Digitalisierung: Segen oder Kontrollverlust

Wächtersbach
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Intensive Diskussionen bestimmten auch den jüngsten Literaturstammtisch am zurückliegenden Dienstag.

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Mit Ronald Willms und Oskar Soliga hatten sich zwei erfahrene Teilnehmer des allmonatlich am zweiten Dienstag in der Gaststätte Kikeriki stattfindenden Diskussionskreises bereit erklärt, von ihnen bevorzugte Titel vorzustellen. Willms widmete seine Buchvorstellung der Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, während Oskar Soliga die Autobiografie von Frank Thelen in den Mittelpunkt seines Vortrags stellte. Unterschiedlicher hätten die Werke kaum sein können.

Willms erklärte, der Titel „Secondhand-Zeit“ sei „keine Prosa, eher eine Reportage. Sie läßt die Stimmen von Menschen zur Geltung kommen.“ Kritiker hätten deshalb der Autorin attestiert, „keine richtige Literatur“ zu verfassen – ein Urteil, das inzwischen als revidiert gelten darf. „Es ist eher etwas ganze Besonders und Einzigartiges“, so Willms. Das Buch beschreibe „das Leben auf den Trümmern des Sozialismus“, die Probleme, sich in dieser neuen Welt mit ihrer wirtschaftlich und politisch neuen Form zurecht zu finden. „Und es weckt ein Stück weit Verständnis für die Denkweise der Russen und warum sie sich heute nach der früheren Zeit zurück sehnen.“ Zwar sei das Buch mit seinen knapp 600 Seiten „manchmal etwas langatmig“, aber insgesamt „harter Tobak“, manche Stellen müsse man auch zweimal lesen. Die anschließende Diskussion drehte sich um einen Vergleich zwischen der Situation der Menschen in den östlichen Bundesländern nach der Grenzöffnung und der Lage der Menschen in Russland, aber auch die Problematik der sich überall immer weiter spreizenden Schere zwischen Vermögenden und Mittellosen wurde thematisiert. Auch die offenkundige Unfähig- oder –willigkeit der deutschen Bevölkerung zum öffentlichen Protest - anders, als dieser etwa in Frankreich stattfindet - wurde angesprochen.

„Etwas leichtere Kost“ kündigte nach einer einstündigen Diskussion Oskar Soliga an, der Frank Thelen als „einen sehr interessanten Menschen“ ankündigte, der „in Leute investiert, die eine tolle Idee haben“. Den männlichen Besuchern des Literaturstammtischs insbesondere wegen seiner VOX-StartUp-Serie bekannt, folgt der Unternehmer seinem selbst gewählten Motto: „Hinfallen. Aufstehen, die Welt verändern.“ Zweidrittel des Buches widmen sich der Biografie Thelens, der abschließende Teil stellt in einem „Baukasten der Zukunft“ verschiedene Technologien vor, die sich der Autor für die Zukunft vorstellen könnte. Dass Thelen „ein Träumer“ ist, wie Soliga erläuterte, fand in der anschließenden Diskussion Widerhall: es wurde – teilweise sehr engagiert – über die Abschaffung des Bargelds, Datensicherheit und Lobbyismus gesprochen. Und eine Teilnehmerin fasste das Ganze mit den Worten zusammen: „ich schätze die Segnungen der Digitalisierung, aber ich fürchte den digitalen Kontrollverlust.“ Das wollte Soliga, der Jüngste in der Runde, so ungern stehen lassen, der deutlich mehr die Vorteile als Nachteile zu erkennen vermag. Für Gesprächsstoff war damit reichlich gesorgt.

Der nächste Literaturstammtisch findet am Dienstag, 12. Februar, wieder um 20 Uhr im Kikeriki statt. Gäste sind herzlich willkommen.

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