Rollstuhlfahrer erwirbt regulären Tauchschein

Leisenwald
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Als Mensch sprang er ins Wasser. Als frisch gebackener Taucher stieg er am Sonntag nachmittag aus dem Sundhäuser See. Alexander „Fidi“ Fiedler aus Leisenwald strahlt. Stolz – aber auch erschöpft. Vier Tauchgänge an zwei Tagen standen am zurückliegenden Wochenende an, bei allen galt es, die festgelegten Leistungsanforderungen des Tauchsportverbands PADI (und letztlich der EU) zu erfüllen.

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Was schon für Menschen ohne Beeinträchtigungen herausfordernd sein kann, ist für einen Menschen ohne Beine eine ungleich größere Aufgabe. „Wir haben hart im Schwimmbad trainiert, damit die Leistungsanforderungen auch wirklich alle Punkt für Punkt erfüllt werden“, sagt Tauchlehrerin Andrea Euler, die zwar auch eine Ausbildung bei der Handicapped Scuba Association (HSA) absolviert hat – hier aber ging es um etwas anderes: Nämlich darum, Alexander die Teilnahme an einem Tauchkurs nach den europaweiten gesetzten Standards für Gerätetaucher zu ermöglichen.

Unterstützung bekam sie dabei von Stephan Siemon, der in der gemeinsamen Tauchschule „Tauchsport Euler & Siemon“ zuständig ist für Ausrüstungs- und Technikfragen. „Wir haben sehr viele verschiedene Konfigurationen von Jacket und Blei ausprobiert, ein verlängerter Inflatorschlauch musste her, die speziellen Handschuhe für Rollstuhlfahrer mochte Alexander ebenso wenig wie den Hosenträger-Bleigurt, der am Hals scheuert“, berichtet Siemon. „Eine Tauchschule, die sowas durchziehen will, braucht einen Menschen mit ausgeprägtem Improvisations- und Basteltrieb.“

Schlußendlich wurde eine Ausrüstungszusammenstellung gefunden, die es dem Tauchschüler ermöglichte, alle geforderten Aufgaben zu erfüllen: Schweben etwa, Balancieren auf einem Kontaktpunkt des eigenen Körpers, aber auch das Schleppen eines erschöpften Tauchpartners und das Navigieren mit Kompass. Ein Anzug wurde entsprechend an den Beinen gekürzt und wasserdicht verklebt. „Es gab fast keine Übung, bei der wir nicht Umdenken und neue Wege erarbeiten mußten, damit die Vorgaben erfüllt werden konnten“, erinnert sich die Staff-Instructorin. Aber auch daran, dass genau das das Spannende und Herausfordernde an diesem Kurs war.

„Zudem haben wir großartige Unterstützung bekommen“, resümieren die beiden Tauchlehrer. Vor Ort stand Andreas Schmidt zur Verfügung, der alle Ausbildungstauchgänge als zweiter Profi begleitete, während Axel Veidt sich um weitere „Eleven“ der Wächtersbacher Tauchschule kümmerte. Im Tauchsportzentrum Sundhäuser See Nord kümmerte sich das Basisteam darum, dass für Alexander Fiedler ein Zeltplatz in der Nähe der behindertengerechten Sanitäranlagen zur Verfügung stand. Ein grober Besen wurde ausgeliehen, damit die steinübersäten Stufen zum Wasser gefegt und damit für „Fidi“ nutzbar wurden. Denn eines war dem Tauchschüler wichtig: So viel wie möglich alleine hinzukriegen. Und das bedeutete: Allein mehr als zwanzig Stufen runter zum See zu kommen, alleine ins Wasser einzusteigen, alleine die Ausrüstung zusammenzubauen und anzulegen. Dass er alleine aus dem Rollstuhl raus und in nassem Neopren auch wieder hinein kommen muss – für den nun frischgebackenen Taucher keine ungewohnte Aufgabe. „Am schwersten war für mich der kontrolliert schwimmende Notaufstieg – wobei er im See dann doch nicht so schwierig war, wie ich es erwartet hatte. Dank der ganzen Vorübungen hat er gleich im ersten Anlauf geklappt. Am leichtesten fand ich die Übungen mit der Maske“, berichtet Fiedler rückblickend. Die besondere Herausforderung lag für den Taucher darin, „die Umstellung zu bewältigen, unter Wasser in einer anderen Welt zu sein und die eigene Angst zu überwinden. Aber zu wissen, dass zwei Profis bei mir sind, hat mir das sehr erleichtert. Unbeschreiblich schön war die Erfahrung, die vielen Fische und Krebse unter Wasser zu sehen – und in die Kirche zu tauchen.“

Am See: Von vielen Seiten ungläubige Blicke. Nur ein Tauchlehrer traut sich, Alexander auf seine Behinderung anzusprechen – und zeigt sich ebenso erstaunt wie begeistert davon, das Inklusion auch beim Tauchen kein leeres Versprechen ist. „Und genau so muß es auch sein“, beschreibt Stephan Siemon den Tauchsport. „Bei uns Tauchern gibt es kein „Höher-Schneller-Weiter. Was zählt, ist das Gruppenerlebnis. Und am Wochenende waren wir die Stars hier.“

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