Es leuchten die Sterne über tanzende Boote

Musik
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Perlen der französischen Musikgeschichte vorwiegend des späten 19. Jahrhunderts boten jetzt Dozenten und Schüler der Paul-Hindemith-Musikschule Hanau (PHM) unter dem Konzert-Motto „Vive la France“ dar.

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Antriebsquelle für das Porträt-Konzert war der französische Komponist Claude Debussy, der vor 100 Jahren verstarb. Neben Debussys Werken wurden auch einige seiner französischen „Kollegen“ beleuchtet, die mit ihren Werken von Debussy beeinflusst wurden oder die umgekehrt Debussy beeinflusst haben könnten.

Claude Debussys Vorstellung von Musik jedenfalls ist revolutionär. Er entwickelt einen Stil, der die Musikgeschichte verändern soll. Er soll als Zauberer der Klangfarben in die Geschichte eingehen - viele seiner Zeitgenossen jedoch verstanden seine Tonsprache – fernab der gängigen Regeln - zunächst nicht. Er will Neues schaffen. Und das betrifft vor allem den unkonventionellen Umgang mit Harmonien und Klängen. Er setzt die Musik mit Farben gleich. Die verschiedenen Farben kann Debussy nun auch miteinander kombinieren und mischen. Die Verwendung von Pentatonik – also Fünf-Ton-Reihen - ist für Debussy zuallererst ein Mittel, um die bisher vorherrschenden Dur- und Molltonleitern zu ersetzen und so neue Klänge auszuloten. Schon früh bezeichnet man Debussy daher als einen „Impressionisten“ – er fühlt sich missverstanden.

Das Ausloten jener feinsinnigen Klangfarben in Debussys Kompositionen gelang den Künstlern der PHM jedenfalls in einer qualitativ sehr ansprechenden Form gepaart mit Eleganz und Ausdruck. Wuselten zu Beginn die PHM-Chorkinder mit Bizets „Chor der Gassenjungen“ durchs Treppenhaus, ließen Jutta und Ralph Wiltheiss einen sehr temperamentvollen „Chanson Boheme“ aus der „Carmen“ an der Querflöte folgen, souverän begleitet von Marlene Jacobs am Klavier. „Doktor Gradus ad Parnassum“ – ein pianistisches Paradestück -, brachte Pauline Müller in Bestform auf die Tasten. Mit einer „Petit histoire“ von Thirault konnte sich Greta Isabell Wolf, begleitet von ihrer Cellolehrerin Christina Lohrmann, in Szene setzen. Einen kleinen Ausflug die Barockmusik Frankreichs unternahmen Christine und Christian Gutgesell, die Rudolf Klemisch als Gast mitgebracht hatten, als Gitarrentrio: Mit Boismotiers Sonate in A-Dur konnte man das vornehm-heitere Parlieren der Damen, lustwandelnd in einem der prachtvollen Schlossgärten des 18. Jahrhunderts, förmlich „sehen“. Bettina Weber beleuchtete in Begleitung von Waldemar J. Jarczyk das Liedschaffen von Debussy und zauberte mit „Nuit d’etoiles“ stimmlich einen glitzernden Sternenhimmel ins Treppenhaus der PHM.

Neele Peters erzählte am Klavier die Geschichte vom Mädchen mit den Flachshaaren, inspiriert von einem Gedicht von Charles-Marie Leconte de Lisle, sehr anrührend, feinsinnig im Anschlag und gut austariert im Tempo. Debussy wäre gerne Seemann geworden. Oft zog es ihn ans Meer, wo er ausgedehnte Spaziergänge unternahm und sich von den Farbspielen zwischen Meer und Horizont anregen ließ. „En bateau pur Flute et Piano“ gehört zu jenen Stücken, die das Spiel des Wassers mit einem kleinen Boot musikalisch umsetzen, mit Bravour von der PHM-Schülerin Emma Heinrich an der Querflöte in Begleitung ihres Lehrer Waldemar J. Jarczyk gemeistert. Eine wunderbare Symbiose zwischen Gesangsvortrag und Klavier gingen Josephine Oeß und Josua Cho ein, die aus dem Musical „Les Miserables“ „J’avais reve“ mit Herz und sichtlicher Spielfreude umsetzten.

Bei einem Konzert mit dem Thema Frankreich darf freilich auch der Pole Frédéric Chopin nicht fehlen, der Paris zu seiner Wahlheimat machte und in den Salons mit seiner großen Spielkunst nicht nur die Damenwelt in Verzückung brachte. So kam durch Lukas Gyomin Ku dessen Mazurka op. 68 Nr. 3 zu Gehör. Kevin Gyojun Ku brachte dagegen an der Violine Massenets berühmte „Meditation aus Thais“, bis heute ein Vorzeigestück für Violinisten, auf die Bühne, feinnervig von Yeo-Jin Park am Klavier unterstützt.

Das Finale wurde eingeläutet von Johanna Findling, die am Cello einen prachtvollen Schwan von Camille Saint-Saens seine Kreise ziehen ließ, bevor Marlene Jacobs eindrucksvoll zeigte, wie eine kleine Bark zum Spielball von Wellen des Meeres werden kann – mal sanft-verspielt, mal wild stürmisch präsentierte sie Ravels „Une Barque sur L’Ocean“. Die PHM-Dozentin Yeo-Jin Park setzte dann den glänzenden Schlusspunkt mit Debussys berühmten Werk „Claire de Lune“. Dieses Werk, das in zahlreichen Filmepen Eingang fand, brachte Park sehr feinperlig-stringent auf den Punkt. Am Ende gab es regen Applaus für die kleinen wie großen Künstler, die allesamt ihr Publikum zu begeistern wussten und die – ganz im Sinne Debussys - eine Vielzahl an Klanggeschichten zu „erzählen“ hatten.

Foto: Mit dem Porträt-Konzert „Vive la France“ setzten Schüler und Dozenten der Paul-Hindemith-Musikschule Hanau insbesondere Claude Debussy eine gelungene musikalische Hommage.
Foto: Neele Peters kann am Flügel mit Debussys „La Fille au cheveux de lin“ Akzente setzen. Fotos: PHM

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