CDU Main-Kinzig: Eine Liste und zwei Lager

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Dieser Satz ließen tief blicken: „Ich habe von der Kreisvorsitzenden eine Liste vorgelegt bekommen, meine Änderungen wurden nicht befolgt und auch in der Sitzung des Kreisvorstandes habe ich keine Mehrheit bekommen.“ Michael Reul ist Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag des Main-Kinzig-Kreises, bei der Kandidatenaufstellung für die Kommunalwahl im März 2021 ging es darum, aus welchen Mitgliedern die Fraktion danach bestehen wird. Ein wirkliches Mitspracherecht wurde Reul angesichts dieser Worte aber anscheinend nicht eingeräumt.

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Listenaufstellungen für Wahlen sind nie einfach, auf manchen Zusammenkünften von anderen Parteien im Main-Kinzig-Kreis sind da sogar schon Tränen geflossen. Bei der CDU am Samstag entlud sich die Enttäuschung mehr in Frust. Und bei manch einem ging es sogar soweit, das Interna verkündet wurden, die viele gerne unter Verschluss gehalten hätten. Dass jedenfalls der Landtagsabgeordnete Heiko Kasseckert verkündete, dass der Kreistagsabgeordnete Tobias Betz aus Steinau als Einziger aus der Kreistagsfraktion nicht seinen finanziellen Solidaritätsbeitrag an die Partei geleistet hat, gefiel nicht allen auf dem Kreisparteitag in Bad Orb am Samstag. Betz räumte das anschließend sogar ein, „jeder spendet das, was er spenden kann“, so seine Worte, aber er legte nach: „Es ist kein gutes Zeichen, wenn wir hier bei der CDU die vorderen Listenplätze verkaufen.“

Betz war vom Vorstand zunächst gar nicht mehr auf die Liste gesetzt worden, stand nach einem Vorschlag von Carola Gärtner aus Wächtersbach schließlich doch darauf, verlor bei der Abstimmung um Platz 19 aber gegen den Vorsitzenden der Jungen Union Main-Kinzig, Jannik Marquart aus Hasselroth. Betz, seit 2011 im Kreistag, wird damit nach der nächsten Kommunalwahl diesem Parlament nicht mehr angehören. Durchsetzen konnte sich hingegen Christian Litzinger, trotz Kritik von seinen einsteigen Mitstreitern bei der inzwischen abgesagten Revolution. Einer davon war Uwe Sachs aus Jossgrund, der ihm seine Gefolgschaft auf dem Parteitag offen aufkündigte und dann gegen ihn um Listenplatz drei kandidierte. Mit 72 zu 46 Stimmen konnte sich Litzinger allerdings noch einmal ins Ziel retten. Sachs bleibt auf dem mittelmäßigen Platz 38 stehen.

Doch auch andere mussten zittern auf dem Kreisparteitag: „Ich bin etwas aufgeregt, weil ich mit einer Kampfkandidatur nicht gerechnet habe“, schien Maja Weise-Georg aus Schlüchtern schon dank der Frauenquote der erneute Einzug in den Kreistag über Platz acht sicher. Doch Lukas Henke aus Sinntal machte der ehrenamtlichen Kreisbeigeordnete diesen Rang streitig, der 26-Jährige wollte nicht nur mit seinem Alter, sondern auch seiner Tätigkeit im Landesverband der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU punkten. Gleiches galt für Volker Rode aus Gelnhausen, der sogar dem MIT-Bundesvorstand angehört, vom CDU-Kreisvorstand aber dennoch nur auf Platz 39 gesetzt wurde. Doch vermeintliche Wirtschaftskompetenz zieht aktuell bei den Christdemokraten im Kreisgebiet offenbar nicht mehr richtig: Henke verlor mit 51 zu 63 Stimmen gegen Weise-Georg, Rode rückte zumindest auf Platz 30 vor. Platz 39 übernahm Luis Fuchs aus Birstein, der mehr landwirtschaftlichen Sachverstand in die Fraktion bringen will.

Unumstritten war hingegen die Spitzenkandidatur: Über den Ersten Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann gab es keine Diskussion, obwohl der laut eigener Aussage eigentlich schon seit zwei Jahren im Ruhestand sein wollte. „Wir werden draußen daran gemessen, wie einig wir sind“, sprach er von zwei Lagern, die sich auf dem Parteitag dargestellt hätten. Ziel bleibe dennoch, stärkste Fraktion im nächsten Kreistag zu werden. „Die SPD bietet aber eine ganze Menge an bekannten Persönlichkeiten auf, daher wird das nicht einfach“, sei zudem auch die Unterstützungen für die derzeit schwächelnden Ortsverbände nötig. Den Optimismus, dass sich aus den Lagern in den sechs Monaten bis zur Kommunalwahl noch eine schlagkräftige Union bilden lässt, versprühte allerdings auch Ottmann nicht.

Kandidaten der CDU Main-Kinzig für die Kreistagswahl am 14. März 2021 (Plätze 1-30 von 90):

1. Winfried Ottmann (Bad Soden-Salmünster), 2. Srita Heide (Hanau), 3. Christian Litzinger (Gelnhausen), 4. Karina Reul (Bruchköbel), 5. Dr. Peter Tauber (Gelnhausen), 6. Dr. Maria-Elisabeth Heister-Wiegelmann (Bad Soden-Salmünster), 7. Michael Reul (Bruchköbel), 8. Maja Weise-Georg (Schlüchtern), 9. Heiko Kasseckert (Langenselbold), 10. Celine Brückner (Freigericht), 11. Max Schad (Großkrotzenburg), 12. Erhard Rohrbach (Maintal), 13. Nicole Heim (Biebergemünd), 14. Markus Jung (Schöneck), 15. Alexander Fürst von Isenburg (Birstein), 16. Marie-Therese Samer (Gelnhausen), 17. Otmar Wörner (Nidderau), 18. Johannes Heger (Gründau), 19. Jannik Marquardt (Hasselroth), 20. Hugo Klein (Freigericht), 21. Günter Frenz (Sinntal), 22. Ute Birkner (Neuberg), 23. Pascal Reddig (Hanau), 24. Jürgen Franz (Bad Soden-Salmünster), 25. Ulrike Hübner (Nidderau), 26. Tobias Weisbecker (Bad Orb), 27. Uwe Häuser (Linsengericht), 28. Gabriele Stenger (Hanau), 29. Patrice Leon Göbel (Freigericht), 30. Volker Rode (Gelnhausen).

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