In Meerholz und Umgebung 15 Jungstörche beringt

Gelnhausen
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Die Corona-Krise hat in Gelnhausen nicht nur die Wirtschaft zum Erliegen gebracht, sondern auch vielen Vereinsaktivitäten den Wind aus den Segeln genommen, so auch bei der Natur- und Vogelschutzgruppe Meerholz-Hailer, die sich seit vielen Jahren um nachhaltigen Natur- und Landschaftsschutz bemüht und gerade im Frühjahr mit diversen Pflegemaßnahmen viel zum Artenerhalt beiträgt. Deshalb hat man es mit Sorge gesehen, dass so viele Pflegearbeiten wegen Corona ausgesetzt werden mussten. 

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Umso glücklicher war man, dass die Lockerungen des Kontaktverbotes mit der Brutzeit der Weißstörche einher ging, sodass sich kurz vor Pfingsten eine Gruppe Naturschützer in die Meerholzer Kinzigaue aufmachen konnte, um auf den dort stehenden Horsten die Jungstörche zu beringen. Angeführt wurde die Gruppe einmal mehr vom Freigerichter Hobbyornithologen Werner Peter, der als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte Helgoland es sich zur Aufgabe gemacht hat, im Altkreis Gelnhausen jeweils um die 50 Störche zu beringen, damit deren Zugverhalten von den drei großen in Deutschland tätigen Vogelwarten überwacht werden kann. Die Ringnummern können leicht mit einem Spektiv abgelesen werden.

Bis zu 2 Tonnen schwer
Für jung und Alt sind Storchenberingsaktionen eine gute Gelegenheit, mehr über diese interessanten Zugvögel zu erfahren und mal aus der Nähe in ein Nest blicken zu können, die meist in luftiger Höhe angebracht sind, bis zu Tonnen schwer werden können und so wie in Meerholz eine Drehleiter nötig ist, um Einblick auf ihr Innenleben nehmen zu können Zwar kommt es vor, dass Störche auch schon mal in einem Felsvorsprung oder auf einem Baum brüten, wo die Jungtiere dann leicht Opfer von Nesträubern wie dem Waschbären oder dem Marder werden können. Wesentlich beliebter sind freistehende Masten. Freude und Leid schwingen bei Beringungsaktionen immer mit, so der Storchenvater Werner Peter eingangs der Beringungsaktion. Es lässt sich nie genau sagen, was man findet, wenn man zu den 10 m hoch gelegenen Horsten hochsteigt und muss auf alles gefasst sein. Trotzdem sei es immer wieder überwältigend, wenn sich einem junges Leben entgegen reckt.

Mehr Störche als sonst da...
Ein Storchengelege besteht aus 2 bis 8 Eiern, wobei im Regelfall Regel 3 bis 4 Eier gelegt werden. Die Brutzeit beträgt rund 30 Tage. Stress und Nahrungsmittelknappheit können das Brutverhalten so stark beeinflussen, dass Nester auch mal leer bleiben und man sich um die Population sorgen muss. In diesem Jahr ist genug Nahrung da und damit mehr Störche, als noch vor einem Jahr und normalerweise auch beringt werden. Und so hat man es denn auch in Meerholz mit 15 Jungstörchen belassen, die letzte Woche mit dem sog. ELSA-Ring markiert wurden, einem zweiteiligen Kunststoffgebilde, das fest ineinander gedrückt und dadurch miteinander verbunden wird. Die Ringe sind mit einem aus Zahlen und Ziffern bestehenden Code versehen, über den das Tier später identifiziert werden kann. Außerdem findet man darauf eine Mailadresse, an die man sich im Falle eines Fundtieres wenden kann.

Den Totstellreflex ausnutzen
Seit rund 10 Jahren rückt die NVSG einmal im Frühsommer aus, um die heimischen Jungstörche zu beringen. Dabei gilt es den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Sind die Vögel noch zu klein, rutschen die Plastikmarkierungen von den Beinchen. Paar Wochen später besteht die Gefahr, dass die Jungstörche infolge ihres natürlich angeborenen Fluchtreflexes aus dem Horst springen und zu Tode stürzen. Deshalb achtet man bei der NVSG darauf, dass die Jungtiere nicht älter als 5 Wochen sind. In diesem Alter funktioniert bei Jungstörchen eine Art Totstellreflex, sobald sich dem Gelege ein Fremder nähert. Dank der Akinese ließen sich die Jungvögel in wenigen Augenblicken problemlos beringen. Und selbst die Storcheneltern schienen davon ziemlich unbeeindruckt. Sie verließen bei der Annäherung zwar schlagartig den Horst, drehten am Himmel in Sichtweite ihres Nachwuchses ihre Runden, kehrten aber zurück, sobald sich die Menschen vom Gelege entfernt hatten.

1899 als Standardmethode generiert
In Deutschland hat die Storchenberingung seit 1899 Tradition als eine Däne namens Mortensen erstmals Vögel mit einem nummerierten Metallring versah, um ihr Zugverhalten zu studieren. Die Methode erwies sich als erfolgreich, sodass sich daraus eine Standartmethode entwickelte, dank der das Zugverhalten der Weißstörche heute weitgehend erforscht ist. Durch Beobachtungen weiß man heute, dass sich in den Kinzigauen Störche aus Deutschland, Holland, Frankreich und der Schweiz zum Brüten niedergelassen haben und immer wieder kommen. Wobei die Wahl des Brutplatzes weit wichtiger zu sein scheint, als die Wahl der Partnerin, die gerne mal gewechselt wird, während man bei der Wahl des Nistplatzes auf Bewährtes setzt und sich dann auch schon mal um das Vorrecht der Besitzeinnahme prügelt. Nestkämpfe können so heftig sein, dass die Vögel Schaden nehmen oder so gestresst sind, dass die Brut erfolglos bleibt.

Auf der Westroute gunterwegs
Die hier brütenden Störche gehören zu den sog. Westrouten-Vögeln, also zu den Tieren, die für ihr Winterquartier über Gibraltar nach Nordafrika ziehen, wobei sich viele Vögel inzwischen mit der halben Distanz zufrieden geben, man in Meerholz geborenen Störche auch schon in Frankreich und Spanien hat überwintern sehen. So oder so eine lange Reise, der jetzt erst einmal paar spannende Wochen Brut- und Setzzeit vorangehen, die bis Mitte August andauern wird. Zeit, in der die Tiere nicht gestört werden wollen. Gegen das Beobachten aus der Ferne spricht nichts, jedoch sollten Menschen es unterlassen, sich den Horsten zu nähern. Man darf gespannt sein, welche der 15 beringten Jungtiere im nächsten Jahr wiederkommen, um ihrerseits Nachwuchs zu zeugen. In der Regel schaffen das 20 Prozent der Tiere.

Text: Bea Furrer-Heeg
Fotos: Günther Appich, Reinhold Heeg

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