Ein Tag als FSJler in der Heinrich-Hehrmann-Schule

Schlüchtern
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„Unser Team trifft sich im Klassenraum. Wir besprechen den anstehenden Tag, stellen den Stuhlkreis und holen gemeinsam die Kinder von den Bussen ab. Jeden Morgen starten wir mit dem Morgenkreis in den Schultag. Mit den Kindern singen wir das Begrüßungslied, besprechen das Datum und den Stundenplan.“, berichtet Paula, die in diesem Schuljahr ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Heinrich-Hehrmann-Schule leistet, über ihre Aufgaben im hauswirtschaftlichen, pflegerischen und erzieherischen Bereich.

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Lena führt ihre Tätigkeiten so aus: „Meine Aufgaben sind es, die Lehrkräfte zu unterstützen und in der Arbeitsphase, den Kindern zu helfen, die nicht alleine arbeiten können und/oder Schwierigkeiten haben. Für den Kunstunterricht durfte ich schon selbst Bastelarbeiten vorbereiten und den Unterricht anleiten. Außerdem spiele ich oft mit Kindern in der Pause oder der freien Zeit. Besonders gerne habe ich jedoch mit den Kindern in den Pausen oder im Sportunterricht Fußball gespielt.“

In diesem Schuljahr absolvieren in der Heinrich-Hehrmann-Schule insgesamt vier junge Leute ihr Freiwilliges Soziales Jahr. Dieses stellt für Menschen bis zum 27. Lebensjahr nach Abschluss ihrer Vollzeit-Schulpflicht eine Chance dar, sich selbst persönlich weiterzuentwickeln und darüber hinaus anderen zu helfen. Die Heinrich-Hehrmann-Schule in Schlüchtern wird von Schülerinnen und Schülern mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen besucht, die unterschiedliche Unterstützungsbedarfe aufweisen. Jede Lerngruppe wird von multiprofessionellen Teams gefördert, die sich aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammensetzt. Das bietet dem FSJler/der FSJlerin vielfältige Möglichkeiten der beruflichen Orientierung. So fühlt sich Fabian in seinem Berufswunsch bestätigt: „Die Zeit hat mir sehr geholfen zu schauen, ob die Arbeit in einer Förderschule etwas für mich ist.“ Maria wollte schon vorher Lehramt studieren, hatte aber nie den Studiengang Förderschullehramt im Kopf, mit welchem sie sich durch das FSJ beschäftigt habe. Paula ergänzt: „Durch mein FSJ an der Heinrich-Hehrmann-Schule habe ich die Arbeit mit Menschen mit Behinderung erstmals kennengelernt. Es war anders, als ich es mir vorgestellt habe, aber recht schnell entdeckte ich meine Freude an dieser Arbeit. Schon seit längerem habe ich mit dem Beruf der Lehrerin geliebäugelt. Im Laufe des Jahres entschied ich mich dann für das Studium des Förderschullehramts.“ Maria ist sehr froh, dass sie jetzt schon weiß, was sie nach dem Studium erwartet: „Außerdem habe ich gelernt mit Kindern mit Behinderung zusammen zu arbeiten und auf ihre Schwächen und Bedürfnisse einzugehen. Auch konnte ich viel Pädagogisches lernen, z.B. welche Methoden es gibt, um Kindern das Lesen oder Rechnen beizubringen.“

Für die persönliche Weiterentwicklung bietet das FSJ eine große Chance. So berichtet Maria: „Das FSJ hat mich in meiner Persönlichkeit bestärkt, in dem ich die Chance bekommen haben, neue Situationen kennenzulernen und festzustellen, wie ich in diesen Situationen handele. Ich kam vor dem FSJ, außer bei einem zweiwöchigen Praktikum, nie mit Kindern mit Behinderung in Kontakt. Das FSJ hat mir in dieser Hinsicht etwas gebracht. Ich habe verstanden, dass jeder Mensch einzigartig ist und somit auch die schulischen Lernziele einzigartig sein müssen und nicht verallgemeinert werden können.“ Paula stellt fest: „Durch den Umgang mit den Kindern bin ich geduldiger geworden. Ich habe gelernt, dass nicht alles immer sofort funktionieren muss. Es kann auch mal Rückschritte geben. Man muss sich oft viel Zeit für die Kinder nehmen, um an deren Zielen zu arbeiten. Dabei sind kleine Schritte oftmals große Erfolge. Ich habe gelernt, dass es nicht um meine Erwartungen geht. Ich betrachte jetzt jedes Kind individuell und bin offen für dessen Entwicklungsschritte.“ Lena ist dem Umgang mit lautsprachlichem Gebärden begegnet: „Meine Familie musste sich jeden Tag meine neu gelernten Gebärden anschauen, wenn ich nach Hause kam, weil ich so begeistert davon war.“ Sie ergänzt: „Ich habe gelernt, wie schön die zunächst klein wirkenden Dinge sein können. Wenn ein Kind, für das ich am Anfang noch fremd war, nach einiger Zeit gefragt hat, ob ich ihm helfen kann, merkte ich, wie viel Vertrauen in dieser Frage steckt und wie viel dieses Vertrauen der Kinder wert ist.“

Auch schwierige Situationen lernen die jungen Menschen in der Zeit des FSJ zu meistern: „Anstrengend wird es dann, wenn die Kinder sich oft streiten, ständig Quatsch machen oder nicht mitmachen wollen.“ Eine gute Zusammenarbeit innerhalb des Teams wird in solchen Phasen unentbehrlich. Von dieser sind die jungen Erwachsenen angetan: „Wir hatten in der Schule sehr viel Spaß, auch wenn es mal anstrengend wurde. Die Zusammenarbeit war sehr angenehm, und es hat mich gefreut, dass ich in Entscheidungen miteinbezogen wurde und man mich oft nach meiner Meinung gefragt hat. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht als FSJlerin sondern als Kollegin auf Augenhöhe angesehen wurde.“ Fabian bestätigt: „Ich wurde nicht weniger ernst genommen, weil ich "nur" der FSJler war. Alles in allem habe ich die Zusammenarbeit als unglaublich angenehm erlebt. Man hat sich trotz hohem Altersunterschied doch immer super verstanden.“

Auch die Mitarbeiter der Heinrich-Hehrmann-Schule freuen sich jedes Schuljahr erneut auf die Zusammenarbeit mit den jungen FSJler/innen. Über die Unterstützung in ihrer schulischen Arbeit hinaus bereichern sie den schulischen Alltag mit ihrem Elan und Engagement. „Wenn du dir nicht 100% sicher bist, was du später machen möchtest, dann kann ich dir nur ein FSJ empfehlen. Wenn du gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeitest und du verschiedene Altersgruppen kennenlernen möchtest, ist die Heinrich-Hehrmann-Schule eine gute Wahl. Hier gibt es Schüler von klein bis groß. Aber nicht nur das Alter ist sehr variabel, sondern auch die verschiedenen körperlichen und geistigen Einschränkungen. So kannst du viele verschiedene Erfahrungen sammeln und bekommst einen breiten Einblick. Das alles wird durch das Team unterstützt.“ „Ich bin wirklich sehr glücklich, dass ich an der HHS "gelandet" bin, auch wenn ich ganz am Anfang noch etwas skeptisch war, haben sich alle Bedenken nach kürzester Zeit aufgelöst.“

Das FSJ kann über zwei unterschiedliche Bildungsträger BDKJ in Fulda oder Volunta durchgeführt werden. Interessenten für ein FSJ können sich jederzeit auch direkt an die Heinrich-Hehrmann-Schule (Telefon: 06661-4091) wenden. Die Schulleitung steht gerne für weitere Beratungen sowie zur Kontaktaufnahme zu den Bildungsträgern zur Verfügung.

Foto von links: Fabian Storck, Lena Betz, Maria Hohmann, Paula Fischer.

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