Neue Kündigungswelle: Kritik an Internetanbieter M-Net

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Für viele Menschen im Main-Kinzig-Kreis war die Überraschung groß, als ihr Telefon- und Internetanschluss von der Firma M-Net plötzlich gekündigt wurde. Dabei galt die Internetversorgung im Kreis lange Zeit als Vorzeigeprojekt. Wie konnte das passieren? Wir haben mit dem heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Heinz Lotz darüber gesprochen, denn er sammelt mittlerweile diese Kündigungen der Firma M-Net.

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Sie haben sich intensiv mit dem Thema befasst, klären Sie uns mal auf: Aus welchen Gründen wird einigen M-Net-Kunden im Main-Kinzig-Kreis derzeit gekündigt?
Heinz Lotz: „Im vergangenen Jahr erhielten viele Kunden von M-Net ein Kündigungsschreiben. Als Begründung nannte M-Net eine Entscheidung der Bundesnetzagentur zum sogenannten Vectoring-Ausbau. Um es mal ganz untechnisch und sicherlich auch unprofessionell auszudrücken, handelt es sich dabei um die letzten paar Meter Kabel zwischen Verteilerkasten und Haus. Die Bundesnetzagentur hat erklärt, dass nur noch derjenige diese paar Meter Kabel nutzen darf, der den Ausbau angemeldet habe oder bereits ausgebaut hat. Als ich das am eigenen Leib erfuhr, war ich sauer auf die Bundesnetzagentur und die Telekom, die meistens die letzten paar Meter Kabel besitzt. Und als mich immer mehr Leute darauf ansprachen, habe ich einen Brief an Bundeswirtschaftsminister Altmaier geschrieben, um gegen die Kündigungen zu protestieren.

Wie hat er reagiert?
Lotz: „Ja, das war der nächste Hammer. Wie sich herausstellte, hatte M-Net von der Bundesnetzagentur angeboten bekommen, das Vectoring-Ausbaurecht zu erhalten.“

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum M-Net dieses Recht im Main-Kinzig-Kreis nicht wahrgenommen hat?
Lotz: „Ich kann dem Vorstand nicht in den Kopf gucken, aber entweder hat es sich wirtschaftlich schlichtweg nicht gelohnt oder sie habe das Thema verschlafen. Oder beides. Wie ich aber erfuhr, könnte M-Net die letzten Meter immer noch mieten. Das machen andere Anbieter ja auch. Auch das wollte M-Net nicht. Ebenso hatte mir das Ministerium in einem Schreiben angeboten, gemeinsam mit M-Net eine Lösungsmöglichkeit zu erörtern. Da hatte M-Net aber kein Interesse dran.“

Wie viele Haushalte sind laut Ihren Informationen betroffen? Und welche Regionen sind betroffen?
Lotz: „Das weiß ich nicht genau. Es schwirrte mal eine Zahl von 1.400 Anschlüssen durch den Raum. Das war aber im Juni 2018. Ich hatte die Menschen aufgefordert, mir Bescheid zu sagen, wenn M-Net den Vertrag kündigt. Seither bekomme ich Mitteilungen aus dem gesamten Kreisgebiet. Steinau, Gelnhausen, Freigericht, Wächtersbach und jetzt seit einer Weile Langenselbold. Auch von den Bundestagsabgeordneten Bettina Müller und Sascha Raabe bekomme ich immer mal die Rückmeldung, wenn wieder Verträge gekündigt wurden. Es scheint gerade eine neue Kündigungswelle zu geben.“

Was raten Sie diesen Bürgerinnen und Bürgern?
Lotz: „Das ist das eigentlich Schlimme an der ganzen Geschichte. Denn was soll ich schon raten, wenn M-Net kündigt? Ich habe von Fällen gehört, in denen Leute einen Vertrag bei M-Net abgeschlossen haben, obwohl das Unternehmen längst hätte wissen müssen, dass dieser Vertrag bald wieder gekündigt wird. Also haben diese Leute erst einmal zu M-Net gewechselt, mussten den Router neu einstellen, bekamen eine neue Telefonanlage, vielleicht auch eine neue Nummer und hatten womöglich ein paar Tage gar kein Netz oder Telefon. Dieses Prozedere machen sie wenige Monate später wieder durch. Im schlimmsten Fall verschlechtert sich für die Betroffenen sogar die Internetleitung. Aktuell sammele ich die Fälle, die Betroffenen werden aber zunächst in den sauren Apfel beißen müssen.“

Können Sie diesen Menschen irgendwie helfen?
Lotz: „Es ist nicht leicht, denn ich kann ja M-Net schlecht verbieten, zu kündigen. Im Kreistag versuchen wir, die Lücken zwischen Verteilerkasten und Haus zu schließen. Dafür müssen Bundes- und Landesmittel beantragt werden. Dann versuche ich für die betroffenen Leute eine Öffentlichkeit herzustellen, damit es Unternehmen nicht zu leicht haben, so eine Aktion durchzuführen.“

Sollte die Politik Einfluss auf das Verhalten von M-Net nehmen und bei der Unternehmensführung entsprechend einwirken?  
Lotz: „Bei aller Kritik an M-Net dürfen wir eines nicht vergessen: Als der damalige Landrat Erich Pipa die Breitband GmbH ins Leben rief, um den gesamten Main-Kinzig-Kreis mit schnellem Internet zu verbinden, wurde zuerst die Telekom gefragt. Diese hatte abgelehnt und M-Net ist in die Bresche gesprungen. Wir Politiker waren größtenteils begeistert und haben aus diesem Grund auch für diesen Anbieter geworben, weil wir mit ihm bundesweit eine Vorreiterrolle übernommen haben. Auch ich habe kostenlos Werbung für dieses ehrgeizige Projekt gemacht. Mit dem heutigen Wissen komme ich mir übrigens persönlich ziemlich vorgeführt vor.“

Würden Sie die Zusammenarbeit mit M-Net in der Breitband Main-Kinzig GmbH angesichts dieser Entwicklung auch im Nachhinein noch als richtig bezeichnen?
Lotz: „Aus damaliger Sicht war es richtig und die Probleme waren nicht absehbar – auch für M-Net nicht. Die Breitband Main-Kinzig GmbH ist und bleibt die richtige Entscheidung, denn wir haben hier eine gute Infrastruktur geschaffen. Nach wie vor bleibt die Hoffnung, dass wir noch irgendwie die Kuh vom Eis holen.“

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