im Jahr 1938 erprobte er sich auch an der Filmkamera und schuf die beiden 10-minütigen Kurzfilme, die das alte Hanau und seine Bevölkerung in Feierlaune zeigen, einmal bei der Herbstmesse auf dem Freiheitsplatz, ein anderes Mal beim traditionellen Lamboy-Fest im ‘Lambewald‘", so der heutige Stadtfotograf Roland von Gottschalck. Mit dem geschulten Auge des Fotografen fing Franz Weber viele Details auf dem Jahrmarkt der Herbstmesse und beim Lamboy-Fest 1938 ein. Ganz Hanau zog damals in den Wald, wo Buden und Fahrgeschäfte aufgebaut waren, drei Tage Volksfest und buntes Treiben. Unübersehbar ist aber auch die Präsenz des NS-Staats mit dichter Beflaggung und Ansprachen des damaligen Oberbürgermeistes und Ortsgruppenführers.

Es schlummern also sehenswerte Dokumente in den Archiven. Damit diese Filme nun auf große Leinwand kommen, sprich digitalisiert werden, bedarf es finanzieller Unterstützung. Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau dankt deshalb für die Unterstützung bei Kino Varieté dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain, sowie als lokalen Sponsoren der Stiftung der Sparkasse Hanau und dem Kinopolis Hanau. Als weitere Partner kommen das Deutsche Filminstitut Frankfurt und die Filmredaktion von ZDF/ARTE aus Mainz dazu, die mit Kino Varieté RheinMain auf ihr Stummfilmprogramm aufmerksam machen möchte. Nina Goslar von der Filmredaktion erläutert, dass "ARTE der einzige Fernsehsender in Europa ist, der noch regelmäßig Stummfilme zeigt und Restaurierungen internationaler Archive präsentiert. So wird auch der Hauptfilm des Abends, die Komödie ‚Eine tolle Nacht‘ im Sommer 2019 ihre TV-Premiere auf ARTE erleben."

Es gibt bei Kino Varieté nicht nur viel zu sehen, sondern auch zu hören. Die live gespielte Filmmusik schlägt den großen Bogen von der historischen Kino-Musik zur improvisierten Musik mit Jazz-Anleihen unserer Tage. Sie wird dargeboten von dem Wiesbadener Jazz-Preisträger Uwe Oberg und der Mainzer Stimmkünstlerin Silvia Sauer, die hinreißende Kino-Songs in ihrem Repertoire hat. Zum echten Varieté wird das Ganze durch live-Acts im Vorprogramm: Tanz, Jonglage und Körperakrobatik. Mit genau solchen Nummern waren die Vorprogramme in den historischen Kinopalästen angereichert, bevor der Hauptfilm begann. In Hanau wird die Film-Show von einer originellen Solistin eröffnet: Antje Pode mit ihren fliegenden Koffern, als zweiter live-Act ist das Akrobaten-Duo Elabö mit spektakulärer Partner-Akrobatik zu sehen.

Karten zum Preis von 15 Euro sind ab sofort unter www.kinopolis.de erhältlich. "Übrigens ein wunderbares Weihnachtsgeschenk", sind sich die Veranstalter einig.

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