"Das Moltke-Projekt": Intensiv und bewegend

Erlensee
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"Allerlei Kultur Erlensee e.V." hatte am Mittwoch, 30. Oktober 2019, zu einer beeindruckenden szenischen Lesung eingeladen.

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Nicht alle Plätze der kleinen Fallbachhalle waren besetzt, doch dies hatte einen guten Grund: parallel fand in Erlensee eine kurzfristig angesetzte Bürgerversammlung zum bevorstehenden Bürgerentscheid statt. Aktive, direkte Demokratie -, das war vor 75 Jahren in Deutschland undenkbar! Ein guter und hoffnungsfroher Rahmen für den Abend. Ein achtköpfiges Ensemble setzte unter der Regie von Michael Becker das Moltke-Projekt - "Wenn die Welt in Stücke fällt" einfühlsam und eindrucksvoll um. In einem symbolisierten Gefängnis lasen die Schauspieler Antonia Görge und Marcel Zauner-Wieczorek aus den "Abschiedsbriefen Gefängnis Tegel".

Das Ehepaar Helmuth James und Freya von Moltke schrieb sich von Herbst 1944 bis zu Moltkes Hinrichtung im Januar 1945 fast täglich Briefe, die von Harald Poelchau, dem Gefängnispfarrer von Berlin-Tegel, unter Lebensgefahr geschmuggelt wurden. Der Briefwechsel, großartige menschliche Dokumente einer liberalen, humanitären Gesinnung, ist vollständig erhalten. Helmuth James von Moltke wurde am 23. Januar 1945 hingerichtet. Freya von Moltke trat ihr Leben lang für Menschlichkeit und Versöhnung ein; sie starb 2010, fast 100 Jahre alt.

Antonia Görge (Freya) und Marcel Zauner-Wieczorek (Helmuth) gelang es von Beginn an, das "Leben zwischen Leben und Tod" und die unerschütterliche Liebe, den starken Mut und Glauben von Freya und Helmuth von Moltke spürbar zu machen. Die Intensität des Spiels der beiden Schauspieler war oft erschütternd und manchmal fast unerträglich bewegend, dabei schön und voller Wärme: man hätte eine Stecknadel fallen hören, so konzentriert und gebannt verfolgte das Erlenseer Publikum die gesamte Aufführung.

Zusätzliche Bild- und Videosequenzen, Toneinspielungen und Textergänzungen der Mitakteure Tim Gottschlag, Martin F. Herndlhofer, Ralf Paul und Monika Reif beleuchteten Themen wie Faschismus, Widerstand, Krieg und seine Folgen und schufen Bezüge zum Hier und Jetzt. Die Gegenüberstellung von zum Teil gegensätzlichen und auch tagesaktuellen Inhalten verdeutlichte, wie leicht es auch heute noch zu einer Katastrophe kommen kann. Der von Wolfgang Prieß geschaffene und zum Teil live eingespielte Soundtrack verstärkte in seiner zurückhaltenden, doch sehr intensiven Komposition noch die emotionale Wirkung der szenischen Lesung.

Zum Ende der Aufführung kam es zu einem intensiven Gesprächs- und Gedankenaustausch zwischen den Akteuren und dem sehr beeindruckten Publikum. Die einhellige Meinung: "Allerlei Kultur" hatte mit dem "Moltke-Projekt" eine der bewegendsten Aufführungen auf den Spielplan gebracht. Mehr Informationen zu allerlei Kultur Erlensee e.V.: www.allerleikultur.de

Fotos: Manfred Semmler, Allerlei Kultur Erlensee e.V.

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