Kein ökologischer „Lockdown“ im Freigerichter Wald

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Die Welt und ganz Deutschland ist wegen der „Corona-Pandemie“ seit Wochen im medizinischen und gesellschaftlichen Ausnahmezustand.

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Und diese Krisensituation, welche im Augenblick die nationale wie internationale Politik bestimmt, wird voraussichtlich noch Wochen oder gar Monate andauern. Darüber sind jedoch zwei andere große, im Hintergrund weiterlaufende Krisen, die beide miteinander verschränkt sind und unsere bisherigen Lebensgrundlagen gefährden, vollkommen aus dem Blick geraten: die Klima- und die Waldkrise.

Wegen der gesundheitspolitisch motivierten Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind auch die im Freigerichter Gemeindewald ursprünglich geplanten Pflanzaktionen rund um den Internationalen Tag des Waldes am 21.März abgesagt worden. Ein Termin zur symbolischen Scheckübergabe einer großzügigen Spende der Kreissparkasse Gelnhausen an die Ortsgruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in Freigericht für deren Pflanzaktion „Wir wollen Wald“ musste deshalb leider auch entfallen.

Anlässlich des „Internationalen Tag des Waldes“ am 21. März hatte die Kreissparkasse Gelnhausen 5.000 Euro an die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Ortsverband Freigericht gespendet. Das Geld stammte aus einer Aktion vom vergangenen Weltspartag. „Nachhaltigkeit heißt für uns Verantwortung zu übernehmen“ lautete das Motto des Weltspartags 2019 bei der Kreissparkasse Gelnhausen. „Klimaschutz betrifft uns alle. Mit der Anpflanzung von Bäumen in unserem Geschäftsgebiet kommt das Geld unmittelbar der regionalen Umwelt zugute“, erläuterte Horst Wanik, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Gelnhausen, die Motivation seines Hauses zu dieser Spende.

Trotz der gesellschaftlichen Krisensituation, die auch weite Teile unserer Volkswirtschaft zum Stillstand gezwungen hat, ist jedoch im kommunalen Forstbetrieb unter Leitung des Freigerichter Försters Markus Betz mit Unterstützung der beiden Gemeindeforstwirte Bernd Biehl und Johannes Meier quasi ein „forstlicher Notdienst“ weiter aufrecht erhalten worden. Dadurch konnten die mit der SDW-Spende beabsichtigten Pflanzungen jetzt zumindest eingeleitet werden. Die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Ortsverband Freigericht, Frau Marion Lofink freute sich darüber sehr und sagte: „Wir sind absolut begeistert, dass mit den jungen Bäumchen auch ein Zeichen der Hoffnung und für eine nachhaltige Zukunft in den Freigerichter Waldboden gesetzt wird.“

„So konnten trotz des „Shutdowns“ weiter Teile des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in Deutschland und Hessen bereits auf etlichen Waldflächen viele junge Bäumchen des angestrebten klimastabilen Zukunftswaldes gepflanzt werden,“ berichtete der Freigerichter Förster Markus Betz. Zu diesen Baumarten eines künftigen klimastabileren Waldes, zählen u. a. die Ahornarten mit Berg-, Spitz- und Feldahorn oder Wildkirschen und Esskastanien. Weiter werden heimische Eichenarten, Hainbuchen oder an passenden Stellen auch Erlen gepflanzt. Das Spektrum der Laubbaumarten wird darüber hinaus durch die Pflanzung von Nussbäumen (Schwarz- und Walnuss) oder auch die mehr Wärme ertragende Baumhasel weiter ergänzt. Neben Laubbäumen werden auch klimatolerante Nadelholzarten gepflanzt, wie die inzwischen aus dem westlichen Nordamerika stammende und gut eingebürgerte Douglasie oder die heimische Weißtanne, die als sogenannte Trockentanne bereits den Hitzesommer 2003 gut gemeistert hat. Daneben spielt auf allen Flächen im Freigerichter Wald auch die Naturverjünung von sogenannten Pionierbaumarten eine große Rolle. Zu diesen Pionierbäumen zählen u. a. Birken, Aspen, Vogelbeeren und Weiden. Während die Birke als gutes Energieholz und in Ausnahmefällen auch noch als Schneideholz neben ihrem ökologischen Potenzial zusätzlich einen ökonomischen Wert besitzt, spielt bei den anderen drei genannten Baumarten der waldökologische Aspekt einer hohen Biodiversität die entscheidende Rolle. Bei den Nadelholzarten hat im Freigerichter Gemeindewald inzwischen die Waldkiefer, die Funktion als sich selbst verjüngende Pionierbaumart, so wie es etwa die Birke bei den Laubholzarten ist, übernommen.

Nach den Verwüstungen und Übernutzungen des Freigerichter Waldes während des Mittelalters bis in die Neuzeit am Ende des 18. Jahrhunderts wurden ab Anfang des 19. Jahrhunderts Kiefern auf großer Fläche im Freigerichter Wald ausgesät und gepflanzt. Deshalb hat auch in den letzten beiden Jahrhunderten diese Nadelbaumart weite Teile des Gemeindewaldes beherrscht. Daran erinnern heute noch viele Bezeichnungen von Freigerichter Waldorten, wie etwa auch der Name des SDW-Geländes im Somborner Wald, die „Dicke Tanne“! „Denn Tanne oder „Danne“, wie man bei uns in früheren Jahrhunderten zu sagen pflegte, stand nicht etwa für die viel seltener vorkommende Weißtanne, sondern war der Ausdruck für die Gemeine Kiefer oder wissenschaftlich ausgedrückt Pinus sylvestris“, wie Förster Markus Betz erläuterte.

Zum Schluss dieser gelungenen SDW-Pflanzaktion „Wir wollen Wald“, die trotz der momentan schwierigen Situation vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie in die Tat umgesetzt wurde, konnte auch Bürgermeister Dr. Albrecht Eitz (SPD) im Namen aller Beteiligten und besonders der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wie auch der Kreissparkasse Gelnhausen als Spender dieser Baumpflanzungen ein positives Fazit ziehen: „Trotz des durch Covid-19 erzwungenen allgemeinen gesellschaftlichen Stillstandes und selbst beim Shutdown weiter Teile unserer Volkswirtschaft wurden in die Zukunft gerichtete Arbeiten im Gemeindewald Freigericht erfolgreich zu Ende geführt. Waldarbeiten von denen alle Bürger und unsere Gesellschaft profitieren!“

Foto (von links): Die SDW-Vorsitzende Marion Lofink, den Gemeindeforstwirt Bernd Biehl, Förster Markus Betz und Gemeindeforstwirt Johannes Meier. Das Bild entstand auf einer Schadensfläche im Freigerichter Wald, die durch wiederholten Borkenkäferbefall in der Folge von zwei extremen Tockenjahren und durch Windwurf kurz aufeinander folgender Stürme entstanden ist. In den Schutzspiralen stehen gepflanzten Bäumchen des neuen klimaplastischen Waldes.

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