Langhaus aus der Steinzeit wird rekonstruiert

Windecken
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Im Nidderauer Stadtteil Windecken wird „Geschichte gebaut“. Die sechs stattlichen Holzpfähle und die Querträger im Hexenturmgarten lassen bereits sehr deutlich erkennen, dass hier ein einzigartiges Bauwerk entsteht.

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Auch für Landrat Thorsten Stolz (SPD) ist „diese Zeitreise in die Jungsteinzeit ein äußerst interessantes Projekt“, das der Main-Kinzig-Kreis jetzt über die Kulturförderung mit 10.000 Euro unterstützt.

Gemeinsam mit Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß, Kulturamtsleiter Matthias Schmitt und der Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte, Christine Raedler, besuchte er das Gelände, wo das so genannte Langhaus künftig stehen soll. Die Pläne orientieren sich unter anderem an den entsprechenden Ausgrabungen in der Neuen Mitte von Nidderau, wo die rund 7.000 Jahre alten Spuren aus der Jungsteinzeit (Neolithikum)  bereits 2011 im Rahmen der Erschließung freigelegt wurden.

Die damalige Vorsitzende des Vereins für Vor- und Frühgeschichte im unteren Niddertal (VVFN), die inzwischen verstorbene Archäologin Dr. Gretel Callesen, hatte diese originelle Idee formuliert. Die jetzige Vorsitzende, Dr. Heike Lasch, hat diesen Gedanken nun aufgegriffen und weiterentwickelt. Zudem hatte die Stadt Nidderau wegen einer neuen Nutzung für den Hexenturmgarten angefragt, worauf sich der Verein spontan gemeldet hatte. Inzwischen liegen die Baumstämme aus dem Windecker Bürgerwald auch schon auf dem Grundstück bereit. Die Baugenehmigungsbehörde des Kreises ist eingebunden, es wurden Sponsoren gefunden und die konkreten Pläne sind gemacht. „Wir sind motiviert, das Bauwerk im Laufe dieses Jahres  weitgehend fertigzustellen“, sagt Dr. Heike Lasch. Dann soll auch die Öffentlichkeit mit Führungen und Vorträgen einbezogen werden.

Landrat Thorsten Stolz ist überzeugt, dass dieses ungewöhnliche Projekt auf große Resonanz stoßen wird. „Es ist eine tolle Möglichkeit, in die Frühgeschichte unserer Region einzutauchen“, betont er. Besonders reizvoll sei dabei die unmittelbare Nähe zur mittelalterlichen „Burg Wonnecken“. Zudem sei der ehemalige Siedlungsort nicht weit vom Hexenturmgarten entfernt und von der Anhöhe sogar deutlich zu sehen. Das geplante Langhaus soll etwa sechs Meter breit, zwölf Meter lang und fünf Meter hoch werden. Es ist damit etwas kleiner, als der in der Neuen Mitte gefundene Grundriss. Beim Bau wird die ursprüngliche Technik weitgehend berücksichtigt. Voraussichtlich sind aber ein paar Zugeständnisse aufgrund der heutigen Sicherheitsanforderungen nötig.

Der Verein denkt darüber hinaus an einen historischen Bauerngarten mit alten Getreidesorten, der hier entstehen könnte. Wie der 2. Vorsitzende Dieter Dettmering im Gespräch mit dem Landrat erläutert, sollen dann auch Schulklassen angesprochen werden, die sich im Unterricht gerade mit der Steinzeit beschäftigen. Die Nähe zum Nidderauer Bahnhof sei dabei ein weiterer Vorteil. Landrat Thorsten Stolz hatte im ahmen der5 Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen des Vereins von der Idee erfahren und war so begeistert, dass er eine Unterstützung durch den Main-Kinzig-Kreis auf den Weg gebracht hat. „Ich bin selbst sehr an Geschichte interessiert und wenn es darum geht, die Vergangenheit erlebbar zu machen, dann bin ich gerade für solche Projekte aufgeschlossen, die von einem großen bürgerschaftlichen Engagement getragen werden“, sagt er. Der Main-Kinzig-Kreis werde die Idee auch weiterhin positiv begleiten und unterstützen. Zudem werde er persönlich mit  Entwicklung weiter verfolgen und auch das fertige „Mehrfamilienhaus“ aus der Jungsteinzeit dann wieder besuchen.

Foto (von links):  Landrat Thorsten Stolz, Dr. Heike Lasch, Dieter Dettmering, Christine Raedler, Bürgermeister Gerhard Schultheiß und Amtsleiter Matthias Schmitt.

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