Schnelle Hilfe in schwierigen Zeiten

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Die Hilfsprojekte des Höchster Vereins „Wir helfen in Afrika“ in Kenia ruhen derzeit fast komplett.

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Die Pandemie hält auch das ostafrikanische Land fest im Griff. Schulen sind geschlossen, das öffentliche Leben ist nahezu zum Erliegen gekommen. Der Verein hat daher seine Arbeit kurzfristig umgestellt. Das Augenmerk liegt derzeit darauf, die Menschen mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen.

Zwar gibt es derzeit nur sehr wenige gemeldete Infektionen mit Sars-CoV-2. In Kenia werden aber auch kaum Menschen getestet, erklärt Peter Musomba, Vereinsmitglied und Projektkoordinator vor Ort im Kwale Distrikt südlich von Mombasa. Kwale ist eine von sechs der 47 kenianischen Distrikte, in denen bereits Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Dort liegen die Projektgebiete des Vereins: Mamba Village, Ukunda und Lunga Lunga. Vergangene Woche waren 126 Corona-Fälle im Land bekannt. „Die Gesundheitsexperten hier rechnen bis Ende der Woche mit 1000, Ende April schon mehr als 10.000 Fällen“, so Musomba. Daher hat die kenianische Regierung ähnlich strenge Ausgehbeschränkungen erlassen wie hierzulande: Die Schulen sind geschlossen, viele Geschäfte, Restaurants und Hotels dürfen nicht mehr öffnen. Die gesamte Küstenregion wirkt wie ausgestorben. Die Straßen sind leergefegt, Strände und Hotels verwaist.

Die Situation an den Schulen

Die kenianische Gesellschaft kennt keine Kurzarbeit, kein Arbeitslosengeld, keine Sozialversicherung. Es gilt ganz einfach: wer nicht arbeitet, erhält keinen Lohn. Das gilt auch für die Lehrer an den vom Verein unterstützten Schulen. Für die beiden Grundschulen in Mamba Village hat sich der Vorstand dazu entschieden, die Gehälter der Lehrer weiter zu zahlen, so ist zumindest ihnen und ihren Familien vorübergehend geholfen.

Soforthilfe für mehr als 600 Familien

Viele Familien hingegen erhalten derzeit gar keinen Lohn. Daher erhalten 50 Familien in Ukunda, die dem Verein nahe stehen, ihn immer wieder unterstützt haben, Lebensmittelpakete im Wert von je rund 40 Euro. Darin enthalten sind Weizen- und Maismehl, Speiseöl, Reis, Liter Milch, Tee, Bohnen, Zucker, Seife, Salz, Streichhölzer, Brot, Zahncreme und Margarine. Auch 30 Patenfamilien in Mamba Village werden jeweils ein solches Paket bekommen, sie sind gesponsert von den Paten in Deutschland. Vereinsmitglied Joseph Mwangi hat am vergangenen Samstag die Pakete in Ukunda verteilt, am Dienstag vor Ostern erhielten (erhalten) sie die Familien in Mamba Village.

Alle Familien der Grundschüler in Mamba Village – insgesamt 550 Haushalte – erhalten Care-Pakete im Wert von je etwa zehn Euro. „Das ist unserer Ansicht nach überlebenswichtig“, sagt Vorsitzender Helmut Günther. „Denn die Kinder sind zuhause, das warme Mittagessen in der Schule fällt aus. Die Kinder erwarten von ihren Müttern, dass sie zuhause kochen.“ Doch ohne Geld keine Lebensmittel. Denn ruht die Arbeit, fehlt das Geld. „Deshalb sehen wir die Pakete als so wichtig an. Sie werden direkt über einen Händler in Mamba Village gepackt und verteilt.“ In diesen Hilfspäckchen stecken Zucker, Bohnen, Reis, Weizen- und Maismehl, Seife, Waschpulver, Tee, Salz und Speiseöl. „Am Palmsonntag haben die 550 Familien diese so wichtige Hilfe erhalten“, so Günther. Die Organisation vor Ort übernahm Peter Musomba und der Patenbeauftragte des Vereins, John Ndimiro. „Wir werden so gut es uns möglich ist, auch über den April hinaus unsere Freunde in Kenia unterstützen, denen nun so plötzlich ein Großteil ihrer Lebensgrundlage – die geregelte Arbeit – weggebrochen ist“, sagt Günther. Ob der Verein eine solche Verteilung in zwei oder drei Wochen wiederholen kann, entscheidet vor allem der Spendenkontostand.

Die Projektarbeit ruht – bis auf wenige Ausnahmen

Die strikte Einschränkung des öffentlichen Lebens macht auch vor den regulären Projekten nicht Halt. Die Bekämpfung der Jiggers-Parasiten ruht. Die vielen Tausend Brillen aus Deutschland für fehlsichtige Menschen im gesamten Kwale District werden derzeit nicht von Ort zu Ort unter dem Mangobaum verteilt.

28 Geburten in der Krankenstation in Lunga Lunga

Welches Projekt derzeit aber eine Schlüsselroolle in der Region einnimmt, ist die Krankenstation in Lunga Lunga, die vom Verein gebaut und inzwischen dauerhaft finanziell unterstützt wird. Die Schwestern arbeiten unvermindert weiter. Denn viele ihrer Patienten sind chronisch krank. So behandelten sie im März 1214 Menschen. 28 Babys erblickten im Geburtshaus das Licht der Welt, die Schwestern impften 161 Säuglinge. 114 Epilepsie-Patienten waren in Behandlung, ebenso 60 HIV-Infizierte. „Wir beteiligen uns an den Behandlungskosten aller Patienten und helfen dabei, Gebäude und Ausrüstung auf dem bestmöglichen Stand zu halten“, erklärt Helmut Günther. Allein an anteiligen Kosten für Medikamente und Behandlungen übersendet der Verein monatlich 2.500 Euro an die Schwestern in Lunga Lunga. Schwester Magdaline Mutindi und ihr Team sind ein Hoffnungsschimmer für die Menschen in der gesamten Region – und darüber hinaus. Denn viele Patienten kommen auch über die grüne Grenze von Tansania in die Krankenstation und ins Geburtshaus. „Unsere große Anstrengung gilt nun, den Schwestern ihre Arbeit so gut es geht zu erleichtern und ihren wichtigen Dienst aufrecht zu erhalten“, so der Vereinsvorsitzende. Auch will „Wir helfen in Afrika“ seinen Freunden in Mamba und in Ukunda zeigen, dass der Verein in diesen weltweit schwierigen Zeiten zu ihnen steht und sie alle nicht vergisst.

Hoffnung und Zuversicht

Helmut Günther ist es ein wichtiges Anliegen zu betonen, dass die Arbeit des Vereins weiter geht. Sie läuft derzeit unter gänzlich veränderten Vorzeichen. Was aber bleibt ist die Motivation und die Liebe der Mitglieder zu den Menschen in und um Mamba Village. Die Erinnerung an den jüngsten Projektbesuch vor wenigen Wochen – und doch gefühlt in einer ganz anderen Zeit - weckt die Hoffnung, die vielen Kinder bald wieder in Gemeinschaft in den vom Verein unterstützten Schulen besuchen zu können.

Wer auch in diesen schwierigen Zeiten den Höchster Verein utnerstützen will kann das mit einer Spende auf das Konto mit der Iban DE59 5066 1639 0007 3300 73. Informationen zu allen Projekten gibt es im Internet unter www.wirhelfeninafrika.de.

Foto: Je ein solches Essenspaket geht an rund 550 Familien in Mamba Village
Foto: Die Ausgabe der 40-Euro-Essenspakete in Ukunda läuft
Foto: Das Leben steht still: Ein geschlossener Stand am Straßenmarkt in Ukunda
Foto: Patenbeauftragter John Ndimiro (links) im kleinen Laden in Mamba Village, in dem die 10-Euro-Carepakete gekauft und verpackt werden.

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