NABU fordert Naturwald bei Alsberg im Spessart

NABU-Vorschläge für weitere Naturwälder in Hessen.

Alsberg
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Der Klimawandel stellt die hessische Wälder vor große Herausforderungen. „Unbewirtschaftete Naturwälder sind stabiler im Klimawandel“, weist Mark Harthun, Waldexperte des NABU Hessen, auf eine zukunftsfähige Strategie hin.

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Bei Befliegungen des Naturwaldreservates ‚Östlich von Oppershofen‘ in der Wetterau zeigte sich auf Luftbildern, dass das dichte Kronendach der 140 bis 160 Jahre alten Bäume den Wald besser gegen Austrocknung schützt als der benachbarte forstlich aufgelichtete Bestand. Im bewirtschafteten Forst gab es am Ende des Sommers deutlich mehr Baumschäden. Der NABU fordert daher, in Hessen mehr Wälder aus der holzwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen (www.naturwald-hessen.de). „Die Vorsorge gegen weitere Baumschäden kommt viel zu kurz“ kritisiert Harthun die bisherige Strategie des hessischen Umweltministeriums. Dieses hatte am Wochenende im Zuge der Vorstellung des neuen Waldzustandsberichtes sein Maßnahmenpaket vorgestellt. Der NABU wirft dem Land vor, sich zu stark auf das „Reparieren“ zu konzentrieren. Gleichzeitig würde der Wald durch ständige weitere Auflichtungen noch anfälliger gegen Austrocknung gemacht als bisher. Falsche Bewirtschaftung führe zu einer katastrophalen Kettenreaktion des Absterbens der Bäume.

Die Luftbilder des NABU Hessen zeigen den Unterschied der Wälder sehr deutlich: Der Naturwald geschlossen, der gleichaltrige bewirtschaftete Forst lückig und offen. Offene Bestände trocknen schneller aus. Die Buchen erleiden Sonnenbrand und Trockenschäden. Der Landesbetrieb HessenForst setze aktuell darauf, schon leicht geschädigte Buchen schnell einzuschlagen, da hier der Preis noch 10 bis 20 Euro pro Festmeter über dem für Schadholz liege. Bei alten Eichen gibt der Landesbetrieb gar die Devise aus, „Jetzt oder nie“ zu fällen, um möglichst wenig Wertverlust zu erleiden. Laut NABU werde dadurch der Wald der Zukunft jünger, dünner und holzärmer. „Alte, ehrwürdige Wälder wird es künftig nur noch in geschützten Naturwäldern geben“, so Harthun. Umso wichtiger sei es, ihren Anteil in Hessen zu erhöhen. „Holznutzung darf nicht vor Walderhaltung gehen“ fordert deshalb der NABU. Wer den Wald erhalten wolle, der müsse bei der zunehmenden Sommertrockenheit auch in einem größeren Teil der Wälder auf die Holznutzung verzichten. Bisher gibt es in Hessen nur vier größere Naturwälder, die insgesamt 0,5% der Landesfläche ausmachen (Nationalpark Kellerwald-Edersee und Flächen im Reinhardswald, Wispertaunus und Kühkopf am Rhein). Solche Wildnisgebiete müssten aber auf 2% der Landesfläche zugelassen werden. Dies sollte eigentlich nach der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2020 erreicht sein.

Naturwälder sind wie Klimaaggregate in der Landschaft: Ihre Kronen sind geschlossener und der Holzvorrat ist viel höher: Schon nach 32 Jahren Nutzungsverzicht liegt der Holzvorrat im dokumentierten Naturwaldreservat bei Oppershofen bei 733 Festmetern pro Hektar, im angrenzenden Wirtschaftswald nur bei 363 Festmetern. Durch Beschattung bleibt das Waldklima im Naturwald erhalten, der Boden bleibt feucht und wird nicht durch Holzerntemaschinen verdichtet. Ein bis zu sechsmal höherer Anteil an vermoderndem Totholz speichert Feuchtigkeit für neu aufkeimende Jungbäume. Pilze, die ja die Bäume mit ernähren, finden gute Lebensbedingungen.

Als Wildnisgebiete gelten große Naturwälder über 1.000 Hektar. Sie sind groß genug, um auf Dauer fast alle waldtypischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten zu erhalten. Auch wenn es mal Störungen wie durch einen Windwurf gibt. In Wildnisgebieten gibt es kontinuierlich alle wichtigen Lebensraumstrukturen in ausreichender Dichte. Selbst bei einer moderaten Klimaerwärmung droht in Deutschland nämlich der Verlust von über 15 % der Tier- und Pflanzenarten. Für die Arten ist im Klimawandel auch wichtig, dass sie wandern können: Schon eine Erwärmung um 1 Grad Celsius bringe eine Verschiebung der Vegetationszonen um 200 Höhenmeter, so der Biologe Harthun. Ein Ausweichen sei dann nur innerhalb von großen Schutzgebieten möglich. Für eine Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel sei zudem eine große genetische Vielfalt der Lebewesen notwendig. Und die sei umso größer, je größer die Population sei und je vielfältiger der Lebensraum. Beides gebe es nur in wirklich großen Naturwäldern, so der NABU. Neue Bäume keimen dort von selbst im Schutz der alten, ohne forstliche Eingriffe. Wenn ein Baum abstirbt, wird die Lücke rasch durch neu heranwachsende geschlossen. So setzen sich die neuen Bäume durch, die am besten an die neuen Klimabedingungen angepasst sind. Naturwälder können deshalb zukünftig wertvolle Vergleichsflächen für Bewirtschaftungsstrategien der Forste sein. Die Ausweisung von Naturwäldern sei noch keine Garantie für das Überleben des Waldes, so Harthun. Denn die aufgelichteten Baumbestände müssten sich zuerst einmal wieder schließen. Umso wichtiger sei, dass man sofort damit beginne. Zwar gebe es auch einige sehr trockene Standorte, auf denen die Buche auch bei Nutzungsverzicht Probleme bekomme. Jedoch könnten die Buchen im weit überwiegenden Teil des Landes auch im Klimawandel überleben. Deutschland hat beim Schutz der Buchenwälder eine besondere Verantwortung, weil ein Viertel des gesamten Verbreitungsgebietes der Buchenwälder in Deutschland liegt.

Die Landesregierung sei nun in der Verantwortung, denn solche großen, zusammenhängenden Wälder könnten nur im landeseigenen Wald geschützt werden. Das Land ist der größte Waldbesitzer in Hessen: 38 % der Wälder sind Staatswald. Im Waldzustandsbericht hat das Umweltministerium am Wochenende vorgestellt, dass der hessische Wald den schlechtesten Vitalitätszustand seit Beginn der Erhebungen in 1984 aufweist. Die Jahresmitteltemperatur ist von 8,3 °C auf 9,3 °C in den letzten dreißig Jahren angestiegen. Es zeigt sich eine Tendenz zu wärmeren und trockeneren Klimabedingungen im Frühjahr und Sommer. Besonders betroffen waren im letzten Jahr Mittel- und Südhessen.

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