Bundesministerium fördert nachhaltiges Tourismuskonzept

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Nach fast eineinhalbjähriger Vorbereitung kam unlängst endlich die erhoffte Nachricht aus Berlin: Das Verbundforschungsvorhaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurde vorerst für die erste Projektphase (drei Jahre) bewilligt.

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"Das hat dann doch die Mühen gelohnt", meint der Verbundleiter Prof. Dr. Jörg Dettmar von der TU Darmstadt erleichtert, der die Aufgabe hatte, fünf weitere Partner für den gemeinsamen Antrag zu koordinieren. Verbundpartner sind unter der Leitung der TU Darmstadt mit den Hochschule Heilbronn, Frankfurt University of Applied Sciences die Stadt Hanau, die Regionalpark Ballungsraum RheinMain GmbH sowie die Spessart Tourismus und Marketing GmbH.

Insgesamt wurden aus einem Bewerberpool im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme "Stadt-Land-Plus" von mehr als 50 Antragstellern letztlich zehn ausgewählt. "Mit entscheidend dafür war sicherlich auch die Fokussierung auf das Thema Tourismus", meint der Verbundleiter. Unter dem zunächst etwas sperrigen Namenskürzel "NaTourHuKi" beschäftigt sich das Vorhaben mit der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismuskonzepts für den Landschaftsraum "Kinzigtal" von Hanau bis Steinau an der Straße im Main-Kinzig-Kreis mit Fokus auf den Tagestourismus.

Der Tagestourismus ist gerade in der aktuellen Lage besonders im Fokus. Das zeigen die vergangenen Wochen, als die Region von deutlich mehr Naherholungssuchenden als normal üblich frequentiert wurde. Umso wichtiger ist deshalb auch der wissenschaftliche Blick auf dieses Phänomen. Jeder der Verbundpartner steuert spezifisches Know-how zum Projekt bei: Die wissenschaftliche Perspektive bringt Leiter Prof. Dettmar für die Bereiche Landschaftsplanung, Naturschutz, Stadtökologie, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung ein zusammen mit Prof. Dr. Petra Schäfer von der Frankfurt University of Applied Sciences für die Mobilitätsforschung und Prof. Dr. Ralf Vogler von der Hochschule Heilbronn für die Tourismuswissenschaft.

Die Praxispartner - Kjell Schmidt vom Regionalpark Frankfurt RheinMain, Gabriele Schaar-von Römer vom Umweltzentrum der Stadt Hanau und Bernhard Mosbacher von der Spessart Tourismus und Marketing GmbH - behalten die regionale Perspektive sowie die Machbarkeit im Blick. "So wird eine enge Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern der Region und der Wissenschaft institutionalisiert", freut sich die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. Der Oberbürgermeister von Hanau, Claus Kaminsky, weist auf die "enge Verflechtung der wachsenden Stadt mit dem Umland, insbesondere dem Kinzigtal" hin. Durch das Bevölkerungswachstum in Hanau und im Rhein-Main Gebiet nimmt die Nachfrage nach regionalen Erholungsmöglichkeiten und andere Tourismusangeboten in der Region bis hin zum Spessart in den nächsten Jahrzehnten deutlich zu. Das Vorhaben will hierzu belastbare Prognosen, nutzbare Potentiale und mögliche Perspektiven für den Tagestourismus entwickeln.

Schon heute gibt es allerdings hier erhebliche Konflikte im Spannungsfeld von Natur- und Landschaftsschutz, der Verkehrsbelastung, dem weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur (z.B. ICE Strecke Hanau-Fulda), der Siedlungsflächenentwicklung, der Sicherung der Land- und Forstwirtschaft und der Erholungsnutzung. Hier intelligente, nachhaltige Lösungsansätze zu finden ist das gemeinsame Anliegen der Verbundpartner. Eine Zielgruppe, die in bisherigen Tourismuskonzepten noch nicht berücksichtigt wurde, sind Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Sei es, geeignete Wege für Kinderwagen, Rollstuhl und Rollator zu finden oder bisherige Angebote für Beeinträchtigungen wie Sprache, Sehen oder Hören weiter zu entwickeln.

Konkret heißt dies zum Beispiel, dass im Kinzigtal eine Regionalparkroute geplant wird als wichtiger Baustein für das geplante Tourismuskonzept. Hanau hat etwa mit dem Grünen Ring eine landschaftsbezogene Naherholungsinfrastruktur erschlossen. Der Main-Kinzig-Kreis hat in den letzten Jahren die Tourismuszahlen gesteigert und in touristische Infrastruktur investiert. Studien zeigen, dass die Wertschöpfung durch den Tagestourismus in der Region höher ausfällt als durch den Übernachtungstourismus. Die geplante nachhaltige Tourismusstrategie will einen ökonomischen Mehrwert durch attraktive Erholungsmöglichkeiten und Steigerung der touristischen Potentiale schaffen und dabei Rücksicht nehmen auf den empfindlichen Naturraum.

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