FDP Main-Kinzig: Turbulenter Parteitag mit Folgen

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Paukenschlag bei der FDP Main-Kinzig: Mit Alexander Noll wird einer der bekanntesten Liberalen im Main-Kinzig-Kreis nicht mehr für den nächsten Kreistag kandidieren, auch Rolf Zimmermann, vor der letzten Wahl noch extra in die FDP eingetreten, hat auf dem Listenparteitag am Freitagabend in Langenselbold keinen Platz mehr auf dem Kandidatenzettel erhalten. Noll spricht von einer Intrige gegen ihn, Zimmermann ist sofort aus dem Kreisvorstand zurückgetreten (wir berichteten). Parteichef Daniel Protzmann hat direkt im Anschluss an den Parteitag für die kommende Woche eine außerordentliche Kreisvorstandssitzung anberaumt.

Wie üblich vor solchen Listenparteitagen, hatte der Kreisvorstand eine Kandidatenliste vorgelegt, die allerdings schnell durcheinandergeriet. Die Wahlen von Spitzenkandidat Protzmann aus Großkrotzenburg mit annähernd 90 Prozent sowie Anke Pfeil aus Schöneck auf Rang zwei verliefen noch problemlos, doch danach begann das Kandidatenkarussell. Gegen Zimmermann auf Rang drei kandidierte sein Kreisvorstandskollege Prof. Joachim Fetzer aus Maintal und gewann. Danach bewarb sich Zimmermann um Rang vier, auf den ursprünglich Fetzer gesetzt war, doch hier gab es dann eine Gegenkandidatur von Kolja Saß aus Gelnhausen, der von Rang acht weiter nach vorne wollte. Der Vorsitzende der Kreistagsfraktion gewann, Zimmermann trat anschließend sofort aus dem Vorstand zurück. „Erneut hat es sich gezeigt, dass die FDP Main-Kinzig sehr stark auf die Aufgaben im Westkreis/Hanau fixiert ist und die Bürger im Bereich östlich von Gelnhausen beziehungsweise im hessischen Naturpark Spessart kaum eine Rolle spielen“, teilte Zimmermann noch am Freitagabend per Pressemitteilung mit. Dass das Thema Windkraft, über das er eigentlich zur Partei gestoßen war, zumindest in der FDP Main-Kinzig keine große Rolle spiele, machte er an einer Aussage des ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten Prof. Dr. Ralf-Rainer Piesold fest: „Herr Zimmermann, es wäre gut, wenn Sie nicht mehr im Kreistag sind, dann müssen wir keine Rücksicht mehr auf das Thema Windkraft nehmen“, soll sein FDP-Kollege aus Hanau einst gesagt haben. Piesold betonte auf Nachfrage allerdings, dass diese Aussage nicht öffentlich gefallen sei. Dass er nicht unglücklich darüber ist, dass mit Zimmermann der schärfste Gegner von weiteren Windkraftanlagen im Main-Kinzig-Kreis aus der FDP-Spitze verschwunden ist, verheimlicht er hingegen nicht: „Mit extremen Positionen ist man nun mal nicht koalitionsfähig.“

Zurück zur Kandidatenliste: Auf Platz fünf war Dagmar Oppermann aus Hasselroth vorgeschlagen, gegen sie kandidierte wiederum wie vorher angekündigt Piesold und verlor. Piesold wurde danach, wie vorgesehen, auf Platz sechs gewählt. Die meisten Stimmen für die FDP bei der Kommunalwahl 2016 holte Alexander Noll, sprang damals von Platz zwei auf die Spitzenposition. Deshalb war er sich relativ sicher, dass er auch von Rang sieben aus erneut den Einzug in den Kreistag schaffen würde. „Doch dann haben die plötzlich Leo Hoffmann aus dem Hut gezaubert“, schildert er selbst seine Überraschung, dass der neue FDP-Vorsitzende aus Maintal gegen ihn kandidierte. Hoffmann gewann, Noll gab nicht auf und bewarb sich nun um Platz acht, der ja durch den Sprung von Kolja Saß auf Rang vier frei geworden war. „Spätestens dann stellte sich heraus, dass es eine lange eingefädelte organisierte Intrige war“, ist Noll überzeugt, denn mit dem Vorsitzenden der Jungen Liberalen im Main-Kinzig-Kreis, Marc Schmidt aus Hanau, kandidiert nun jemand gegen ihn, der gar nicht anwesend war und von dem nur eine schriftliche Einverständniserklärung vorlag. Schmidt gewann knapp, Noll verzichtete auf weitere Anläufe. Die weiteren Einzel-Abstimmungen brachten dann die erwarteten Ergebnisse: 9. Christof Sack (Langenselbold), 10. Katja Lauterbach (Bruchköbel), 11. Bernhard Reuß (Sinntal) und 12. Michael Otten (Bad Orb). Über die restlichen Platzierungen auf der FDP-Kandidatenliste für den Kreistag wurde wie gewohnt blockweise abgestimmt.

„Persönliche Karrierepläne sind wichtiger als das Wohl der Gesamtpartei“, berichtet Noll im Telefongespräch am Samstag von einer geplanten Zusammenarbeit der Ortsverbände aus Maintal und Gelnhausen mit Unterstützung aus Hanau, die das Ziel hatte, ihn und Zimmermann von der Liste zu streichen. „Herr Fetzer ist erst ganz frisch in der Partei und träumt offenbar gleich davon, in den Bundestag einzuziehen. Und Kolja Saß ist bekanntermaßen der größte Intrigant in unserer Partei“, lassen diese Aussagen von ihm auf eine tiefe Spaltung in der FDP Main-Kinzig schließen. Noll, ehemaliger Kreis- und Fraktionsvorsitzender, einst Landtagsabgeordneter und aktuell für die FDP im Gemeindevorstand in Großkrotzenburg, sowie auch Zimmermann wollen ihre ehrenamtlichen Kreistagsmandate dennoch bis zum Ende der Legislaturperiode wahrnehmen, auch ein Rückzug aus der Partei steht für beide nicht zur Debatte.

Der FDP-Kreisvorsitzende Daniel Protzmann will in dieser Woche auf einer extra anberaumten Vorstandssitzung ausloten, wie der auch aus seiner Sicht turbulente Parteitag aufgearbeitet werden kann. „Das war sicherlich ein Rückschlag im Stil“, hat er das Zusammenspiel zwischen den Ortsverbänden Gelnhausen, Maintal und Hanau durchaus zur Kenntnis genommen. Dass es Kampfkandidaturen geben werden würde, sei allerdings im Vorfeld angekündigt worden. „Ich hätte gerne mit Rolf Zimmermann weiter zusammengearbeitet, vor allem wegen seiner guten Vernetzung in den Altkreisen Gelnhausen und Schlüchtern“, sei dieser genauso wie Alexander Noll von ihm vorgeschlagen worden. „Das ist aber auch Demokratie“, verweist er auf aus seiner Sicht grundsätzliches Problem der FDP: viele gute Leute und nur wenige aussichtsreiche Plätze. Dass die vielen Stimmen für Noll bei der Wahl fehlen werden, sei jetzt eine der Folgen.

Wichtig sei es ihm aber auch gewesen, dass drei Frauen unter den ersten Zehn platziert sind. „Ich bin angetreten, um einen anderen Stil in die FDP reinzubringen und dachte eigentlich, wir wären da schon weiter“, will er selbst aber bei seinen Grundsätzen bleiben: Zusammenführen und Kompromissfähigkeit zeigen. Wie weit das nach diesem Parteitag noch möglich ist, wird sich zeigen. Mit Anke Welzel aus Hasselroth hat ihm ein weiteres Vorstandsmitglied ihren Rücktritt mitgeteilt, außerdem hat er die Vorabnachricht von einem Parteiaustritt einer anderen Person bereits erhalten.

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