Zwischen Kampf und Verlust

Literatur
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Wenn der Frankfurter Schauspieler Michael Schütz von einem Kollegen mit Herzproblemen spricht, führt er eine Hand zu seinem Herz.

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Wenn er davon erzählt, dass sich etwas im Kreise dreht, so vollführen seine Hände genau diese Bewegung. Michael Schütz spricht mit dem ganzen Körper, immer. Bettina Mähler traf den Frankfurter Schauspieler zum Vorgespräch für eine Lesung aus dem Roman „Die Buchsweilers“ am  Samstag, 10. November 2018, im städtischen Grimmelshausen-Museum.  Die Lesung findet im Rahmen der Reihe „Literatur in Gelnhausen“ statt.

Begeistert berichtet Michael Schütz von der Lektüre des Romans, den er in den letzten Wochen mit viel Interesse gelesen hat. Er habe vieles nicht gewusst, vom jüdischen Brauchtum, von den Räuberbanden im 19. Jahrhundert und auch nicht, dass diese hier im Main-Kinzig Kreis – auch wenn dieser damals nicht so hieß – ihr Unwesen trieben. „Dabei konnten die Menschen ja gar nichts dafür, dass sie Räuber wurden“, stellt Michael Schütz fest.

Der Roman von Valentin Senger erschien 1991, er erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie im Main-Kinzig-Kreis – über mehrere Generationen hinweg. Im Mittelpunkt des ersten Teiles stehen Sarah Buchsweiler, die Tochter eines reichen jüdischen Spitzenhändlers, und David Löb, der mittellose Privatlehrer Sarahs. Die beiden verlieben sich ineinander und Sarah schlägt die vom Vater vermittelte Heirat mit dem Sohn eines reichen Kollegen aus. Die von Sarah gewünschte Hochzeit mit David findet statt - mit fatalen Folgen für alle Beteiligten. Aufgrund von ungerechtfertigten Beschuldigungen seitens der Polizei wird David zum Verfolgten, der nur als Räuber sein Überleben sichern kann. Sarah wird mit ihm zur Wanderjüdin, der gemeinsame Sohn muss ebenfalls als Räuber „arbeiten“. Sarah stirbt früh.

Die Auswahl der Passagen, die Michael Schütz vortragen wird, fiel dem Schauspieler und Bettina Mähler nicht leicht, da es mehrere Handlungsstränge gibt. Man einigte sich auf die Stellen, die in Gelnhausen und Umgebung spielen und die Zuhörer somit in die Vergangenheit des Ortes führen, an dem gelesen wird. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Literatur in Gelnhausen“. Sie findet aus Anlass der Erinnerung an die Reichspogromnacht statt, allerdings aus organisatorischen Gründen erst einen Tag später.

Michael Schütz ist eine prominente Besetzung für diese Aufgabe. Er besuchte die Schauspielschule Otto-Falckenberg in München. Engagements führten ihn nach Stuttgart, Essen, Leipzig und Düsseldorf. 1999 erhielt er den Förderpreis junger Künstler des Landes NRW. 2010 - 2017 gehörte er zum Ensemble des Schauspielhauses Bochum, 2017 wechselte er ans Schauspiel Frankfurt, wo er in jeweils mehreren Produktionen zu sehen ist. Daneben wirkt er in TV-Produktionen und als Sprecher in Hörspielen und Lesungen mit.

Die Lesung findet im Grimmelshausen-Museum, Alte Stadtschreiberei 3, ab 19 Uhr statt. Karten für zehn Euro sind erhältlich bei der Tourist-Info, Gelnhausen, Telefon 830-300. Die Zahl der Karten ist begrenzt, es empfiehlt sich eine baldige Anmeldung.

Foto: Buchcover. Quelle: Stadt Gelnhausen

 

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