Tontic hatte Betroffenheit und Hoffnung im „lyrischen Gepäck“

Gelnhausen
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Die Aufarbeitung der Ursachen und Folgen des Bosnien-Krieges in den 90er Jahren mit lyrischen Mitteln stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Ortsgruppe Gelnhausen von Amnesty International (AI) mit dem in Bosnien und Herzegowina geborenen und heute in Serbien lebenden Lyriker und Übersetzer deutscher Literatur, Stevan Tontic, in der ehemaligen Synagoge in Gelnhausen.

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Die wegen der Corona-Pandemie reduzierten 34 Plätze waren alle besetzt. Tontic gelang es mit seiner lyrischen Lesung sichtlich, Betroffenheit und Hoffnung im Publikum zu erzeugen. Besonderen Glanz verlieh dem Abend der in Hamburg lebende Facharzt, Liedermacher und Komponist Dr. Adnan Pintul mit vier zur Gitarre eingesungenen Liedern. Nach einer Begrüßung der Teilnehmer durch Brigitte Gottwald von AI übernahm der Gründauer Autor Peter Völker die Moderation des Abends.

In drei Sequenzen las Tontic aus seinem umfangreichen lyrischen Werk. Seine Gedichte, die den Schrecken des Krieges im Alltag der betroffenen Menschen beleuchten, offenbaren einen tiefen Humanismus und werden zu Mahnmal gegen Hass und Unmenschlichkeit des Krieges, betonte Völker in seiner Einleitung. Tontic las vorwiegend aus seinen Hauptwerken „Handschrift aus Sarajewo“ und „Im Auftrag des Wortes“. In einem Interview vor dem Publikum erklärte Tontic zu der Frage, ob er an die Macht des Wortes gegen Hass und Krieg glaube und welche Verantwortung die Schriftstellerinnen und Schriftsteller dabei tragen, dass jeder Mensch, insbesondere ein Dichter, für seine Worte verantwortlich ist. „Das dichterische Wort muss glaubwürdig und nicht lügnerisch sein. Ein ernst zu nehmender Schriftsteller darf das Leben und seine Wahrheit nicht verfälschen. Ich bin während des Krieges und des Exils zu dieser Erkenntnis gelangt und mein Glaube an das wahrhaftige dichterische Wort, im Unterschied zur Sprache der Politik und Kriegspropaganda, hat sich vergrößert und verfestigt“. Eine Diskussion mit dem Publikum rundete den inhaltlichen Teil des Abends ab.

Kritisiert wurde von Tontic auch, dass die lange Zeit gültige serbo-kroatische Sprache von den neuen Nationalstaaten auf dem Balkan verworfen wurde. Die zuvor fast einheitliche Sprache der südslawischen Völker des Balkans sei dadurch künstlich nationalisiert worden. „Man spricht heute unter anderem serbisch und kroatisch, obwohl beide Sprachen fast deckungsgleich sind“, sagte der Dichter. Pintul, der die bosnische und australische Staatsbürgerschaf besitzt, trug zum Thema Menschenrechte passende Chansons vor, die er zu Gedichten des Hamburger Lyrikers und Philosophen Dieter Brumm komponiert hat. Er betonte, dass er sich als in Deutschland lebender Mensch aus Mostar der deutschen Sprache verschrieben habe und sie bewusst und aus Überzeugung als Ausdrucksform seiner Lieder einsetze. Ein bosnisches Lied widmete er an diesem Abend Tontic. In seiner Kindheit war er Solist in einem bekannten jugoslawischen Ensemble: dem Kinderchor "Mostarske Kiše", der häufig in Rundfunk und TV auftrat. Als er zehn war, erschien seine erste Platte; die Kinderlieder wurden zum Hit.

Tontic hat dreizehn Lyrikbände, einen Roman, zwei essayistische Bücher sowie ein Reiseprosa-Buch veröffentlicht. Mehrere Jahre (1993 – 2001) verbrachte er im deutschen Exil, überwiegend in Berlin. Seine Lyrik wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, er erhielt mehrere Literaturpreise in europäischen Ländern.

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