„Karten sind Partituren der Landschaft“

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Am Samstag, 26. September, 18 Uhr, veranstaltet die Buchhandlung „Dichtung & Wahrheit“ aus Wächtersbach gemeinsam mit dem Fachbereich Kultur des Main-Kinzig-Kreises eine Lesung mit dem Kulturförderpreisträger Christian Schulteisz im Barbarossasaal des Main-Kinzig-Forums, Barbarossastraße 24 in Gelnhausen.

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Die Lesung wird gefördert von der Kampagne #zweiterfruehling von literaturhaus.net.

Christian Schulteisz, geboren 1985 und aufgewachsen in Gelnhausen, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und veröffentlichte bis dato in diversen Literaturzeitschriften, Anthologien und im Radio. 2013 wurde ihm der Kulturförderpreis des Main-Kinzig-Kreises verliehen. In seinem Debütroman „Wense“ geht es um einen allwissenden Taugenichts, der sich trotz aller Weltvergessenheit in einer vom Krieg regierten Welt zurechtfinden muss.

Ingenieur, Ökonom, Geologe, Philosoph, Zoologe, Astrologe, Rechtswissenschaftler, Übersetzer, Schriftsteller, Pianist, aber doch zu nichts zu gebrauchen? Die unfreiwillig lächerliche Figur des Universalgenies Hans-Jürgen von der Wense wirkt wie ein Produkt der Fiktion, hat es jedoch tatsächlich gegeben. Schulteisz kombiniert auf 130 Seiten gekonnt Auszüge aus Wenses Texten mit seinem ganz eigenen Stil und würzt mit einer gehörigen Prise Slapstick-Humor. So erzählt er aus dem tragikomischen, manchmal poetischen Alltagsleben des wanderwütigen Querdenkers inmitten eines Regimes, welches ein jedes Individuum nach seiner Nützlichkeit oder Schädlichkeit bemisst. Ein Roman, der zum Schmunzeln und Mitwandern einlädt.

Eintrittskarten sind für fünf Euro in der Altstadt-Buchhandlung „Dichtung & Wahrheit“ am Obertor 5 in Wächtersbach erhältlich. Die Buchhandlung ist montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Ansprechpartnerin ist Inhaberin Andrea Euler, zu erreichen unter der Telefonnummer 06053-600848 oder per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Karten gibt es auch in der Tourist-Info Gelnhausen am Obermarkt 8 in Gelnhausen zu erwerben, geöffnet montags bis freitags von 10 bis 16:30 Uhr sowie samstags und sonntags jeweils von 10:30 bis 16 Uhr. Die Tourist-Info ist unter der Telefonnummer 06051-830300 oder per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar.

Die Lesung findet unter geltenden Abstands- und Hygieneregeln statt. Der Roman „Wense“ von Christian Schulteisz erschien im Frühjahr 2020 bei Berenberg Verlag GmbH Berlin und ist für 22 Euro am Rande der Lesung erhältlich.

Interview mit Christian Schulteisz

Worum geht es / ging es Ihnen...
In „Wense“ geht es um den Zusammenprall von zwei Extremen, einer extremen Zeit, in der alles dem Krieg dienen soll, und einen extremen Privatgelehrten, der eigentlich nur seinen tausend Interessen nachgehen will, frei von der Frage, wozu es dient. Aber weil Krieg ist, muss er zur Arbeit wie alle anderen. Und komischer- oder erschreckenderweise passt er sich an.
Warum haben Sie dazu auf Hans-Jürgen von der Wense zurückgegriffen, der wirklich gelebt hat, warum nicht diesen Privatgelehrten einfach erfunden?
Die Idee zum Roman kam mir überhaupt nur durch die Aufzeichnungen von Hans-Jürgen von der Wense. Beim Lesen seiner Wandernotizen tauchte er in meinem Kopf auf als Figur. Er wirkte im Grunde schon wie erfunden, aber mich ganz von der historischen Person lösen, wollte ich nicht, wobei mir lange selbst nicht klar war, warum. Heute denke ich, es war die richtige Entscheidung: Die extreme Zeit, 1943, gab es wirklich und das andere Extrem, Wense, eben auch.
Wie sind Sie auf seine Aufzeichnungen gestoßen?
Die gab es bereits in Sammelbänden. Später bin ich dann auch selbst nach Kassel ins Wense-Archiv gegangen und habe in den Originalen gelesen.
Der Roman ist ja ganz schmal, keine 130 Seiten, war das eine bewusste Entscheidung?
Anfangs nicht, am Ende ja. Mir ging es um eine Verdichtung, ich wollte das Tragische, Komische, aber eben auch das Poetische an ihm und seinem Leben zeigen und das mit den ökonomischen und ethischen Fragen verbinden, die sich in der Kriegszeit besonders stellen, Fragen nach der Nützlichkeit oder Schädlichkeit eines Menschen und seiner Beschäftigungen.
Manche Passagen lesen sich, wie aus dem Kopf von Wense herausgeschrieben, wie viel ist da vom echten Wense?
Es gibt ein paar direkte Zitate, zum Beispiel gleich auf der ersten Seite, da heißt es, er habe mal den Satz „Karten sind Partituren der Landschaft“ geschrieben. Das stimmt. Aber ansonsten sind es eher Paraphrasen und Bruchstücke aus Wenses Texten, die durch den Roman geistern. Ich habe versucht, eine Mischung zu finden aus seinem Stil und meinem und eine Balance, wo ich teils, sagen wir, ekstatisch schreibe, teils eher nüchtern oder auch, wie ein Kritiker meinte, slapstickhaft.
Ist Ihnen Komik im Schreiben wichtig?
Da gibt es eine gewisse Tendenz, ja, denn das Leben ist, meine ich, ziemlich lächerlich trotz allem, jeder Mensch hat etwas Lächerliches, egal was er tut, und erst recht, wenn man etwas wirklich mit Begeisterung macht. Wie der Mund, der einem beim Staunen zu weit offen steht.

Foto: copyright by Berenburg Verlag, (Autorenfoto von Ramune Pigagaite)

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