„Behandlungswohnen“ für weitere drei Jahre

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Der Main-Kinzig-Kreis unterstützt seit drei Jahren das „Hanauer Modell“ der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Hanau und wird diese Unterstützung für weitere drei Jahre gewähren.

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Das „Hanauer Modell“ genießt mittlerweile bundesweite Beachtung. Zielsetzung des Modellvorhabens ist eine flexible Anpassung an den individuellen Bedarf von Patienten, die eine stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung benötigen. Durch das Modellvorhaben ist es mittlerweile möglich, den Aufenthalt im Krankenhaus auf die unbedingt erforderliche Zeit zu begrenzen. Die weitere Behandlung erfolgt dann als tägliche Akutbehandlung in der Klinik oder auch im Einzelfall durch Besuche im häuslichen Lebensumfeld des Patienten. „Ein Teil der Patienten hat durch die Erkrankung nicht nur die eigene Wohnung verloren, sondern auch die Fähigkeit, sich eigenständig um den Haushalt zu kümmern. Damit diese Menschen wieder in einen geregelten Alltag zurückfinden können, wurde in Hanau in Kooperation mit dem Main-Kinzig-Kreis das Behandlungswohnen konzipiert, das präventiv, vorbildlich und unkompliziert hilft“, erklären Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler (SPD) und Hanaus Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) gemeinsam. „Bei der Auswertung des Projekts wurde festgestellt, dass die Erfahrungen damit durchweg positiv waren“, ziehen beide eine erfreuliche Bilanz.

Im Zuge des Projekts wurden 2016 in einer gemeinschaftlichen Aktion des Main-Kinzig-Kreises, dem Klinikum Hanau  und der Baugesellschaft Hanau vier Zwei-Zimmerwohnungen hergerichtet, in welche bis zu acht psychisch kranke Männer und Frauen einziehen konnten, die keine eigene Wohnung mehr hatten. Seit Beginn des Projekts sind mehr als 50 Patientinnen und Patienten dort aufgenommen worden. Sie alle hatten nach einer stationären Klinikbehandlung nicht die Möglichkeit, in eine eigene Wohnung oder zur Familie zurückzukehren und waren von akuter Obdachlosigkeit bedroht. Für eine Übergangszeit von zwölf Wochen während ihrer Akutbehandlung durch die Klinik wurden diese Männer und Frauen im Behandlungswohnen aufgenommen. Die Bewohnerinnen und Bewohner verpflichteten sich in dieser Zeit, an einem individuellen Trainingsplan teilzunehmen, um das selbstständige Wohnen einzuüben. „Die Patientinnen und Patienten finden sich in dieser assistierten Wohnform sehr gut zurecht. Sie werden dabei unterstützt und angeleitet, den Alltag wieder selbst in die Hand zu nehmen. Dazu gehört es auch, soziale Fähigkeiten einzuüben, die dabei helfen, sich in einer Gemeinschaft zurechtzufinden“, erklärt Susanne Simmler. Auch Hanaus Bürgermeister Axel Weiss-Thiel  zeigt sich erfreut über den großen Erfolg des Projekts, das in Zusammenarbeit mit der städtischen Baugesellschaft Hanau realisiert werden konnte: „Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf, sie brauchen eigene vier Wände, in denen sie sich wohlfühlen können. Sich um den eigenen Haushalt zu kümmern, kann jedoch gerade in Belastungssituationen schnell in Überforderung umschlagen. Hier hat das Behandlungswohnen gezeigt, dass es schrittweise und mit dem richtigen Maß an Unterstützung gelingen kann, diesen Menschen wieder eine Perspektive auf ein selbstbestimmtes Leben zu geben.“

Das Behandlungswohnen vermittle einem Teil der Patienten, welche Grenzen ihnen die Erkrankung setzt und dass es sinnvoll sein kann, weitergehende Hilfen in Anspruch zu nehmen. „Die Betroffenen werden dann in Betreutes Wohnen oder in eine andere Wohnform vermittelt, um nicht in die Obdachlosigkeit abzurutschen“, führen beide Sozialdezernenten aus. Das sei durchaus eine reale Gefahr: „Einige der Menschen, die aus einer langen stationären Behandlung in der Psychiatrischen Klinik in Hanau entlassen werden, stehen ohne eigene Wohnung da und haben zum großen Teil nicht die Möglichkeit, bei Familie oder Bekannten zu wohnen. Entweder, weil keine Kontakte mehr bestehen oder diese nicht dabei helfen, gesund zu werden“, erläutert Susanne Simmler. Die Entlassung aus der stationären Behandlung bedeutete in der Vergangenheit für eine Reihe der Patienten obdachlos zu sein, womit neue, schwerwiegende Belastungen verbunden waren. Aus Sicht des Main-Kinzig-Kreises als Sozialhilfeträger dient diese neue Form der Hilfe für psychisch kranke Menschen auch dazu, Obdachlosigkeit nach dem stationären Aufenthalt zu verhindern. „Das Behandlungswohnen hilft den Betroffenen dabei, den Übergang in ein eigenständiges Leben zu meistern und räumt ihnen genug Zeit ein, um sich eine eigene Wohnung zu suchen. Deshalb wird der Main-Kinzig-Kreis dieses einzigartige und erfolgreiche Modellprojekt für weitere drei Jahre fördern und Miete und Nebenkosten übernehmen“, erklären Simmler und Weiss-Thiel abschließend. 

Foto: Unter dem Dach der Baugesellschaft Hanau hat das Projekt ein Zuhause gefunden.

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