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Der Kreisausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, in der Kreisverwaltung ein modernes Case-Management zu etablieren. Das heißt konkret, dass drohende oder gar bestehende Versorgungslücken in den Einrichtungen und bezogen auf bestimmte Gebiete im Kreis schnell erkannt und mit Unterstützung von außen behoben werden. Besser vernetzt werden sollen auch die Pflegestützpunkte und die hiesigen Krankenhäuser, etwa wenn es um die Entlassung genesener Menschen geht, die wieder in ihre Einrichtung zurückkehren und wenn dabei zusätzliche Bedarfe notwendig sind.

„Wir haben eine sehr vielfältige und ausdifferenzierte Strategie, die Alten- und Pflegeheime zu unterstützen. Einige Hilfsmaßnahmen sind in der Pandemiezeit hinzugekommen. Mit einem Case-Management können wir jetzt im Akutfall schlagkräftiger unterstützen. Vor allem weist es aber über die Pandemiezeit hinaus, wenn wir die Versorgungsstrukturen insgesamt verbessern können, und zwar mit vereinten Kräften“, erklärte Sozialdezernentin Susanne Simmler (SPD). Das Case-Management stellt eine Erweiterung der bisherigen Pflegeberatungen in den Pflegestützpunkten dar. Die Schwerpunkte bisher sind individuelle Fallanalysen und Beratungsangebote, vor allem also die aktive Begleitung älterer Menschen. Einen besonderen Fokus legen die Pflegestützpunkte zudem schon jetzt auf die sich immer wieder verändernde Bedarfslage im Pflegebereich insgesamt. Dazu passt, dass das Case-Management nun in enger Abstimmung mit den Einrichtungen aufdecken soll, wo es für die Versorgung der Menschen in Alten- und Pflegeheimen vor Ort dringend Unterstützung bedarf. Dazu wird das Case-Management die Vernetzung in der Fläche zwischen Pflege- und Gesundheitsbereich vorantreiben und Regelungen schaffen, wie Pflegestützpunkte mit Krankenhäusern, ambulanten Einrichtungen, niedrigschwelligen Initiativen und anderen Diensten schnell den Versorgungslücken entgegenwirken können.

Koordiniert wird die Arbeit in der Kreisverwaltung, durch das Amt für soziale Förderung und Teilhabe in der Abteilung Leben im Alter. Die Zuständigkeit des Case-Managements umfasst den gesamten Main-Kinzig-Kreis. Aufgrund der erhöhten Bedarfslage und einer anderen Versorgungslage im Ostkreis wird dort der Schwerpunkt des Case-Managements sein, die ländlichen Regionen weitreichender zu vernetzen sowie generelle Versorgungslücken aufzudecken und zu helfen, diese zu beheben. Der Kreisausschuss begründete seine Entscheidung auch mit der demografischen Entwicklung. Die Anzahl der Über-80-Jährigen im Main-Kinzig-Kreis wird nach Prognosen der Bertelsmann-Stiftung im Zeitraum von 2012 bis 2030 um 66 Prozent und damit im Vergleich zu Hessen (50%) deutlich überdurchschnittlich steigen. Ein steigender Anteil von Einpersonenhaushalten im Alter könnte bei fehlenden sozialen Netzwerken im Falle von Unterstützungsleistungen problematisch werden – zumal die aktuell verfügbaren stationären Pflegeplätze des Kreises im Vergleich zum Bundesland Hessen deutlich niedriger ausfallen.

„Die Zukunftswerkstätten, die wir kürzlich im Rahmen der Altenhilfeplanung in Sinntal, Jossgrund und Langenselbold veranstaltet haben, wiesen ebenfalls auf genau diese Bedarfe hin“, sagte Susanne Simmler. Zu den wissenschaftlich untermauerten Handlungsfeldern für den Main-Kinzig-Kreis gehörten demnach

- Erhalt und Verbesserung der eigenen Wohnraumsituation und Mobilität durch mehr Beratung,
- Entwicklung weiterer Unterstützung sowie „neuer Wohnformen“ als Alternativen zwischen dem Zuhause und den Altenpflege-Einrichtungen sowie
- Projektierung von zugehenden Versorgungsangeboten für ländliche Gemeinden.

Diese Handlungsfelder passten sich in den erweiterten Zuschnitt der Pflegestützpunkte gut ein, so Simmler: „Wir wollen als Main-Kinzig-Kreis nicht nur in Notsituationen im Pflegebereich auf den Plan treten und unterstützen. Wir wollen auch langfristig die Vielfalt und Stärke der Pflegelandschaft bekräftigen.“

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