Bürgermeisterkandidat Fiedler: Ein Arbeitsplatz für Bilal?

Wächtersbach
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„Wäre es nicht ein guter Weg, dem vor fünf Wochen von einem Rechtsradikalen schwer angeschossenen Eriträer Bilal einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle bei der Stadt Wächtersbach anzubieten?“, fragt sich Bürgermeisterkandidat Alexander Fiedler (parteilos).

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Der 26-jährige Bilal, der in Wächtersbach Schutz suchte, lebt seit dem Anschlag in ständiger Angst und erwägt, unsere Stadt zu verlassen. Seine begonnene Ausbildung zum Zimmermann wird er wohl nicht fortsetzen können.

Der Wächtersbacher Bürgermeister Andreas Weiher habe Bilal ausweislich einem Pressebericht vom 8. August gefragt, ob er nach diesen Erfahrungen in sein Heimatland zurückkehren wolle. Das offenbare Unkenntnis von den in Eritrea herrschenden Zuständen. „Niemand, dem es irgendwie gelang, aus Eritrea zu verschwinden, will dorthin zurück“, verdeutlicht Fiedler. Schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen, willkürliche Tötungen und Verhaftungen, Verschwindenlassen, Folter sowie fehlende Meinungs-, Religions- und Versammlungsfreiheit sind dort an der Tagesordnung. Es gibt einen unbefristeten Wehrdienst in Eritrea, der staatlich verordneter Zwangsarbeit gleichkommt – er kann Jahrzehnte andauern.

„Wenn Andreas Weiher zudem in der Presse formuliert, „der Anschlag hätte auch Unbeteiligte, etwa die Pförtner oder andere Fußgänger“ treffen können, so empfinde ich das als ausgesprochen unglücklich. Denn: In welcher Form war denn Bilal ein „Beteiligter?“ Allein wegen seiner Hautfarbe? Seiner Herkunft?“, fragt sich Alexander Fiedler, der zahlreiche Menschen unterschiedlichster Kulturen zu seinem Freundeskreis zählt. Er sagt klar: Nein, die rassistische Tat hat nicht „die falsche Stadt getroffen“, wie Bürgermeister Andreas Weiher äußerte. Sie hätte überhaupt keine Stadt treffen dürfen. „Wir alle müssen nach dem Anschlag sensibler und viel, viel kritischer werden.“ Da ist sich Bürgermeisterkandidat Alexander Fiedler mit Andreas Weiher einig. Vor allem in den sozialen Netzwerken zeige sich in den vergangenen Wochen eine brutale Verrohung von Sprache und im Umgang miteinander. Rechtsradikales, rassistisches Gedankengut darf nicht in Wächtersbach ankommen. Wenn in der Wächtersbacher Facebook-Öffentlichkeit Menschen Beiträge posten und meinen, Bilal sei „selbst schuld – was läuft der denn auch in die Kugel?“, so zeige das ganz dringenden gesellschaftlichen, sicher aber auch politischen Handlungsbedarf.

„Wächtersbach muss klare Zeichen setzen“, so der Bürgermeisterkandidat. Schon sein Wahlslogan „Wir sind Wächtersbach“ macht deutlich, dass er für alle Bürgerinnen und Bürger da sein will – gleich welcher Nationalität, Herkunft, Hautfarbe oder Religion. In allen Stadtteilen, in allen Vereinen, zu allen Zeiten. Fiedler sagt: Es muss ein „runder Tisch“ eingerichtet werden, an denen sich jene austauschen, die an einem gedeihlichen Gemeinwesen Interesse haben. „Dazu gehören sicher die Kirchen, der Ausländerbeirat, die ehrenamtlich tätigen Wächtersbacher Flüchtlingshelfer. Dort müssen Strategien erarbeitet werden, wie man rechtem Hass und rechter Hetze in Wächtersbach deutlich hörbar widerspricht – sicher auch auf Facebook, Twitter & Co. Mehr aber noch im echten Leben.“

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