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In weitem Abstand dazu markierten rot bezogene Bänke den Platz für die Zuschauerinnen und Zuschauer von „from a distance“. Diese Kunstperformance zu den Konsequenzen von Gewalt und Flucht fand am 19. September auf den Mainwiesen in Maintal-Dörnigheim statt. Um eines gleich vorwegzunehmen: Diese Veranstaltung war zutiefst verstörend und zugleich bewegend – im Wortsinn. Denn das Publikum wurde in der Tat in Bewegung gesetzt. Zu Beginn kam über die Wiese ein Mann gelaufen, der nur mit einer kurzen Hose aus roher Wolle bekleidet war. Neben ihm lief ein zweiter Mann, beide gingen zu dem Käfig. Der halbnackte Mann trat in den Käfig, der andere verschloss die Tür und mischte sich unter das Publikum.

Der Mann im Käfig fasste die Metallstreben an, betrachtete die Menschen, sah in die Weite. Dann drehte er sich im Käfig um, sah zu den anderen Seiten hinaus. Nach einiger Zeit drehte er sich den Menschen wieder zu und schrie ein erstes Mal, dann ein weiteres Mal. Eine Dame aus dem Publikum wurde unruhig, nahm ihre Jacke und stand auf. „Ich muss ihm wenigstens eine Jacke geben. Oder ich lass ihn gleich da raus“, sagte sie zu ihrer Sitznachbarin. Sie ging zu dem Käfig und öffnete diesen. Der Mann trat heraus. Es war kühl, der Mann fror sichtlich. Die Dame ging zur Kiste, öffnete diese und schloss sie wieder. Dann warf sie ihre Jacke zurück an ihren Platz und öffnete die Kiste erneut, au der sie einen bestickten Kaftan aus weißer Wolle herausnahm. Diesen gab sie dem Mann. Dann hob sie einen großen Krug mit Wasser heraus sowie einen Gegenstand, der in ein weißes Tuch gewickelt war.

Weitere Menschen aus dem Publikum kamen dazu. Gemeinsam wurde eine große weiße Decke aus gefilzter Wolle herausgehoben und ausgebreitet. Dem Mann wurde bedeutet, er möge sich darauf setzen. Dort saß er dann, allein. Allerdings gesellten sich nach kurzer Zeit doch weitere Personen zu ihm. Eine öffnete das weiße Tuch, ein großes Brot kam zum Vorschein.Der Mann brach sich von diesem Brot etwas ab und aß, während ihm die anderen Personen – ganz coronakonform – aus Distanz beim Essen zusahen. Nach einer Weile nahmen jedoch auch sie von dem Brot. Weitere Menschen kamen auf die Decke, setzten sich dazu. Der Mann bedankte sich bei allen, die etwas für ihn getan hatten. Dann vertraute er den Menschen seinen Schlaf an und legte sich auf die Decke zur Ruhe.

Die Menschen standen leise auf, deckten den Mann zu und schoben die Decke um ihn herum zusammen, bis es aussah wie ein Nest. Ein weiterer Mann kam mit einer Darbuka über die Wiese gelaufen und sprach in Richtung Publikum laut Worte übers Alleinsein. Dann sang er ein arabisches Lied. Schließlich sprach er ein weiteres Mal die Worte und endete mit „wir sind Menschenkinder“. Das Schlussbild war der geöffnete Käfig, die geöffnete Kiste und ein Mensch, schlafend geborgen in warmer Wolle. Damit endete „from a distance“, die Kunstperformance zu den Konsequenzen von Gewalt und Flucht. Rund 50 Zuschauerinnen und Zuschauer hatten sich für diese ungewöhnliche Veranstaltung auf der Wiese am Main in Maintal-Dörnigheim eingefunden, darüber hinaus blieben zahlreiche Fahrradfahrende und Spaziergänger stehen, um das Geschehen zu beobachten.

Was mit dem Mann im Käfig und den Gegenständen in der Kiste geschehen könnte, hatte die Initiatorin der Performance, Ulrike Streck-Plath, auf Postkarten skizziert, die als Information auslagen. „Lieber hätte ich gar keine Hinweise gegeben“, so die Maintaler Künstlerin. „Doch nach einigen Gesprächen vorab hatte ich mich anders entschlossen.“ Auf den Schlussapplaus folgte ein reger Austausch. Publikum und Darsteller sprachen über den Verlauf und das, was sie empfunden hatten. Besonders wurde darüber diskutiert, ob mehr Zeit hätte vergehen müssen, bis der Mann befreit wurde – und was das mit dem Publikum gemacht hätte. „Für diese Performance gibt es bewusst keine zeitlichen Hinweise“, erläutert Streck-Plath und fügt bezüglich der 30 Quadratmeter großen Decke hinzu, die ausgebreitet werden musste: „Da zeigte sich deutlich, wie schnell etwas möglich ist, sobald Menschen miteinander kooperieren.“

In weiteren Gesprächen kamen Überlegungen auf, wie diese Performance auf anderen Plätzen und in anderen Bezügen verlaufen würde. Wie Menschen dem begegnen, was ihnen fremd ist, und wie sie trotz Distanz hilfreiche Nähe gestalten können, würde sich vermutlich jeweils ganz anders zeigen. Nachgedacht wurde auch darüber, wie Kinder reagieren würden. „from a distance“ hinterließ tiefe Eindrücke bei den Besucherinnen und Besuchern. „Dieser Käfig, dazu die Kiste und deren Inhalt. Das ist die ganze Welt, was wir da erlebt haben“, fasste eine Besucherin die Veranstaltung zusammen. „Als ich das Brot in den Mund gesteckt hatte, in dem Moment dachte ich: Corona ist vorbei“, sagte ein Herr, der sich mit auf die Decke gesetzt hatte. Am frühen Abend sah die Wiese wieder aus, als sei dort nichts geschehen.

Die Performance wurde gefördert vom Main-Kinzig-Kreis, der Sparkassenstiftung Hanau, Maintaler Unternehmen und Privatpersonen. An der Performance beteiligt waren der Frankfurter Schauspieler Serkan Gören und der Musiker Tarek Zakharia aus Mannheim. Die Veranstaltung fand statt im Rahmen der Sommerkirche. Die zugehörige Ausstellung „Se’le – Tiefen der Welt“ mit weiteren Werken der Künstlerin beginnt am 26. September um 10.45 Uhr mit einer Vernissage vor der Alten Kirche am Main in Maintal-Dörnigheim.

Foto: Der Mann (Serkan Gören) im Käfig.

Foto: Eine Person aus dem Publikum befreit ihn.

Foto: Menschen breiten eine Decke aus.

Foto: Einige Menschen aus dem Publikum setzen sich dazu.

Foto: Der Mann legt sich zum Schlafen hin, er wird achtsam zugedeckt.

Foto: Tarek Zakharia singt von Menschsein und Sehnsucht.

Foto (von links): Tarek Zakharia, Ulrike Streck-Plath, Serkan Gören.

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