Eltern müssten auf die Barrikaden gehen

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Das Thema „Lüften in Klassenzimmern als wesentliche Maßnahme zur Verringerung des Risikos einer Ansteckung mit dem Corona-Virus" kommentiert Anke Pfeil in einem Leserbrief. Sie kandidiert für die FDP bei der Kommunalwahl für den Kreistag.

"Angesichts der aktuellen Äußerungen der Kultusministerkonferenz zur Frage der Verringerung des Risikos einer Ansteckung mit dem Corona-Virus durch das Lüften von Klassenräumen, kann man als Eltern nur noch den Kopf schütteln. Ja, dass das Lüften von Klassenzimmern als DER Baustein der Raumhygienemaßnahmen zur Corona-Prävention identifiziert wurde, ist nachvollziehbar. Es ist schließlich die kostengünstigste und - zumindest in den Schulen, in denen die Klassenzimmer überhaupt über zum Öffnen geeignete Fenster verfügen - auch für den Laien erkennbar einfachste Methode, um eine Reduzierung der möglichen Virenlast im Klassenzimmer herbeizuführen.

Über die Sommermonate, als es warm war und die Infektionszahlen ohnehin niedrig lagen, mag es ausreichend gewesen sein, die Fenster während der Unterrichtszeit geöffnet zu lassen, um so das indirekte Infektionsrisiko zu minimieren. Zu Recht wird die KMK nun allerdings für ihr sogenanntes 'Konzept' gescholten. Dieses Konzept, dass in seiner Fassung vom 01.09.2020 ja mutmaßlich das zu erwartende Infektionsgeschehen im Herbst/Winter im Blick haben sollte, sieht das Stoß-, bzw. Querlüften von Klassenräumen- mindestens alle 45 Minuten- als ausreichend geeignete Maßnahme der Raumhygiene zur deutlichen Reduzierung des Ansteckungsrisikos während der Herbst- und Wintermonate. Der Hygieneplan des Hessischen Kultusministeriums sieht ausdrücklich eine Stoß-, bzw. Querlüftung alle 20 Minuten für die Dauer von 3-5 Minuten vor und empfiehlt zudem den Einsatz einer CO2-Ampel. Natürlich- kostengünstig ist das Lüften, zumindest, wenn man gewillt ist, die energetische Komponente, das Verschwenden von thermischer Energie, unberücksichtigt zu lassen, nach wie vor.

Es ist mit Blick auf das gegenwärtig massiv steigende Infektionsgeschehen und die mit dem Lüften in der erforderlichen Häufigkeit zu erwartenden, ohnehin saisonbedingt ansteigenden Erkältungskrankheiten allerdings mit Sicherheit nicht ausreichend, um als zufriedenstellende Maßnahme zur Verringerung des Risikos einer Ansteckung mit dem Corona-Virus durchzugehen. Wie kann es sein, fragt man sich als Eltern, dass dem Offenhalten der Schulen von allen Seiten höchste Priorität eingeräumt, dennoch aber keinerlei Anstalten gemacht wird, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen? In der Ende September veröffentlichten Studie des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Universität der Bundeswehr in München wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit, dass die Virenlast durch regelmäßiges Lüften reduziert werde, überschätzt werde und dass das Lüften außerdem keinerlei Schutz vor einer direkten Infektion biete. Infektionen würden bei einem reinen Lüftungskonzept billigend in Kauf genommen. Zur Realisierung eines weitgehend normalen Unterrichtsbetriebs empfiehlt die Studie eine Kombination aus durchsichtigen Schutzwänden zwischen den Schülern und Schülerinnen und aus Geräten zur Reinigung der Raumluft.

Diese Erkenntnis legt bereits der gesunde Menschenverstand so nahe, dass einen der Hinweis, dass die Studie durch einen Hersteller derartiger Geräte unterstützt wurde, jedoch keinerlei Auswirkungen auf die dargestellten Ergebnisse habe, nicht misstrauisch zu machen braucht. Auch die Studie der Frankfurter Goethe-Uni, die zeigt, dass Aerosole in Klassenzimmern mit Hilfe vergleichsweise kostengünstiger Luftreiniger beseitigt und die Ansteckungsgefahr für Schüler und Lehrer mithin deutlich gesenkt werde, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass es in jedem Falle möglich ist, das Infektionsrisiko zu senken. Nur so kostengünstig wie das Lüften, seit jeher vor allem praktiziert, um mal eben frischen Sauerstoff in einen Raum zu bekommen, sind diese Möglichkeiten eben nicht. So viel Geld wird seit Beginn der Pandemie für angeblich Corona-bedingte Maßnahmen aufgewandt, nur für die Schülerinnen und Schüler wird es in Sachen Gesundheitsschutz nach den Herbstferien vermutlich nichts Neues geben, außer dass das Tragen von Mund- und Nasenschutz auch während des Unterrichts, wieder zur Pflicht wird. Das ist beschämend und sollte die Eltern auf die Barrikaden treiben."

Anke Pfeil
Schöneck

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