Gesundheitsamts-Chef über Teststrategie, Impfungen und Mutationen

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Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus geht seit einigen Tagen nicht mehr mit gleicher Dynamik zurück wie noch Anfang Februar. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert, der das Infektionsgeschehen der zurückliegenden Woche beschreibt, stagniert in einem Bereich zwischen 80 und 90. Dr. Siegfried Giernat, Leiter des Gesundheitsamts im Main-Kinzig-Kreis, spricht über die aktuelle Situation, den möglichen Einfluss von Virusmutationen auf das Infektionsgeschehen und die laufende Impfaktion.

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Der Inzidenzwert, der die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche beschreibt, lag für den Main-Kinzig-Kreis einige Tage lang am höchsten in Hessen und bewegt sich derzeit eher seitwärts zwischen 80 und 90. Worauf führen Sie das zurück?
Dr. Siegfried Giernat: „Das Infektionsgeschehen ist nach wie vor nicht nur hoch, sondern teils auch diffus. Was heißt das konkret: Wir hatten in den vergangenen Tagen einzelne Ausbrüche in Pflegeheimen, in einer Reha-Klinik und in Kindertagesstätten. Es gibt auch vereinzelte Fälle an Schulen, Stand jetzt immerhin keine größeren Ausbrüche in diesem Bereich. Aber unabhängig davon stecken sich nach wie vor die meisten Menschen im familiären, im häuslichen Umfeld an. Das macht mehr als die Hälfte der zurückverfolgbaren Fälle aus. Die Gesamtzahl der Neuinfektionen ist deutlich niedriger als im Zeitraum Dezember, Anfang Januar, aber sie nimmt gerade nicht weiter ab.“

Wie viele Fälle kann das Gesundheitsamt denn zurückverfolgen, also klar zuordnen?
Dr. Giernat: „Dieser Wert bewegt sich um 80 Prozent, recht konstant seit einigen Wochen. Das heißt, dass in diesen Fällen der Ansteckungsweg nachvollziehbar und klar ist und sich die Maßnahmen des Gesundheitsamts auf einen eingrenzbaren Personenkreis fokussieren können. Das heißt umgekehrt aber auch, dass es immer noch infizierte Personen gibt, die nicht genau angeben oder erklären können, wo sie sich möglicherweise angesteckt haben. Das kann der Arbeitsplatz gewesen sein, der erweiterte Familienkreis, eine Begegnung in einem öffentlichen Raum oder ganz woanders. Wie schon seit Beginn der Pandemie vor einem Jahr sind wir für alle Maßnahmen darauf angewiesen, dass jeder und jede Infizierte mit uns zusammenarbeitet und uns vor allem alle notwendigen Informationen zur Verfügung stellt.“

Welche Auswirkungen haben Virusmutationen auf das Infektionsgeschehen?
Dr. Giernat: „In immer mehr Fällen zeigen uns die Labore an, dass sie einen Hinweis auf eine der bekannteren Virusmutationen entdeckt haben, also die britische, südafrikanische oder brasilianische Variante. In der jüngsten Auswertung lag der Anteil im Main-Kinzig-Kreis bei 18 Prozent aller Neuinfektionen, Tendenz ist hier klar steigend. Schon vor Wochen haben Virologen auf die höhere Ansteckungsgefahr hingewiesen. Die stellen wir in einzelnen Ausbruchsgeschehen im Main-Kinzig-Kreis auch fest: eine zeitlich rasant schnelle Ausbreitung, verbunden mit mehr Infizierten, wenn es zu Ausbrüchen kommt.“

Wie geht das Gesundheitsamt damit um?
Dr. Giernat: „Es ist weiterhin vor allem Schnelligkeit gefragt, die wir durch frühzeitige und umfassende Schutzmaßnahmen erreichen. Wir haben außerdem unsere Teststrategie massiv ausgebaut. Wir testen seit einiger Zeit in einem wesentlich weiteren Umfeld um die Infizierten herum. Vor allem hat der Verwaltungsstab des Main-Kinzig-Kreises den Weg freigemacht für mehr Schnelltestangebote, um gerade asymptomatische Fälle und Erkrankungen mit rein milden Symptomen frühzeitig zu erkennen und weitere Infektionsketten zu verhindern. Übrigens gibt es Hinweise, dass gerade die neuen Varianten höhere Viruskonzentrationen im Mund-Nasen-Raum erzeugen und deshalb im Schnelltest gut zu finden sind. Wir haben uns Ende vergangenen Jahres dazu schon auf stationäre Einrichtungen konzentriert, deren Besucherinnen und Besucher sich vorab an diesen Teststationen des Kreises testen lassen können. Jetzt ist dieser Radius um Personal an Schulen, Kitas und im Bereich der Kindertagespflege erweitert worden.“

Und was bedeutet die Virusmutation für diejenigen, die sich damit angesteckt haben?
Dr. Giernat: „Im Prinzip wenig anderes als bisher auch: Die häusliche Isolierung ist das A und O, über volle 14 Tage, genauso wie für das nahe Kontaktumfeld. Wer als Betroffene oder Betroffener seine engsten Kontakte selbst informieren kann, damit sie sich schnellstmöglich vorsorglich isolieren bis weitere Informationen vorliegen, kann einen aktiven Beitrag leisten. Der Main-Kinzig-Kreis unterstützt und erleichtert das durch die App Cluster-Diary, die seitens des Gesundheitsamts mit entwickelt worden ist und als Art Kontakt-Tagebuch fungiert – mit direkten Schnittstellen zum Gesundheitsamt, wenn der Fall der Fälle eben eintrifft. Das ganze Verfahren der Kontaktpersonennachverfolgung und Information wird dadurch erheblich beschleunigt.“

Lässt die erweiterte Teststrategie des Kreises darauf schließen, dass Sie Kitas und Schulen für Schwerpunkte beim Infektionsgeschehen halten?
Dr. Giernat: „Nach allem, was wir aus den vergangenen Monaten wissen, gibt es in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen natürlich auch Covid-19-Fälle. Das lässt sich schwerlich verhindern, wenn sich jemand in der Familie bei einer Person angesteckt hat, die womöglich gar keine Symptome zeigt. Daraus folgende Ansteckungen innerhalb der Schulen und Kitas waren hingegen äußerst selten. Wie die Virusmutationen die Situation in diesen Einrichtungen eventuell verändern, wissen wir noch nicht. Der Main-Kinzig-Kreis setzt hier ganz bedeutend auf Aufklärung, um in diesen Systemen mehr Sicherheit zu geben und auch Vertrauen herzustellen. Mehr testen, verbunden mit wenn auf Landes- und Bundesebene entschieden auch mehr Impfungen sind ganz wesentliche Beiträge, um das Infektionsgeschehen weiter zu beruhigen.“

Stichwort Impfungen: Wie kommt die Impfkampagne im Kreisgebiet voran?
Dr. Giernat: „Der Schwerpunkt liegt seit dem 9. Februar ganz klar auf den Impfungen in den beiden Impfzentren. Parallel impfen aber auch weiterhin die mobilen Einsatzteams in den Alten- und Pflegeheimen. Sämtliche Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal, die ihr Interesse bekundet haben, haben in diesen Einrichtungen mindestens ihre Erstimpfung erhalten. Dass es teils Verzögerungen gegeben hat, hing zum einen mit den gelieferten Impfstoffmengen, zum anderen mit größeren Ausbruchsgeschehen in den jeweiligen Einrichtungen zusammen. Diese mussten zunächst eingedämmt werden. Aber abgesehen davon läuft die Impfaktion sowohl bei den mobilen Einsatzteams als auch in den Impfzentren derzeit reibungslos und hochprofessionell.“ 

Foto: Dr. Siegfried Giernat, Leiter des Gesundheitsamtes des Main-Kinzig-Kreises.

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