Schaffen Sie eine Teststrategie, die den Namen auch verdient

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Stefan Jäger, stellvertretender Vorsitzender des Kreiselternbeirates im Main-Kinzig-Kreis, kommentiert in seinem Leserbrief die Aussagen Siegfried Giernat, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, in einem Interview (hier lesen).

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"Ich begrüße es sehr, dass Herr Dr. Giernat im System Schule mehr Sicherheit geben und auch Vertrauen herstellen möchte. Dieses Vertrauen hatte ich als stellvertretender Vorsitzende des Kreiselternbeirates im Frühsommer letzten Jahres noch, als die Schulen nach dem ersten Lockdown geöffnet wurden. Damals wurden beim Auftreten eines Falles in der Schule alle im Klassenraum anwesende Personen getestet. So konnte man damals hoffen, dass auch asymptomatische Fälle, die bei Kindern ja besonders häufig vorkommen, entdeckt wurden, wenn auch die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung damals schon nur begrenzt war, da die Tests teilweise zu kurz nach einer möglichen Ansteckung erfolgten, so dass der Erhalt positiver Ergebnisse trotz möglicher Ansteckung doch eher unwahrscheinlich war.

Zwischenzeitlich wurde auf das Testen von asymptomatischen Schülern und Schülerinnen in der Schule komplett verzichtet. Hier wurde das politische Narrativ bedient: Kinder sind nicht ansteckend, daher können wir die Schulen offen halten. Das Vertrauen in die Strategie des Gesundheitsamts war damit zerstört. Insofern stellt der erneute Schwenk in der Strategie des Gesundheitsamtes eine erfreuliche Verbesserung dar. Aber allein die Unterscheidung der Kontaktpersonen innerhalb eines Klassenraumes in Kategorie 1 und Kategorie 2 zeigt, wie weltfremd hier das Gesundheitsamt zu sein scheint. Die Einteilung in Kategorie 2 erfolgt nach dem RKI nur, wenn keine längere Exposition (z. B. unter 30 Minuten) im Raum mit hoher Konzentration infektiöser Aerosole bestand. Schon eine einzelne vergessene 'Lüftungspause' sollten dazu führen, dass alle in Kategorie 1 rutschen. Darüber hinaus verlangt die Einteilung das durchgehend korrekte Tragen von MNS oder MNB bei sowohl Quellfall als auch Kontaktperson. Die Beurteilung, ob die MNB von allen korrekt getragen wurde, überlässt das Gesundheitsamt allerdings der Einschätzung der Schülerinnen oder Schüler. Da die Kategorie-2-Kontaktpersonen nun weiterhin die Schule besuchen dürfen, sofern beim Quellfall keine Mutation vorliegt, bleibt bei den Kontaktpersonen und ihren Familien die Sorge, ob nicht doch eine asymptomatische Erkrankung vorliegt und damit die Ansteckungskette nicht unterbrochen ist.

Auch dass Lehrerinnen und Lehrer nun geimpft werden, ist für diese sicherlich erfreulich, erhöht den Schutz unserer Kinder und ihrer Familien aber bestenfalls marginal. Im Rahmen der erneuten Schulöffnungen teilte Frau Litzenberger, der Leiterin des Staatlichen Schulamts, mit, dass es zur Zeit das Wichtigste sei, dass der Abstand von 1,5 Metern kontinuierlich eingehalten wird. Wer schon einmal einen Klassenraum von innen gesehen hat, der weiß, dass eine Halbierung der Klassengrößen, wie aktuell zumeist praktiziert, aufgrund der schieren Raumgrößen nicht dazu führt, dass im Klassenraum der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Und jeder, der in den letzten beiden Tagen an einen Schulhof zur Pausenzeit vorbeigegangen ist, kann hier nur den Kopf schütteln. Und über die Situation in den Schulbussen sollte man in diesem Zusammenhang besser erst gar nicht nachdenken.

Ein ausgeweitetes Testangebot für Lehrer und Lehrinnen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber ein Angebot, das nicht verpflichtend ist, hilft nur begrenzt weiter. Und ein Angebot für die Schülerinnen und Schüler fehlt gänzlich. Jemand, der sich testen lässt, handelt verantwortungsvoll, hat aber keinen direkten persönlichen Vorteil. Denn wenn er „positiv“ ist, ist für ihn 'das Kind schon in den Brunnen gefallen' und er schützt durch den Test 'nur' noch die anderen. Manche sagen, er hat sogar nur einen Nachteil, er riskiert bei einem positiven Ergebniss, in Quarantäne zu müssen (was aber unbestritten sinnvoll ist), was die Testbereitschaft unvernünftigerweise sinken lässt. Wirklich weiterhelfen würde daher nur eine Testpflicht für alle Personen in der Schule.

Daher lautet mein klare Forderung an das Staatliches Schulamt und Gesundheitsamt: Schaffen Sie dazu eine Teststrategie, die den Namen auch verdient. Heben Sie die Präsenzpflicht an den Schulen auf bei natürlich weiterhin bestehender Schulpflicht, die über den Distanzunterricht gesichert werden muss. Bei gut funktionierendem Distanzunterricht kann die Aufhebung der Präsenzpflicht sogar für ausreichend Platz in den Schulklassen sorgen, so dass im Gegenzug dafür diejenigen, die mit dem Distanzunterricht aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zurechtkommen, die Möglichkeit haben, täglich zur Schule zu kommen – ganz im Sinne der solidarischen Forderung, schwächere Schülerinnen und Schüler besser zu unterstützen."

Stefan Jäger
Niederdorfelden

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