Gelnhausen: Corona-Impfzentrum im ehemaligen Kaufhaus Joh geplant

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Die Bundesregierung geht derzeit davon aus, dass ab etwa Mitte Dezember 2020 ein erster Impfstoff gegen das Corona-Virus zur Verfügung steht. In Hessen sollen dann täglich circa 1.000 Menschen geimpft werden. Im Main-Kinzig-Kreis sind derzeit Impfzentren in Gelnhausen und Hanau vorgesehen. In der Barbarossastadt könnte dafür das ehemalige Kaufhaus Joh genutzt werden.

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Der Gelnhäuser Bürgermeister Daniel Christian Glöckner (FDP) bestätigte am Montagabend das Interesse des Kreises. „Ich wurde gefragt und habe natürlich sofort meine Unterstützung zugesagt“, befindet sich des gesamte Areal weiterhin im Besitz der städtischen Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) und könnte daher ohne weitere Rücksprachen zur Verfügung gestellt werden. Am Dienstag wird eine Delegation des Gefahrenabwehrzentrums das Gebäude inspizieren. Da täglich mit einer größeren Anzahl an Personen zu rechnen ist und die Impfungen vermutliche mehrere Monate dauern werden, müssen zunächst sicherheitsrelevante Fragen geklärt werden. Für die erforderliche Logistik bietet sich das Gebäude allerdings an, beispielsweise wären genug Parkplätze vorhanden. Wie Landrat Thorsten Stolz (SPD) am Montagabend gegenüber der Hessenschau erklärte, wurden bereits alle Ärztinnen und Ärzte im Main-Kinzig-Kreis, die sich im Ruhestand befinden oder in Teilzeit arbeiten, angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Sie könnten dann in den geplanten Impfzentren eingesetzt werden.

Sollte das ehemalige Joh-Gebäude in Gelnhausen genutzt werden, verschieben sich vermutlich erneut die Pläne für das seit über sieben Jahren ungenutzte Areal, für das inzwischen der Kreissparkasse Gelnhausen ein Vorkaufsrecht eingeräumt wurde. Der Abriss des ehemaligen Kaufhaus-Gebäudes sollte ursprünglich in diesem Herbst beginnen, der Start für den Neubau, unter anderem mit  Flächen für den Einzelhandel und Teile der Kreisverwaltung, war für des erste Quartal 2021 avisiert worden (wir berichteten). Dieser Zeitplan ist aber längst hinfällig, auch die Neueröffnung im Jahr 2023 dürfte nicht mehr zu halten sein. Und sollte jetzt tatsächlich ein Impfzentrum im ehemaligen Joh-Gebäude aufgebaut werden, könnte es zu weiteren Verzögerungen kommen.

Unterdessen wird sich in ganz Hessen mit Hochdruck auf die Impfung von circa vier Millionen Menschen vorbereitet. „Nach vorherrschender Expertenmeinung ist eine Impfquote von etwa 60 Prozent notwendig, um der Pandemie wirkungsvoll begegnen zu können. Wir bereiten uns bestmöglich auf den Zeitpunkt vor, zu dem ein Impfstoff zugelassen wird, um dann die Mammutaufgabe dieser riesigen logistischen Herausforderung effizient zu stemmen. Sobald der Bund die Impfstoffe geliefert hat, werden die Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich möglichst wohnortnah impfen zu lassen. Je mehr Menschen mitmachen, desto erfolgreicher und schneller können wir die Pandemie bezwingen. Die Bevölkerung in unserem Land auch mit einem Impfstoff vor dem Virus zu schützen, ist eine Aufgabe von nationaler Bedeutung““, erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Montag.

Der Krisenstab der Hessischen Landesregierung hat die Kreise und kreisfreien Städte mit ihren Gesundheitsämtern und unteren Katastrophenschutzbehörden beauftragt, landesweit Impfzentren einzurichten. Mindestens ein Anlaufpunkt soll pro Landkreis und kreisfreier Stadt in Hessen mit Unterstützung der hessischen Hilfsorganisationen, des Technischen Hilfswerks und der Bundeswehr zur Verfügung gestellt werden.

„Die Impfung ist ein freiwilliges Angebot"

„Es werden nicht sofort Impfdosen für alle zur Verfügung stehen können. Deshalb richten wir uns nach der Nationalen Impfstrategie, indem wir Impfzentren einrichten und dann gezielt Personengruppen impfen, Schritt für Schritt“, betonte Sozial- und Integrationsminister Kai Klose. „Zu den vorrangig zu impfenden Gruppen gehören Menschen, die aufgrund ihres Alters oder vorbelasteten Gesundheitszustands ein stark erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf aufweisen, dann beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von stationären bzw. ambulanten Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und der Altenpflege“, fasste Klose zusammen. Solange nicht ausreichend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung verfügbar ist, werden die Impfungen auf Basis der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, des Deutschen Ethikrats sowie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina priorisiert an die zuvor von der Bundesregierung bestimmten Zielgruppen ausgegeben.

Klose betonte weiter: „Die Impfung ist ein freiwilliges Angebot, das seine Wirkung dann voll entfalten kann, wenn möglichst viele Menschen das Angebot annehmen. Je mehr Bürgerinnen und Bürger gegen die Ansteckung mit dem Corona-Virus geimpft sind, desto weniger Menschen werden an dieser tückischen Infektionskrankheit sterben. Für die Frauen und Männer im Gesundheitssektor bedeutet die Umsetzung der nationalen Impfstrategie einen weiteren großen Kraftakt über einen langen Zeitraum. Zur Unterstützung dieser wichtigen Aufgabe und Koordination aller Fragen rund um die Impfung gegen Corona haben wir eine eigene Task Force im Krisenstab der Landesregierung eingesetzt, die allen Partnern zur Verfügung steht.“ 

Ca. 1.000 Impfungen pro Tag

„Die landesweiten Impfzentren werden Anlaufpunkte für mehrere Millionen Hessinnen und Hessen sein. Damit die größte Impfaktion in der Geschichte unseres Landes gelingen kann, sind umfangreiche logistische und organisatorische Vorbereitungen notwendig, mit denen wir heute in die konkrete Umsetzung gehen. Die Landkreise und kreisfreien Städte in Hessen werden beim Aufbau der Impfzentren von den ehrenamtlichen Kräften der Katastrophenschutzeinheiten unterstützt. Wir sind den Frauen und Männern der Hilfsorganisationen für ihre große Einsatzbereitschaft im Kampf gegen Corona sehr dankbar“, sagte der Hessische Innenminister Peter Beuth.

Um die Impfungen effizient durchführen zu können, soll an sieben Tagen in der Woche geimpft werden. In den Zentren sollen jeweils Impfungen in einer Größenordnung von ca. 1.000 pro Tag durchgeführt werden. „Damit alles strukturiert und geordnet abläuft, werden die Menschen zu den Impfungen eingeladen und über den genauen Ablauf vor Ort informiert“, gab Sozial- und Integrationsminister Klose an. Die umfassende Information, Begleitung und medizinische Betreuung rund um die Impfung seien von größter Bedeutung. „Wir möchten, dass alle, die sich impfen lassen wissen, dass sie bestmöglich begleitet werden“, unterstrich er.

Terminkoordinierung und Dokumentation durch eine IT-Lösung

Medizinisches Fachpersonal solle über externe Dienstleister (z.B. Deutsches Rotes Kreuz) und über die Kassenärztliche Vereinigung oder die Landesärztekammer gewonnen werden. Die Bereitschaft der Ärzte ist zentral für das Gelingen dieser großangelegten Impfaktion, denn der eigentlichen Impfung ist immer ein Impfgespräch vorgeschaltet. Die KV Hessen ist zuversichtlich, was die Rekrutierung des Personals anbelangt. Wie bei der ersten Welle der Corona-Pandemie sollen bspw. auch Ärztinnen und Ärzte gewonnen werden, die bereits im Ruhestand sind. Das Land trägt dafür Sorge, dass der Impfstoff in den Zentren zur Verfügung steht, beschafft zudem Material wie Spritzen, Kanülen, Tupfer und Pflaster und die Schutzausrüstung für das medizinische Personal. Die Terminkoordinierung und die Dokumentation der Impfungen vor Ort wird durch eine IT-Lösung gewährleistet.

Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik bestand die Notwendigkeit, so viele Menschen vor einer Infektionskrankheit zu schützen, wie bei der Bedrohung durch das Corona-Virus. Die Bundesregierung hat daher eine „Nationale Impfstrategie COVID-19“ beschlossen und wird die entsprechenden Impfstoffe nach ihrer Zulassung durch das Paul-Ehrlich-Institut zur Verfügung stellen. Den Bundesländern obliegt es, dafür Sorge zu tragen, dass der schützende Impfstoff dort ankommt, wo er benötigt wird: vor Ort in den Kommunen.

Krisenstabs aus mehr als 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eingerichtet

Die Hessische Landesregierung hat zur Organisation der aufwändigen Logistik und zur Unterstützung der Landkreise und kreisfreien Städte in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) und den Kommunalen Spitzenverbänden die Task Force Impfkoordination (TFI) des Krisenstabs eingerichtet. Die Einheit besteht aus mehr als 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landesverwaltung sowie weiteren Experten aus dem Gesundheitssektor und dem Katastrophenschutz.  Dem Aufbau der regionalen Impfzentren sind zahlreiche Gespräche der Task Force mit dem für die nationale Impfstrategie zuständigen Bund, den Landkreisen, Städten und Gemeinden sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und der Landesärztekammer vorausgegangen.

Sobald Impfstoffe gegen das Corona-Virus verfügbar sind, sollen diese – gemäß der Priorisierung des Bundes – schnellstmöglich auch in Hessen zum Einsatz kommen, um die Bürgerinnen und Bürger vor einer Infektion zu schützen. Die TFI hat den Gesundheitsämtern und unteren Katastrophenschutzbehörden der Kommunen darüber hinaus umfangreiche Informationen und Hinweise zum Aufbau und Betrieb der kommunalen Anlaufstellen übermittelt. Sie werden nun in enger Abstimmung mit der Task Force landesweit aufgebaut.

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